Schwarznessel – das vergessene Beruhigungsmittel

Die Schwarznessel ist ein Lippenblütler. Wegen seines widerlichen Geruches aber seiner heilenden Wirkung wird er landläufig auch Stink-Andorn genannt.

Schwarznessel (Ballota nigra)

Leicht zu verwechseln ist die Schwarznessel mit der Stängelumfassenden Taubnessel  (Lamium amplexicaule) aus der gleichen Pflanzenfamilie der Lamiaceae. Der wesentliche Unterschied findet sich in den halbstängelumfassenden, breiten Tragblättern, die bei der Schwarznessel wesentlich spitzer sind und gegenständig am Stengel sitzen. Später im Jahr unterscheiden sie sich auch in der Wuchshöhe. Die Schwarznessel erreicht eine Höhe von 30-70 Zentimetern. Hingegen die Stängelumfassende Taubnessel nur bis zu 20 cm gross wird.

Gerne wird die Schwarznessel auch mit dem Andorn verwechselt. Die charakteristische Anordnung der Blüten in Kränzen hat eine gewisse Ähnlichkeit. Im Unterschied zu den lilafarbenen Blüten der Schwarznessel blüht der Gemeine Andorn weiss. In der Volksheilkunde wurden beide Kräuter auch häufig für die selben Indikationsgebiete verwendet. Der als leicht widerlich beschriebene Geruch der Schwarznessel, der beim Reiben der Blätter sich bemerkbar macht, hat ihr auch den landläufigen Namen Stink-Andorn eingebracht.

Die pharmazeutisch wirksamen Stoffe stecken in den blühenden Triebspitzen, die gesammelt und getrocknet werden.

Interessanterweise fordert das Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) eine Mindestkonzentration von 1,5% ortho-Hydroxyzimtsäurederivaten im getrockneten Kraut der Schwarznessel. Die Hydroxyzimtsäuren und Hydroxyzimtsäure-Derivate weisen eine inhibitorische Wirkung gegenüber zahlreichen Pilzen und Bakterien auf und können so die körpereigene Abwehr von Krankheitserregern unterstützen. Damit setzt man bei der Schwarznessel eine ähnliche Wirkung wie des Andorns voraus.

Als pflanzliches Beruhigungs- und Einschlafmittel können die blühenden Triebspitzen der Schwarznessel helfen

Tatsächlich hat die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) eine Empfehlung ausgesprochen und für die Schwarznessel eine Monografie erstellt. Nach Auffassung der Kommission sollte die Schwarznessel als beruhigende und krampflösende Heilpflanze für die Indikationen Einschlafstörung, Reizbarkeit, Nervöse Spannungszustände und leichte Magen-Darmkrämpfe offiziell anerkannt werden. In diesem Zusammenhang wird auch die Anwendbarkeit bei Schlafstörungen und Ruhelosigkeit in Betracht gezogen.

Lange galt die Schwarznessel als eine der vergessenen Heilkräuter. Vielleicht trägt der strenge Geruch der Blätter nicht zu ihrer Beliebtheit bei. Es brachte ihr immerhin den Spitznamen ‚Gottvergessen‘ ein.

Inhaltsstoffe:

Ätherisches Öl, Diterpene, Dihydroxyzimtsäurederivate, Flavonoide, Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate, Sesquiterpene

Wirkung:

beruhigend, krampflösend,

Gegenanzeigen:

Bei bestehenden Allergien gegen Lippenblütler ist im Umgang mit der Schwarznessel Vorsicht geboten.

Die leicht sedierende (beruhigende) Wirkung von Schwarznesselkraut kann unter Umständen das Fahren von Fahren von Fahrzeugen und Führen von Maschinen beeinflussen.

Die maximale tägliche Einnahmemenge sollte sich auf 1-1,5g Schwarznesselkraut beschränken.