Mit einer Handvoll Kräuter durch den Winter

Nur eine Handvoll Kräuter braucht es, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Pfefferminz für die Verdauung. Thymian für die Bronchien. Salbei bei Halsweh und für die Abwehrkräfte.

Von Halsweh bis Bauchgrimmen. Mit wenigen ausgewählten Kräutern geht’s natürlich und gesund durch die kalte Jahreszeit.

Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz …

Heiss aufgebrüht ist frischer Pfefferminztee nicht nur eine Köstlichkeit, sondern auch ein exzellenter Helfer für den, Magen, die Leber, die Galle und den gesamten Darm.

Vielleicht lag es tatsächlich am Pfefferminz, dass er so lange durchgehalten hat?

… trällerte Ende der Siebziger Jahre sehr erfolgreich Marius Müller-Westernhagen. Wessen Prinz er letztendlich er geworden ist, und welche seiner zahlreichen Abschiedstourneen die wirklich die Allerletzte war, wissen wir heute nicht. Lange Zeit machte die Pfefferminze als geschmacksgebende Komponente nur in der Kaugummiproduktion Karriere. Später, irgendwann förderten die osmanischen Gemüsehändler seine Wiederentdeckung als Gewürz und Teekraut. Seine vitalisierende und bekömmlichkeitssteigernde Wirkung für Mojitos entdeckten dann nachkommende Generationen. Die alkoholfreie Variante für Schwangere setzte sich Ende des letzten Jahrtausends in Szenecafes durch

Das Menthol der Pfefferminze hat keine wärmende Effekte.

Ein Tee zum Aufwärmen während der kalten Jahreszeit ist der Pfefferminztee tatsächlich nicht. Die Wärmewirkung entwickelt sich relativ kurz beim Genuss der überbrühten Pfefferminzblätter. Das in den grünen Blättern enthaltene Menthol regt die Durchblutung der hautnahen Blutgefässe an. Im ersten Schritt hilft das zwar bei der Erwärmung. Allerdings gelangt das abgekühlte Blut wieder zurück ins Körperinnere und muss dort erst wieder aufgewärmt werden. Zudem gelangen Spuren des Menthols durch die Poren auf die Haut. Der erfrischende Effekt des Menthols wird sozusagen hautnah erlebbar – statt kuscheliger Wärme.

Hilfreich ist die Pfefferminze bei leichten Verdauungsbeschwerden.

Der gute alte Pfefferminztee erlebt seine Renaissance im Zeitalter einer bewussten gesunden Ernährung. Am Beispiel unserer Eltern und Grosseltern durften wir erleben, wie wenig hilfreich die Magenliköre bei Bauchdrücken und Völlegefühl sind. Der alkoholische Gehalt konkurrierte allzuoft mit den vorangegangenen Getränken. Wer allerdings jetzt meint, dass es einem stattdessen mit einem Pfefferminzlikör besser ergeht, täuscht sich leider.

Die frisch aufgebrühten Blätter oder auch der getrockneter Pfefferminze setzen die wichtigsten Inhaltsstoffe frei. Das sind ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe. Ihre Kombination wirkt erfahrungsgemäss krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Traktes, was erheblich zur Linderung von Beschwerden beiträgt. Erleichterung ist nebenbei auch bei Blähungen zu erwarten. Darüber hinaus regen sie zur Bildung vom für die Verdauung notwendigen Gallensaft an. Statt eines winzigen Pfefferminzblättchens – wie bei Monty Python – kann ausschliesslich ein frisch gebrühter Pfefferminztee die Lösung des Problems sein.

Vitalisierend und anregend sind ihre kräftig grünen Blätter.

Wenn im Norden Afrikas der ‚Thé à la menthe‘ im hohen Bogen aus silbernen Kannen serviert wird, sprechen die Einheimischen scherzhaft vom Berber-Whishy. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus grünem Tee und frischer Minze. Die Mischung beider Kräuter potenziert die erfrischende und vitalisierende Wirkung. In abstinenten Landstrichen wird die belebende Wirkung des Getränks als Genuss geschätzt.


Rezept für einen verdauungsfördernden Kräutertee mit Pfefferminze:

  • 25g Pfefferminzblätter 
  • 15g Kamillenblüten  
  • 10g Andornkraut 

2-3 Teelöffel der Tee-Mischung mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergiessen. 10-12 Minuten warten. Den Tee nach Bedarf warm oder kalt vor den Mahlzeiten trinken.


Wenn es im Hals kratzt …

Salbeitee wirkt beruhigend, krampflösend und reduziert das Schwitzen.

Salbeitee ist die kalorienarme Variante des altbekannten Salbeibonbons.

… ist die Erkältung nicht mehr weit! Wer denkt das nicht, wenn auf dem Heimweg oder während der Fahrt zum Büro ein unangenehmes Kratzen sich im Hals bemerkbar macht? Das ist noch lange kein Grund, mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen. Oftmals ist das Immunsystem stark genug, die kleine Virenattacke erfolgreich abzuwehren. Im ersten Schritt geht es darum, die kleinen Störenfriede im Hals- und Rachenraum zu vertreiben. Sie mögen trockene warme abgestandene Luft. Trinken, generell, feuchtet die Schleimhäute an und vertreibt zunächst den unangenehmen Reiz. Die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe von Salbeiblättern machen den Keimen das Leben schwer.

Salbei toppt die chemische Keule.

Sanft und ganz natürlich reinigt auf diesem Weg Salbeiblättertee den Mund- und Rachenraum. Dadurch vermindern sich Reizungen der Schleimhaut und das Kratzen im Hals verschwindet. Ausreichendes Trinken auch während der kalten Tage schützt aktiv vor Viren. Werden die Schleimhäute gut befeuchtet, erhält das ihre Funktionstüchtigkeit. Keime werden abgewehrt, gebunden und gegebenenfalls abtransportiert. Die stetige Befeuchtung verhindert die Besiedelung von Keimen. Kommen nun noch die Inhaltsstoffe des Salbeis hinzu, haben sie sowieso keine Chance. Zum Beispiel das Cineol wirkt antibakteriell, antiviral und schleimlösend. Oder das Thymol, mit seinen auswurffördernden Effekten. Das Immunsystem unterstützende Mineralien wie Zink, ätherische Öle, schmerzstillende Salizylsäure und Saponine stecken alle in den graugrünen Blättchen. Beim Übergiessen mit heissem Wasser werden sie freigesetzt und können wohlschmeckend helfen.


Salbeitee in seiner einfachsten Form:

  • 1 Stängel frischer Salbei oder 4-5 Salbeiblätter
  • 1/2 Liter heisses (fast kochendes Wasser)

Den Salbei mit dem heissen Wasser überbrühen. Cirka 10-15 Minuten ziehen lassen. Blätter und Stängel entfernen. Werden sie nicht entfernt, bekommt der Tee mit der Zeit einen stärkeren Geschmack, wird aber leicht bitter.


Sommerduft gegen Husten …

Schafshirten schwören auf Tee aus frischen Thyminablättern. In kalten Tagen und Nächten schützt er sie vor Husten und Erkältung.

In der Würze des Thymians liegt die Kraft der Sonne und des Sommers.

… nicht nur die Lindenblüten vertreiben den Hustenreiz aus den Bronchien. Auch das beliebte Gewürzkraut Thymian kann seinen Beitrag dazu leisten. Vielleicht steht noch auf dem Balkon ein Topf mit kleinen Thymianpflänzchen. Sie müssen nicht in Alkohol und Zucker eingelegt werden, um einen prima Hustensaft zu ergeben. Nach dem ‚Ernten‘ der letzten Stängel, legt man sie am Besten auf einer saugfähigen Unterlage (Küchenrolle) luftig zum Trocknen aus. Die getrockneten Stängel eignen sich hervorragend als Würze für die italienische Küche oder als sanfte Medizin bei erkältungsbedingtem Husten. Ganz Eilige können auch sofort das noch grüne Kraut direkt vom Balkon oder aus dem Garten nutzen.

Thymian auf Befehl des Kaisers.

Im alten Rom, bevor die Soldaten in die Schlacht zogen, wuschen sie sich mit einem Sud aus Thymian. Sie vertrauten darauf, dass Ihnen die Kraft dieser Pflanze Mut für den Kampf verleihe. Wenn wir heute Badezusätze mit Thymian verwenden, dann nur um den Kampf gegen eine Erkältung zu gewinnen oder den guten Duft zu geniessen.

Während des Mittelalters wurde das duftende Thymiankraut oft auf den Fußböden der Kirchen verschüttet, um der starken Verwesungsgerüche Herr zu werden. Die Quellen der strengen Gerüche waren die unter der Kirche bestatteten Leichen. Von dieser Bestattungspraxis wendete man sich später wegen Überbelegung und des üblen Gestankes ab, gegen den selbst das der intensiv duftende Thymian letztendlich machtlos war.

Karl der Grosse verordnete quasi per Dekret seinem Reich den Thymian. Er verfügte, dass in den Gärten seiner Kurfesten und der Klöster Thymian anzubauen sei. Seine Weisung umfasste nicht nur den Anbau von Thymus vulgaris. Seine historisch verbriefte Gartenbauordnung berücksichtigte eine beachtliche Anzahl von Bäumen, Getreiden und Kräutern. Sie dienten in allererster Linie der Versorgung seines reisenden Hofstaates. Wahrscheinlich war er des immerwährenden Hüstelns und Hustens in seinen kalten Audienzsälen der schlecht beheizten Residenzen leid. Immerhin sah er in dem würzigen Kraut des Thymians ein Potenzial, dem Übel beizukommen.

Thymiantee wirkt vor Ort.

Wen der Husten quält und der eine Tasse heissen Thymiantee trinkt, befördert die wirkungsvollen ätherischen Öle direkt zum Ort des Geschehens. Interessanterweise werden die ätherischen Öle des Thymians über die Lungenbläschen ausgeschieden. Das verbessert nicht nur den Atemgeruch, sondern die Wirkstoffe landen direkt an den Herden, wo sie dringend benötigt werden. Die antibakterielle Wirkung der Inhaltsstoffe gilt als bewiesen. Daneben begünstigen sie die Sekretbildung und die mukoziliäre Clearance. Das ist der Selbstreinigungsprozess der Atemwege. Er richtet sich gegen Fremdkörper und Keime in den Atemwegen. Im Zusammenspiel von Flimmerhärchen und Sekret ist das die stärkste Waffe bei und gegen Erkältungen.


Thymiantee bei Husten:

  • 1 Handvoll frische Thymianzweige
  • 1 Liter kochendes Wasser

Das Thymiankraut mit dem kochendem Wasser übergiessen. 10-15 Minuten ziehen lassen. Über den Tag verteilt warm trinken.


Nicht gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen. Die Kräuter, die wir kennen, sollten wir auch nutzen, um Leiden zu lindern. Das Wunderbare an diesen drei vorgestellten Kräutern ist: sie taugen auch zur Vorbeugung!