Schlehen, das neue Superfood?

Die Früchte des Schlehdorns werden im Volksmund auch Sauerpflaume genannt. Immerhin sind Schlehe und Pflaume Mitglieder der selben Pflanzenfamilie, den Rosaen.

Schlehdorn verhilft zu längerem Leben!

Das jedenfalls glauben italienische Forscher, die in Laborversuchen Würmer mit Extrakten aus Früchten vom Schlehdorn (Prunus spinosa) fütterten. Sie beobachteten, dass die Zellen der Würmer, die in den Genuss von Schlehen gekommen waren genauso schnell altern wie die derer, welche nichts davon bekamen. Dennoch verhielten sich die mit Schlehen gefütterten Zellen so, als wären sie (biologisch) jünger. Das ist zugegeben für italienische Verhältnisse nichts Ungewöhnliches. Allerdings werden in der vorliegenden Studie Gründe dafür genannt, die überraschen dürften. Es sieht demnach so aus, als hätte der Schlehen-Extrakt zwar das chronologische Alter der Zellen nicht verändert, aber irgendwie auf ihr biologisches Alter eingewirkt, indem er die funktionelle Uhr zurückgestellt hat. Einen möglichen Zusammenhang sehen die Forscher in der entzündungshemmenden Wirkung von Schlehen-Früchten. Aus diesem Grund schliessen die Wissenschaftler in ihrer Conclusio die Empfehlung ein, dass eine Nahrungsergänzung mit Lebensmitteln, welche Schlehen-Frucht-Extrakte enthalten, einen kostengünstigen, nicht-pharmakologischen Ansatz mit erheblichen gesundheitlichen Vorteilen bieten könnte.[1] Wer in diesem Herbst mit Selbstversuchen starten möchte, sollte rechtzeitig mit dem Sammeln der blauschwarzen Früchte des Schlehdornstrauches beginnen.


Schlehenlikör ist eine einfache Lösung, die wertvollen Früchte zu konservieren.

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

WILHELM BUSCH


Auch ganz ohne Sorgen kann ein selbst zubereiteter Schlehenlikör eine leckere Angelegenheit, ein schönes Geschenk oder lediglich eine Belohnung für sich selbst sein.


Weniger oxidativer Stress mit Schlehen!

Völlig neue Perspektiven für den Genuss eines Schlehenschnaps oder -likörs dürften sich aus neuesten Forschungsergebnissen ergeben. Untersuchungen an alkoholischen Extrakten aus Früchten des Schlehdorn (Prunus spinosa) zeigten einen besonders hohen Gehalt an biologisch aktiven Molekülen (Polyphenolen), was den Erwartungen aus der Fachliteratur im weitesten Sinne entspricht. Die Extrakte wurden im Bezug auf ihre Wundheilungskapazität hin unter die Lupe genommen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Zellen sich zu erneuern ab. Damit verbunden sinkt auch die Wundheilungsfähigkeit. Oxidativer Stress begünstigt das das Fortbestehen von Entzündungen und beeinflusst negativ Wundheilungsprozesse. Die Laborergebnisse zeigten in-vitro und in-vivo antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen.[2] Übereinstimmend werden in den Ergebnissen weiterer internationaler Forschungsarbeiten die antioxidativen Eigenschaften von Schlehenfrüchten hervorgehoben. Durch den Genuss von Schlehenfrüchten kann oxidativer Stress besonders im Leber- und Hirngewebe verringert werden. Das fand ein Forscherkollektiv des Institute of Agricultural Biology and Biotechnology (IBBA) in Pisa heraus. Sie führen es auf das Vorhandensein von Polyphenolen wie Rutin, 4-Hydroxybenzoesäure, Gallussäure und trans-Sinapinsäure in italienischen Schlehenfrüchten zurück.[3] Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürften sich die Ergebnisse auch auf all die anderen Feldraine Europas übertragen lassen. Wo der Schlehdorn halt wächst. 


Quellen:

[1] [2] Coppari, S.; Colomba, M.; Fraternale, D.; Brinkmann, V.; Romeo, M.; Rocchi, M.B.L.; Di Giacomo, B.; Mari, M.; Guidi, L.; Ramakrishna, S.; Ventura, N.; Albertini, M.C. Antioxidant and Anti-Inflammaging Ability of Prune (Prunus Spinosa L.) Extract Result in Improved Wound Healing Efficacy. Antioxidants 2021, 10, 374. https://doi.org/10.3390/antiox10030374

[3] Pozzo, L.; Russo, R.; Frassinetti, S.; Vizzarri, F.; Árvay, J.; Vornoli, A.; Casamassima, D.; Palazzo, M.; Della Croce, C.M.; Longo, V. Wild Italian Prunus spinosa L. Fruit Exerts In Vitro Antimicrobial Activity and Protects Against In Vitro and In Vivo Oxidative Stress. Foods 2020, 9, 5. https://doi.org/10.3390/foods9010005