Wie wär’s mit mehr Gemütlichkeit?

Hyggelig ist die neue Gemütlichkeit. Ein neuer Hype um ein altes Wort.

Gesundes Herz durch gesunden Schlaf – Kräutertees helfen dabei.

„Hyggelig“ ist das neue Zauberwort. Es entstammt dem skandinavischen Wortschatz – genauer dem Dänischen. Hyggelig bedeutet nichts mehr und nichts weniger als Gemütlichkeit. Damals vor 52 Jahren waren die Ergebnisse einschlägiger Studien bezüglich des Zusammenhangs von Schlaf und Herzgesundheit noch gänzlich unbekannt. Allerdings propagierte »Balu der Bär« bereits im Jahre 1967 mit seinem weltbekannten Song einen wichtigen Baustein für die Gesundheit des Herzens:

Probier‘s mal mit Gemütlichkeit mit Ruhe und Gemütlichkeit 
jagst du den Alltag und die Sorgen weg…

Walt Disney’s ‚Das Dschungelbuch‘

Der faustgroße Hohlmuskel hinter dem Mediasternum (der Mitte des Brustkorbes) zwischen der zweiten und fünften Rippe pumpt das Blut unentwegt durch den gesamten Körper. Fehlfunktionen des Herzens machen sich oftmals zugleich mit Beschwerden an anderen Organen bemerkbar. Der gesamte Organismus ist abhängig von der enormen Pumpleistung des Herzens. Nur ein gesundes Herz kann die kontinuierliche Versorgung mit Sauerstoff, Nährstoffen und Lymphen gewährleisten.

Bluthochdruck, Stress und unzureichender Schlaf – ein Teufelskreis

Hoher Blutdruck bedeutet automatisch eine höhere Arbeitsbelastung für den Herzmuskel. Er muss gegen den Widerstand des Blutes in den verengten Gefäßen ankämpfen. Diese in vielen Fällen vermeidbare Dauerbelastung schädigt den Herzmuskel, die Herzklappen und die Herzkranzgefässe. Der Blutdruck lässt sich mit Medikamenten senken. Aber auch auf ganz natürliche Weise lässt sich der Teufelskreislauf durchbrechen und wohltuend das Herz schützen.

Wer nachts nicht schläft, der sündigt.

Das alte Sprichwort: „wer schläft, der sündigt nicht“, sollte unbedingt geändert werden. Mit der Frage, welchen Einfluss der Schlaf auf die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems hat, beschäftigten sich Mediziner in zahlreichen Studien und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. Sie plädieren im Namen der Herzgesundheit für einen erholsamen und guten Schlaf!

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf. Nachts erreicht er seine tiefsten Werte. Offensichtlich kommt es durch die nächtliche Absenkung des Blutdrucks zu einer vom Organismus gewünschten Entlastung des Herzens und des gesamten Gefässsystems. Wenig oder gestörter Schlaf wirken dieser Entspannung entgegen und der Blutdruck steigt. Experten des Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares Carlos III Madrid, fanden heraus, dass unzureichender Schlaf oder Schlafstörungen das Risiko, an einer Atherosklerose (Arteriosklerose) zu erkranken, erhöhen. Bei einer Arteriosklerose verengen sich die Arterien aufgrund von Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßinnenwänden. Auslöser für die Arteriosklerose ist neben ungesunden Lebensweisen: ein hoher Blutdruck (Hypertonie). Diese Verengungen behindern den Blutfluss in den Arterien. Am Herzen sind die Verengungen der Auslöser für koronare Herzerkrankungen. Das verdeutlicht die Bedeutung gesunden Schlafs als natürliches Mittel zur Blutdruckregulierung und einen sehr wichtigen Faktor bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[1]

Die bewährten Einschlafkräuter

Hopfen

Goldmohn

Baldrian

Gegen Schlaflosigkeit ist so manches Kraut gewachsen.

Schlaf ist nicht nur Auftank- und Entspannungszeit für das zentrale Nervensystem. Die Psyche wie das Herz-Kreislauf-System profitieren von den Erholungseffekten. Bei Menschen mit Bluthochdruck (Hypertonie) verdreifacht die Kombination aus Schlafmangel und beruflichem Stress das Risiko für einen Tod infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wahrscheinlich wurden aus Bewertungsgründen in den Studien nur beruflicher Stress berücksichtigt. Bedenken sollten wir dennoch, dass auch familiärer Stress die Psyche und den Körper belasten. Die Dramatik der Forschungsergebnisse – der Zusammenhang zwischen Stress, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – verdeutlichen sehr eindrücklich die Bedeutung eines ruhigen ungestörten Schlafes. Besonders für Menschen mit Vorschädigungen und Bluthochdruck ist Schlaf in ausreichenden Mengen essentiell wichtig fürs Wohlbefinden und ihren Gesundheitszustand. [2] 

Letztendlich sind wir alle Betroffene – ob mit normalen oder erhöhten Blutdruck. Wir brauchen den Schlaf und die Entspannung als aktive Erholungsphase für Körper und Geist. Unser Alltag ist geprägt von Stress, Zeitmangel und Sorgen, auch wenn er hoffentlich von Freude, Glücksmomenten und Erfolgserlebnissen durchleuchtet wird.

Die bewährten Entspannungskräuter

Melisse

Lavendel

Johanniskraut

Schlafstörungen identifizierte die Forschung zur Herzgesundheit als einen massgeblich gefährdenden Faktor. Im Gegensatz zu den Wachphasen schädigt insbesondere Lärm während der Schlafphasen den Organismus. Lärm und störende Geräusche während des Schlafes führten in Untersuchungen zu erhöhtem Blutdruck. Das ist genau, was das Herz belastet, anstatt es zu entlasten. Hinzu kommen Endotheldysfunktionen (Schädigung der inneren Auskleidung der Blutgefässe), erhöhte Marker für vaskulären (die Blutgefässe betreffend) / systemischen oxidativen Stress sowie Zeichen für Entzündungen.[3] Die mindestens 6-8 Stunden erforderlichen Schlafes sollten unbedingt in einer ungestörten Umgebung und Atmosphäre verbracht werden. Damit schliesst sich der Kreis. Und wir müssen Walt Disney’s »Balu der Bär« recht geben:

Denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir!

Walt Disney’s ‚Das Dschungelbuch‘ 

Kräuter gegen Bluthochdruck und Stress?

Forscher der University of California überraschten kürzlich die Fachwelt mit der Erklärung eines möglichen Mechanismus, welcher die blutdrucksenkende Wirkungen mittels Heilpflanzen erklärt.[4] Bekanntermaßen wirken Lavendel und Fenchel beruhigend. Dass sie aber auch – wie die entzündungshemmende Kamille – den Blutdruck senken können, war neu. Der Schlüssel für die blutdrucksenkende Wirkung der Pflanzen sind die Kaliumkanäle in den menschlichen Zellen. Für die Regulierung zahlreicher Funktionen und physiologische Prozesse sind sie verantwortlich. Die Forscher identifizierten den sogenannten KCNQ5-Kanal. Er ist entscheidend beteiligt an der Erregungsweiterleitung in den Nervenzellen, der Beeinflussung des Herzrhythmus‘, an der Vasodilatation und der Vasokonstriktion (Weit- und Engstellung) der Blutgefäße. Pflanzliche Botenstoffe können diesen Kaliumkanal aktivieren und eine blutdrucksenkende Wirkung auslösen. Interessanterweise findet dieser Prozess nur bei Pflanzen und Kräutern statt, die über eine entsprechende Signatur für den KCNQ5-Kanal verfügen.[5]Lavendel, Fenchel und Kamille gehören dazu! Wahrscheinlich werden wir in naher Zukunft weitere Kräuter und Pflanzen auf dieser Liste sehen. 

Die neuen Verdächtigen

Lavendel

Fenchel

Kamille

Was spricht da noch aus wissenschaftlicher Sicht gegen eine gemütliche Tasse Kräutertee vor dem Einschlafen?!


Quellen:

[1] Association of Sleep Duration and Quality With Subclinical Atherosclerosis; Domínguez F, Fuster V, Fernández-Alvira JM, Fernández-Friera L López-Melgar B, Blanco-Rojo R, Fernández-Ortiz A6, García-Pavía P, Sanz J, Mendiguren JM, Ibañez B, Bueno H, Lara-Pezzi E, Ordovás JM ;J Am Coll Cardiol. 2019 Jan 22;73(2):134-144. doi: 10.1016/j.jacc.2018.10.060.

[2] Li J et al. Combined effect of work stress and impaired sleep on coronary and cardiovascular mortality in hypertensive workers: The MONICA/KORA cohort study. Eur J Prev Cardiol. 2019. doi:10.1177/2047487319839183.

[3] Crucial role for Nox2 and sleep deprivation in aircraft noise-induced vascular and cerebral oxidative stress, inflammation, and gene regulation; European Heart Journal, Volume 39, Issue 38, 07 October 2018, Pages 3528–3539, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy333

[4] KCNQ5 activation is a unifying molecular mechanism shared by genetically and culturally diverse botanical hypotensive folk medicines; Rían W. Manville, Jennifer van der Horst, Kaitlyn E. Redford, Benjamin B. Katz, Thomas A. Jepps, and Geoffrey W. Abbott, https://doi.org/10.1073/pnas.1907511116

[5] Lehman A, Thouta S, Mancini GMS, …, Claydon T. Loss-of-Function and Gain-of-Function Mutations in KCNQ5 Cause Intellectual Disability or Epileptic Encephalopathy. Am J Hum Genet. 2017 Jul 6;101(1):65-74. doi: 10.1016/j.ajhg.2017.05.016

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