Abbaye de Lérins

Zisterzienser-Abtei auf  l’île Saint Honorat

Die Insel  l’île Saint Honorat gleicht einem Ameisenhaufen mit Kirchturm mitten im Meer. Unzählige Menschen wuseln unentwegt hin und her, kreuz und quer über das knapp eineinhalb Kilometer lange Eiland. Haben sie ihre Tour beendet, verschwinden sie wieder von der Insel auf kleinen Booten mit roten Rümpfen. Stunde um Stunde bugsieren die Schiffchen der Abteiflotte die Besucher der Klosterinsel vom Festland und wieder dorthin zurück. Unmittelbar darauf beginnt das Gewimmel von Neuem. Einige sind regelrecht von Entdeckerfieber gepackt. Andere gehen gelassener ihre Runde. Mancher ergibt sich der kollektiven Langeweile geführter Touristengruppen.

Die Insel der Mönche an der Côte d’Azur

Die Insel, die ein Garten ist

Nur die Möwen sehen es aus ihrem erhöhten Blickwinkel: die Insel ist ein Garten! Von der Ferne sind nur die dichten Kiefernwäldchen sichtbar. Dass sich dahinter ausgedehnte Weingärten und weitläufige Olivenhaine verbergen, wird erst beim Betreten der Insel ersichtlich. Bunte Beete mit interessanten Kräutern und Pflanzen finden sich vor der Klosterkirche. Die Gärtner haben sie zur Zierde und mit Stolz um sie herum drapiert.

Ganz ruhig wird es auf der  l’île Saint Honorat erst, wenn die Arbeit ruht. Nicht nur für die Mönche gibt es ausreichend Arbeit auf der schmalen Insel an der Côte d’Azur. Vor allem die Weingärten neben den Olivenhainen fordern eine intensive Hege für den Ertrag. Es soll sich dabei um eine Fläche von acht Hektar handeln. Das ist für die Fasane genügend Fläche um zwischen den Rebstöcken ungestört und geschäftig ihrer Balz nachzugehen.

Ruhe und Gelassenheit

Abseits der Wege bewahren sich die Mönche ihre Abgeschiedenheit. Die Türen bleiben geschlossen. Zäune und Mauern sind hoch. Was dahinter wächst und gedeiht, bleibt dem Nichteingeweihtem verborgen. Genau darin liegt möglicherweise ein Teil des Zaubers, den dieser Platz auf seine Besucher ausübt. Menschen, die zurückgezogen leben und dennoch gerne Gäste haben. Die Einladung zum gemeinsamen Gebet in der schlichten Klosterkirche: sie besteht für alle!

Fast schon für die Ewigkeit

Beinahe ununterbrochen seit dem vierten Jahrhundert siedeln Mönche auf der l’île Saint Honorat in Sichtweite der berühmten Strände von Cannes. Selbst genuesische Piraten konnten das nicht verhindern. Auch den Spaniern, den Sarazenern und anderem kriegslüsternen Volk gefiel diese Insel, und alles was ihre Bewohner darauf geschaffen hatten. Deshalb wurden sie immer wieder in kriegerischer Absicht von ihnen heimgesucht. Ein Zeugnis dieses Teils der Geschichte ist der imposante befestigte Klosterturm am romantischen Nordstrand der Insel.

Auf und ab, ohne Gezeiten

Den absoluten Tiefpunkt erlebte die Klosterinsel in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Für mehr als 70 Jahre erlosch das monastische Leben an diesem Platz. In seiner Geschichte von rund 1600 Jahren ist das zwar ein relativ kleiner Zeitabschnitt. Erst mit dem Einzug der Zisterzienser lebte Lerins als Kloster wieder auf. In aller Stille verrichten die Mönche ihr Gebet und ihr Tageswerk gemäss ihrem Motto ‚ora et labora‘. Die grünenden und blühenden Gärten der Abtei sind Zeugnis ihres Fleisses und ihrer Anstrengungen.

Anreise und Internet-Adresse:

http://abbayedelerins.com/site/fr/