Abbaye Saint Martin du Canigou

Das Klostergärtchen auf der Klippe über Schlucht

Ob dick oder dünn, jung oder alt, jeder quält sich den Berg hoch zum Kloster des Heiligen Martin unterhalb des Pyrenäen-Gipfels namens Canigou. Ein jeder schwitzt und schnauft wie er kann. Wer hoch oben beim Kloster der Communauté des Béatitudes angekommen ist, hat bereits im Minimum 400 Höhenmeter hinter sich und schaut auf die atemberauschend schöne Landschaft mit den umliegenden Tälern herab. Trotz allem liegen dann doch noch mindestens 1000 Meter Höhe vor dem Wanderer, um letztendlich oben auf einem der Gipfel und Kämme der Pyrenäen zu sein. Kein Mensch, der sich auf den Weg zur Abbaye Saint Martin du Canigou macht, ist frei von Glücksgefühlen, Freude, Begeisterung oder einfach Erleichterung, wenn die letzte Kurve vor den Klostermauern absolviert ist. Manch einer feiert das mit einem erfrischenden Eis aus dem Klosterladen.

Heilkräuter mit Aussicht

Gärten auf den Felsen zwischen den Mauern

Es ist definitiv der schönste Klostergarten Frankreichs. Die Bewohner des Klosters wissen darum. Maria, die charmante Führerin beschwichtigt lachend und bittet die Besucher, erst einmal in Ruhe ihren Ausführungen Beachtung zu schenken. Sie versichert, es wird ausreichend Zeit geben, sich nach Herzenslust auf der Terrasse zwischen den Kräutern und Pflanzen mit Blick auf die Schlucht zu vergnügen.  Dem Ort wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Heilkräuter gedeihen in liebevoll angelegten Beeten, welche in Korbgeflecht gefasst sind. Umrahmt von schroffen Felswänden ragt die schmale Terrasse wie ein freischwebender Garten in die Schlucht hinein. Der Kreuzgang bietet dem Besucher Schatten und ein Gefühl von Geborgenheit. Im Herzen des Klosters blühen rote Rosen. Gemäss der alten klösterlichen Tradition ist das Innere des Kreuzgangs zur romantischen Schau angelegt. Auf Saint Martin du Canigou muss der Betrachter wählen zwischen klassischer Romantik und einem atemberaubenden Ausblick auf den Kräutergarten über der tiefen Schlucht.

Eine hoffentlich unendliche Geschichte

Vor mehr als tausend Jahren hatten die adeligen Gründer wohl keine Ahnung, welche Anziehungskraft ihr kleines Kloster oben zwischen den Felsen selbst für weit gereiste Menschen haben würde. Es waren Benediktiner, die sich an diesem Platz im Gebirge für die klösterliche Abgeschiedenheit entschieden hatten. Überalterung der Mönche und die Französische Revolution sorgten nach rund achthundert Jahren für den Niedergang der Abtei. Vor mehr als einhundertzwanzig Jahren kehrte wieder monastisches Leben auf dem Berg zurück. Heute sind es die Mitglieder der Gemeinschaft der Seligpreisungen, die dem Kloster, dem Garten, ihrem Dasein und Schaffen oberhalb der kleinen Ortschaft Casteil eine fröhliche Lebendigkeit verleihen. Der Kreuzgang und die Terrasse mit den Pflanzenbeeten liegen innerhalb der Klausur. Zugang zu ihnen erhält man nur in Verbindung mit einer Führung, die über den Klosterladen gebucht werden kann.

Dem Himmel ein Stück näher

Der schöne Platz unterhalb des Gipfels Canigou kann zu einer spirituellen Erfahrung werden. Die Geschwister der Gemeinschaft der Seligpreisungen laden zur Teilnahme an den Gottesdiensten in ihrer schlichten romanischen Klosterkirche ein. Wer dabei sein möchte, klingelt an der Tür beim Turm. Freundlichkeit, Bescheidenheit und Ruhe wird ihn empfangen.

Suchen werden die Augen des Wanderers die roten Ziegeldächer der entlegenen Abtei, wenn er sich über die umliegenden Bergkämme auf den Rückweg macht. Jetzt weiss er, in welchem Tal er nach ihnen Ausschau halten muss, bevor die Schatten der umliegenden Berge sie wieder verschwinden lassen. Wie sagte so treffend eine Touristin beim Abstieg: “Bin ich froh, dass wir den langen Weg zur Abtei hinaufsteigen mussten. Erst dadurch konnten wir begreifen, wie schön sie in der Landschaft positioniert ist.”

Anfahrt und Internet-Adresse:

https://stmartinducanigou.org/de