Kloster Sankt Johann in Müstair

Kurz hinter der Grenze zu Italien liegt das östlichste Kloster der Schweiz

Leicht hatten es die Schwestern des kleinen Klosters im Müstairtal im Laufe der Geschichte noch nie. Immer wieder mussten sie um das Überleben ihrer Gemeinschaft auf dem Bergsattel zwischen Vinschgau und dem Engadin kämpfen. Oftmals waren sie Spielball der politischen Interessen zwischen Habsburgern und den Schwäbischen Bünden. Es trafen sie Hungersnöte und die Pest. Trickreich konnten sie sich der Reformation und den Repressionen der Franzosen entziehen. Heute sind es Nachwuchsprobleme, die das kleine Prioriat der zwölf Benediktinerinnen quälen.

Ein Schatz im Engadin

Das Gleichnis von der Walnuss und dem Kloster Müstair

Ein Engadin ohne seine Walnüsse wäre nicht denkbar. Berühmt und nicht weg zu denken sind die traditionellen leckeren Küchen- und Backrezepte, die auf den nahrhaften Nüssen basieren. Von aussen ist die Walnuss eine borkige schrumpelige und nicht besonders ansehnliche Frucht, deren Hülle schwer zu knacken ist. Jedes Kind weiss, im Inneren warten die beiden wohlschmeckenden Kernhälften. Mit Vorsicht, Geschick und ein wenig Kraft lässt sich zu ihnen vordringen.

Kompakt drängen sich die Gebäude um den Klosterkern, den ehemaligen Wachturm.
Im Lehm gestampften Boden unterhalb der Treppe befindet sich dieses Herz aus Stein und Lehm.
Stolz und strahlend grüsst die Heiligkreuzkapelle an der Strasse.

Recht unprätenziös ist die langgestreckte Fassade des Klosters St. Johann. Der Glockenturm ist nur drei bis vier stöckig. Es gibt kein prächtiges Tor oder einen repräsentativen Klosterhof. Dem Mauerwerk ist sein Alter anzusehen. An manchen Stellen ist es bröckelig. Der Verkehr rauscht direkt an der vielbefahrenen Landstrasse vorbei. Die Benediktinerinnen geben sich verschlossen und bleiben verborgen hinter den Klostermauern. Sie leben in der Klausur.

Die Gärten des Klosters sind auch eine Oase für Ruhesuchende.
Der Kreuzgang ist wegen der oftmals widrigen Witterungsverhältnisse verglast.
Die floralen Vorlieben der Nonnen drücken sich auch in den Bemalungen der Innenwände wieder.
Viele Rosensorten zieren die Gärten rings um das Kloster.

Jeder Schritt durch ein Tor oder eine Tür des Klosters offenbart einen ganz und gar wunderbaren Kern. Malereien aus der karolingischen Zeit kurz nach Gründung des Klosters lassen den Besucher in der Klosterkirche erstaunen. Dank aufwändiger Restaurierungsarbeiten wurden sie unter den jahrhundertealten Schichten von Farbe und Putz befreit. Längst vergangene Zeiten werden in den Malereien und Fresken auf unvergleichliche Art und Weise wieder lebendig. Deshalb zählt es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Hinter der Tordurchfahrt wartet ein kleiner fröhlich bunter Garten mit schattenspendenden Bäumen, Wolfstrapp, Frauenmantel, anderen Heilkräutern, Rosen und viel mehr Blumen auf Erquickung suchende Besucher. Er ist ein wahrer Hort klösterlicher Ruhe und Erholung mit einem stetig sprudelnden Brunnen.

Vom Wald her betritt man das Kloster durch ein gotisches Portal.
Vom Wald her betritt man das Kloster durch ein gotisches Portal.
Den meisten Blicken verborgen bleibt die Aussicht auf den Klostergarten.
Den meisten Blicken verborgen der Klostergarten.
Mühevoll ist die Arbeit. Prächtig das Ergebnis.
Mühevoll ist die Arbeit. Prächtig das Ergebnis.
Wo immer etwas wachsen kann, wird gepflanzt.
Wo immer etwas wachsen kann, wird gepflanzt.

Die Tür des Klosterladens ist die Pforte zu einem reichhaltigen Angebot von Heilkräutern direkt aus den Gärten hinter den Mauern der Klausur. Mit viel Glück lässt sich ein Blick auf die Heilkräuter im Garten werfen, die sorgfältig von den Schwestern gezogen, geerntet und verarbeitet werden. Zuschauen beim Arbeiten lassen sich die Nonnen nicht. Dieses Recht blieb allein der Äbtissin in vergangenen Zeiten vorbehalten, wovon das Fenster zum Garten in ihrem ehemaligen Schlafgemach zeugt.

Berge. Überall Berge, wenn man aus dem Fenster schaut.
Blick nach Osten
Dicke Mauern und Fresken aus romanischer Zeit.
Dicke Mauern aus romanischer Zeit.
Die Äbtissin hatte immer die Kontrolle. Auch über den Klostergarten.
Blick nach Westen

Gründe gibt es reichlich, um nach Müstair zu gehen

Lustigerweise verwenden die Schweizer das Wort ‚gehen‘ generell für fortbewegen. Damit kann auch Laufen, Fahren oder Schwimmen gemeint sein. Letzteres ist ungeeignet, um Kloster Müstair zu erreichen. Wanderwege, Radwege, Strassen und Postbusverbindungen gibt es reichlich, die zum Schweizer Ort Müstair und seinem Kloster führen. Allerdings lohnt es sich genügend Zeit für den Ort einzuplanen. Eine Führung durch das Museum braucht schon mehr als eine Stunde. Die romanischen Malereien erschliessen sich auch nicht im Schnelldurchlauf. Manch einer möchte seine Wünsche und Gebete in der Gnadenkapelle vortragen, die von vielen Menschen als Kraftort angesehen wird. Andere erinnern sich an die dringenden Ermahnungen des Kräuterpfarrers Kneipp, rechtzeitig wieder die Bestände der heimische Hausapotheke aufzufüllen. Sie können dazu aus dem reichhaltigen Angebot im Klosterladen wählen. Das kleine Kloster ist ein Ort zum Verweilen und Innehalten für alle, die dafür keinen Eiscafe, Power-Yoga oder einen Biergarten benötigen.

Die Gnadenkapelle ist für viele ein Kraftort. Manchem half es.
Ein Blumengarten unterhalb des Gästehauses.
Das Wasser des Lebens tränkt Menschen, Pflanzen und das liebe Vieh.
Die Pracht der Nachtkerze entfaltet sich im Klostergarten.

Anreise und Internet-Adresse:

https://www.muestair.ch/home/