Abbaye Notre Dame de Ganagobie

Prieuré de Ganagobie – unter dem blauen Himmel der Provence

Ohne den großen Parkplatz wäre die Prieuré de Ganagobie ein einsamer Platz. Die meisten kommen mit dem Auto, verweilen kurz und eilen fort zum nächsten interessanten Ort. Ein kleiner Shoppingbummel durch den Klosterladen im Anschluss an die Spazierrunde zum weissen Kreuz und zurück rundet das Besuchsprogramm ab. Offensichtlich scheuen manche Besucher die hölzerne Tür zur Klosterkirche aufzudrücken und in das fast vollkommene Dunkel einzutreten, die Leere des schlichten Kirchenschiffes zu ertragen, und dabei den Mistral um die Ecke fauchen zu hören.

Ganz irdisch der Welt entrückt

Vom Streben nach Klarheit und Einfachheit

Der wahrscheinlich schönste Weg nach Ganagobie zu kommen, ist zu Fuß. Wanderwege führen aus verschiedenen Richtungen auf das mit Steineichenwäldern bestandene Plateau rund 350 Meter hoch über dem Flusstal der Durance. Von Peyruis führt ein gut ausgeschilderter Weg unter grossen schattenspendenen Bäumen entlang eines Kanals zum Fuss des Berges. Die Wege sind zum Teil steinig und steil, aber die ätherischen Öle der Vielzahl duftenden Kräuter lassen den Atem fliessen. Erleichterung und Erstaunen dürften sich bei jedem Wanderer einstellen, wenn die Bäume und die Büsche plötzlich den Blick freigeben auf die alte romanische Kirche, die Mandelbäume, die Wiesen und auf die mit rötlichen Tonziegeln gedeckten Dächer des Klosters. Es ist ein abgeschiedener Ort der alltäglichen Welt entrückt. Die Abbaye Notre Dame de Ganagobie steht mitten in einem Garten. Es ist ein paradiesischer Garten mit Wiesen und Mandelbäumchen. Rosmarin- und Lavendelbüsche dominieren den leicht geschwungenen Weg zur Klosterkirche. Sie können durchaus als botanische Metapher verstanden werden. Mit ihren Kraft spendenden, belebenden und wiederum beruhigenden Wirkungen in der Verwendung als Heilpflanzen, umschreiben Lavendel und Rosmarin den Zauber des Ortes. 

Der Wind wirbelt über die Büsche der nahen Felder und trägt Wolken intensiven Lavendelduftes herbei. Die Zikaden sind fortwährend ungerührt mit ihrem ausdauernden Zirpen beschäftigt, um die Ruhe des abgelegenen Platzes zu akzentuieren. Die Kargheit des Gartens findet seinen Ausdruck in der expliziten Reduktion auf die wesentlichen Pflanzen Lavendel, Rosmarin und Mandelbäume. Die Erwartung einer üppigen Pracht eines klassischen Klostergartens wird sich dem Besucher nicht erfüllen. Der Idee eines Klostergartens als Spiegelbild des Paradieses kann sich allerdings durchaus daran orientieren, dass sich in einem Garten alles findet, was der Mensch, was die Seele zum Leben zum Atmen brauchen.

Ein Ort der Ruhe und des Gebets

Verschlossen bleiben Fremden die niedrigen Tore zum Klostergelände. Sie trennen, die sich in die Abgeschiedenheit des Klosters zurückgezogen haben von denen, die einen neugierigen interessierten oder auch nur flüchtigen Blick auf dem Platz auf dem Plateau oberhalb des Dorfes Ganagobie werfen wollen. Die Gemeinschaft der Abbaye Notre Dame de Ganagobie lebt das Mönchtum in seiner Abgeschiedenheit, Einfachheit, Zurückgezogenheit und der Kargheit zum Kontrast des normalen irdischen Lebens in Glanz, Freude und Ruhe. Es sind Benediktiner der Kongregation von Solesmes, die bereitwillig die Tür ihrer Klosterkirche zur Teilnahme am Stundengebet aufschliessen.

Der Jakobsweg kreuzt diesen Platz. Im Mittelalter hatte er für die Pilger eine große Bedeutung, die er mit dem Niedergang der Pilgerbewegung mit Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England um Aquitanien einbüßte[1]. Heute ist die Via Domitia wieder ins öffentliche Bewusstsein gelangt. So mancher Pilger quert das Plateau, bevor er sich vorbei am romantischen Städtchen Lurs über die Höhenzüge des Luberon westwärts auf den Weg durch die Provence macht.

Anreise und Internet-Adresse:

https://www.abbaye-ganagobie.com


Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Prieuré_de_Ganagobie; 23.07.2021