Benediktinerinnenabtei zur Hl. Maria in Fulda

Ein paradiesischer Garten inmitten der Stadt

Zu einem Kloster gehört auch ein Garten. Dem entsprachen schon die Gründer der Benediktinerinnenabtei im Jahre 1626 mit der Errichtung des heutigen Klosters in Fulda. Seit fast 400 Jahren wird hinter den Mauern der Abtei Gartenbau betrieben. Vorrangig diente der Garten der Selbstversorgung mit Obst, Gemüse, Gewürz- und Heilkräutern. In dieser Tradition sieht sich die Gemeinschaft der Schwestern und betreibt nun schon seit fast 75 Jahren biologischen Gartenbau auf dem rund 2.000 Quadratmetern grossen Areal innerhalb der Klostermauern. Für die an biologischen und nachhaltigem Gartenbau Interessierten ist der Klostergarten fast schon ein Wallfahrtsort. Das Wissen und die gesammelten Erfahrungen geben die Schwestern gerne weiter in zahlreichen Veröffentlichungen und Büchern oder bei einer Führung durch ihre grün-bunte Oase.

Hinter der Mauer ein Paradies …

Ein guter Lehrer ist besser als zwei vortreffliche Bücher.

„Wenn jemand mit einem Dolchstich verletzt vor der Klosterpforte stand, konnte ihm geholfen werden, denn die entsprechenden Kräuter waren im mittelalterlichen Klostergarten zu finden.“ Mit diesen Worten wendet sich Schwester Christa Weinrich den wundheilenden Pflanzen zu. Der heisse Sommerwind zaust an ihrem Gewand, das sie mit kurzen energischen Handgriffen ordnet. Um gleich darauf fortzufahren, lebhaft mit ihren Händen über Blätter und Pflanzen zu streichen. Sie regt die Besucher an, es ihr gleich zu tun. Zärtlich greift sie sich ein Blättchen Frauenminze und reibt daran. „Riechen Sie auch den Duft nach Spearmint?“ Voller Freude erzählt sie, was ihren grünen Zöglingen bekommt und was ihnen Schaden zufügen kann. Trotz ihres Begeisterung auslösenden Redeflusses ist sie eine aufmerksame Zuhörerin. Bei aller leidenschaftlichen Fachsimpelei über den biologischen Gartenbau, vergisst sie nie zu erklären: die Eigenschaften der einzelnen Kräuter und deren erfahrungsgemässe Anwendung. Einmal im Monat samstags führen die Benediktinerinnen des Klosters Hl. Maria Besucher durch ihren paradiesischen Garten in mitten der barocken Fuldaer Altstadt. (Termine und Info siehe unten)

  • Schwester Christa erklärt ihren Garten.
  • Der Fuldaer Klostergarten ist eine Oase mitten in der Stadt.
  • Manche Früchte hängen zu hoch und reifen langsam.
  • An allen Ecken und Ende spriesst es, dank der vielen Arbeit.
  • Maria wacht über den Klostergarten.
  • Die Ordnung der Pflanzen im Fuldaer Klostergarten bestimmt sich nach der Verträglichkeit untereinander.
  • Ein Kloster mitten in der Fuldaer Altstadt mit einem erquicklichen Garten.
  • Ein Gang durch den Klostergarten ist auch eine Entdeckungsreise.
  • Der Garten ist zweigeteilt. In den Obstgarten und den Nutzgarten.

Vorbilder sind gute Lehrmeister.

Der Schöpfer des wohlbekannten Buches über den Gartenbau „De cultura hortonum“ und des Vorbilds eines idealen Gartens, Walahfried Strabo, weilte zu Studienzwecken in Fulda. Dafür gibt es Quellen und Belege. „Ob er nun die Ideen… mit nach Fulda brachte oder die Anregungen mit auf die Insel Reichenau nahm, mag dahingestellt sein.“ führt Schwester Christa dazu aus. Das war rund einhundert Jahre nachdem der Heilige Bonifatius die Axt an die germanische Eiche legte. Möglicherweise entwickelte sich durch die Ansiedlung des ersten Klosters an diesem Ort auch der Gartenbau. Wie dem auch sei: Walahfried hätte seine wahre Freude an diesem wohlbehütetem Stückchen Erde, obwohl er seine geliebten Flaschenkürbisse vermissen würde.

  • Kräuter, wohin man nur schaut.
    Kräuter, wohin man nur schaut.
  • Ein schönes Arrangement von Boretsch und Kapuzinerkresse im Garten der Benediktinerinnen.
    Boretsch und Kapuzinerkresse

Es wächst mehr im Garten, als man gesät hat.

Diese alte Binsenweisheit ringt sicherlich den Hüterinnen des Klostergartens ein müdes Lächeln ab. Voller Begeisterung zeigt Schwester Christa auf ein riesiges schwarzes Insekt, das unruhig von einem Blütenstrauch zum nächsten fliegt. „Das ist eine schwarze Holzbiene. Endlich ist sie in unseren Garten zurückgekehrt. Wir hatten sie einige Jahre nicht mehr hier.“ Ausserhalb der Klostermauern wäre vor Jahren die Idee, dass ein Garten ein geschlossenes Ökosystem sein kann in dem alle Lebewesen voneinander profitieren, als ein wirres grünes Gedankenspiel abgewehrt worden. Vielleicht war es gerade in dem geschützten Raum des Klosters möglich, genau das zu durchdenken, auszuprobieren, zu beobachten und zu analysieren. Heute stehen wir staunend und sehen, dass es möglich ist, auch auf einem kleinen Raum ein biologisches Gleichgewicht herzustellen. Dieser Garten ist ein Sehnsuchtsort. Allerdings ist der Preis für die Reinheit, Güte und Pracht der Pflanzen und Früchte, harte Arbeit und Beharrungsvermögen. Dann darf auch einmal der Mohn auf dem Rasen stehenbleiben, ein ungeliebtes Insekt seine Kreise drehen bevor es eine flinke Amsel vertilgt.

Öffnungszeiten, Anreise und Internet-Adresse:

Mai – September

samstags 14:00 – 16:00 Uhr

Die Termine für die Führungen gibts unter diesem Link:

https://www.abtei-fulda.de/gartenbau/

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