Kloster Lüne

Ein romantischer Kräutergarten mit würzigen Schönheiten

In der noch morgendlichen Frische schleicht sich der Koch des Kloster-Cafes bewaffnet mit Schere und Körbchen vorbei am friedlich plätschernden Brunnen. Lautlos bewegt er sich suchend zwischen den Rabatten. Verdeckt von den hohen Stengeln des Fenchels und der Raute kramt er knieend lautlos mit flinken Fingern zwischen den Beeten. Die Blätter des Liebstöckels rascheln und die Blüten des Baldrians wippen hilflos in der Luft. Geräuschlos und energisch verrichtet er sein Werk, um dann plötzlich blitzschnell aufzuspringen und mit seinen geborgenen Schätzen den Kräutergarten eilig und still zu verlassen.

Klostertradition auf Evangelisch

Wo Schatten ist, da gibt es auch Licht

Mehr als sechs Gärten umfasst das Areal des Klosters Lünen. Am bedeutensten ist aus meiner Sicht der Kräutergarten. In seiner historischen Gestalt vermittelt er einen lebendigen Eindruck über die Jahrhunderte alte klösterliche Tradition im Umgang mit Medizinalpflanzen. Direkt vor den Fenstern der ehemaligen Krankenstation wachsen und gedeihen die obligatorischen Heilkräuter und Gewürze für die gute Küche. Der Garten ist ein Platz für die Sinne und zum Lernen. Die Pflanzen sind in langen Rabatten des Gartens arrangiert. Diagonal trennt eine steinerne Rinne mit plätscherndem Bachwasser die Beete. Kleine zum Teil verblasste Schilder an den Pflanzen erklären, um welches Kraut es sich handelt. Schatten und Frische garantiert den empfindlichen Pflänzchen im Sommer die westliche Lage des Gartens im Geviert zwischen Klosterkirche, Kreuzgang und Siechenhaus.

Blick in den weitläufigen Garten mit den Streuobstwiesen.
Die frühe Backsteingotik nutzte die geometrischen Figuren hauptsächlich als schmückende Elemente.
Ein Blick auf die Ostseite der Klosterkirche Lüne.

Ein wunderbarer Platz zum Verweilen sind die weitläufigen Streuobstwiesen. Das Kloster-Cafe hat für seine Besucher Tische und Stühle zwischen den schönen schatten- und fruchtspendenden Obstbäumen platziert. Den Weg zum Klostermuseum säumen die in der Heide vielgeliebten Rosen und weitere Heilpflanzen, die unbedingt einen sonnigen Standort für ihr Wachstum benötigen. Im Lavendel tummeln sich die Schmetterlinge und die Hummeln sind begeistert vom langstieligen Ehrenpreis.

Nicht alle Gärten sind der Öffentlichkeit zugänglich, wie beispielsweise der Rosengarten, die grosse Bleiche und der Friedhofsgarten. Sie bleiben den Bewohnerinnen des Stiftes vorbehalten. Das erinnert die Besucher daran, dass ein Kloster ein Rückzugsort für ein vertieftes geistliches Leben ist, welches unser aller Respekt verdient.

Das ist der Koch, kein Dieb!
Lilafarbene Blätter des Salbeis.
Die Spinnen sind schneller als die Nutzer des Wasserhahns und weben ihre Netze.
Schlafmohn in der Farbe trauernder Frauen.

Ein blühender Garten ist des Gärtners Lob

Am Rande der durch mittelalterliche Backsteingotik geprägten Salz- und Hansestadt Lüneburg liegt eines der norddeutschen evangelischen Damenstifte. Hervorgegangen ist es aus einem Benediktinerinnenkloster. Trotz des Konventionswechsels im 16. Jahrhundert wird die klösterliche Tradition bis heute am Leben erhalten. Die Konventualinnen widmen sich in diesen Tagen vorrangig sozialen, pädagogischen, kulturellen und kirchlichen Aufgaben. Das historische Ensemble der Gebäude und Anlagen wird sorgfältig erhalten und gepflegt. Wer also meint, er betritt ein Museum, der irrt. Im Kloster Lüne herrscht Leben, das aus Arbeit und Engagement für die Gemeinschaft und die Gemeinde besteht. Die Gärten sind ein Ausdruck dessen.

Backsteingotik mit Fachwerk.
Geordneter Wildwuchs im Klostergarten.
Die Aufteilung des kleinen Gartens folgt den Gesetzmässigkeiten der Geometrie.
Die Baldrianblüten nicken sanft vor den Fenstern des Siechenhauses.

Anfahrt und Internetadresse:

Täglich von 10 -18 Uhr sind die freizugänglichen Aussenbereiche für die Besucher des Klosters geöffnet (wozu auch der Kräutergarten gehört).

https://www.kloster-luene.de