Augustiner Chorherrenstift Neustift


“Mit den Gästen darf niemand ohne Auftrag zusammensein oder sprechen.”

REGULA BENEDICTI 53, 23


Hinter den Mauern des rund vier Kilometer nördlich der Südtiroler Stadt Brixen gelegenen Klosters Neustift existieren drei interessante und schwer zugängliche Klostergärten. Der neugestalteten Barockgarten, der Baumgarten mit seinen Obstgehölzen und der für mich Interessanteste ist der Kräutergarten. War es Schicksal oder Pech, dass ich die Informationen auf der Website des Stiftes nicht richtig las oder falsch interpretierte? Die Tore zu den Gärten öffnen sich nur montags um 10:30 Uhr und 11:30 Uhr. Die frühe Führung ist in deutscher und die späte Führung in italienischer Sprache. Wahrscheinlich hätte eine kurze telefonische Anfrage mich vor dieser Enttäuschung auf meiner Entdeckungsreise durch die sehenswertesten Klostergärten bewahrt.

Immer wieder montags

Am Fluss zwischen den Wein- und Obstgärten entlang

Der Weg von Brixen zum Kloster Neustift ist ein sehr schöner, wenn man zu Fuss oder per Rad dem Lauf des Flüsschens Isarco, oder auf deutsch: Eisack, folgt. Nordwärts geht es auf bequemen Wegen vier Kilometer zum Teil im Schatten von Bäumen und Hecken. Spätestens beim Eintreffen am Kloster im Örtchen Vahrn wird klar, weshalb sich die Gartenpforten nur zweimal in der Woche am Montag öffnen. Die Anziehungskraft des schönen Klosters, das eine wie Mischung aus Märchenschloss und mittelalterlicher Burg ausschaut, sorgt für einen nichtendenwollenden Besucherstrom. Reisebusse, Schulklassen, Touristen aus aller Herren Länder sorgen für ein ununterbrochenes Gewusel auf allen Plätzen und Höfen des Stiftes. Von einer klösterlichen Stille ist nichts zu spüren. Daher ist es durchaus verständlich, wenn die Chorherren sich in ihre Klausur zurückziehen und die Türen fest geschlossen halten.

Neustift ist das grösste Kloster in Südtirol.
Wahre Schönheit kommt von innen und hängt manchmal als Blumenkasten vor dem Fenster.
Auch oben im Norden Italiens ist Sonnenschutz vor der Hitze angeraten.
Die bunten Dachschindeln sind das Markenzeichen für die Tiroler Architektur.

Die Gärten sind verschlossen aber nicht verborgen.

Am östlichen Hang, oberhalb des Weinberges verläuft die alte Pustertaler Strasse. Von ihr aus lässt sich mühelos die gesamte Klosteranlage überblicken. Die Gemeinde Vahrn hat sogar kleine Verkehrsinseln in der engen Strasse angelegt, von der aus die Fussgänger vom Autoverkehr ungestört über die Feldsteinmauer einen Blick talwärts auf die Dächer und Gärten vom Kloster Neustift werfen können.

Wohlgemerkt, die Weinbergmauer hat eine Lücke, durch sie führt ein beschilderter Wanderweg abwärts direkt zum Kloster, auf Stufen durch den Weinberg. Dieser Weg bietet herrliche Ausblicke ins Eisacktal, die umliegenden Berge und auf das Kloster. Auch beim besten Willen lässt sich nicht verhindern, dass der Wanderer hierbei zum Zaunkieker wird. Aus dieser Perspektive lassen sich gut der barocke Garten und der Obstgarten mit dem markanten Taubenhaus einsehen.

Typisch für einen barocken Garten sind die geometrischen Formen der angelegten Rabatten.
Ein Brunnen ist nicht genug. Es müssen derer zweie sein.
Der plätschernde Brunnen spendet Wasser und Ruhe.
Wein, Blumen, Kräuter und Obst bringen die Gärten des Klosters hervor.

Der Schönheit und dem Wein huldigen, statt den Kräutern.

Ganz Neugierige können den Klosterkomplex mit einem Spaziergang zu Fuss umrunden, in dem sie an der Margarethenkirche starten und am Tor oberhalb der Engelsburg enden. Ein stiller Feldweg führt südwärts um die Gebäude und Gärten herum. Die Kräuter, von denen es wohl 75 Arten im Klostergarten geben soll, rücken in dieser Entfernung immer noch nicht in Blickweite, aber die Schönheit der Anlage erschliesst sich dem Betrachter.

Die Rose, Mariens Blume, darf in keinem Kloster fehlen.
Nur von Ferne lassen sich die Heilkräuter bestaunen.
Der Mönche Hobbygarten bleibt dem gemeinen Besucher verschlossen.
Auch kleine Bauerngärtchen werden von den Mönchen bewirtschaftet.

Im Klosterladen wurde ich leider des berühmten Neustifter Kräutertees nicht fündig. Lag es daran, dass ich von dem riesigen und reichhaltigen Weinangebot überwältigt oder meine Sinne an diesem Tage schon ermüdet waren? Wie jedes Kloster, ist Neustift auf die Einnahmen seiner Wirtschaftsbetriebe angewiesen. Der Südtiroler Wein ist begehrt und vielleicht sogar neben den spirituellen Aufgaben eine Jahrhunderte alte Kernkompetenz des Chorherrenstiftes.

Ein Trostpflaster wartet in Brixen.

Die meisten verbinden den Besuch des Klosters Neustift mit einem Abstecher nach Brixen. Im Dom erwartet alle “Ausgesperrten” der Neustifter Gärten ein wahrhaftiges Trostpflaster. Im Zentrum des Brixener Dom-Viertels mit direktem Zugang im Kirchenschiff des Doms befindet sich der absolut sehenswerte und eindrückliche Kreuzgang. Er bietet ein Fest für die Augen. Das Spiel zwischen Licht und Schatten, dem Grün des Kreuzgartens und den Schattierungen des Mauerwerks, lassen manch einen die wunderbaren und zum Teil vergnüglichen Malereien des gotischen Rippengewölbes vergessen. Kräuter gibt es an dieser Stelle keine, aber diese Farben des Lichtes …

Die linken beiden Türme gehören zum Dom von Brixen.
Der Kreuzgang bietet Schatten und meditative Ausblicke in den Garten.
Über die Dächer lugen die Berge in den Kreuzgang.
Blick auf den Dom aus dem Kreuzgang.

Anreise und Internet-Adresse:

https://www.kloster-neustift.it/kunst-kultur/