Spazieren zum Verlieben in den Herrenhäuser Gärten

Das Wasserspiel des Glockenbrunnens durch eine Hecke betrachtet.

Alles reine Frauengeschichten

Sophies Sehnsuchtsort – Der Grosse Garten

Es sollte ein kurfürstlicher Prunkgarten werden und eine Frau nahm es in die Hand. Ein wahrhaftig grünes Denkmal hat die Gemahlin des Kurfürsten Ernst August sich mit den Herrenhäuser Barockgärten geschaffen. Ob Sophie von der Pfalz sich aber hätte träumen lassen, dass ihr ehrgeiziges Projekt noch einige hundert Jahre später ihre „Untertanen“ fortwährend begeistert, wäre ein rein spekulativer Gedanke.


Weisheit ist nichts anderes als die Wissenschaft der Glückseligkeit.

Gottfried Wilhelm Leibniz

Sehr wohl pflegte sie einen intensiven Austausch mit dem Vordenker der Aufklärung Gottfried Wilhelm Leibniz. Es heisst, sie seien gemeinsam philosophierend die Kieswege im Schatten der Buchenhecken entlang geschritten. Vielleicht haben sie sich auch durch eines der kleinen Tore in den Schatten der „ungezähmte Natur“ hinter den geometrisch strengen Linien der Hecken zurückgezogen. Dann dürften die Gespräche der beiden sich eher um die Ausgestaltung der politischen Macht als der zukünftigen Gartennutzung durch das gemeine Volk gedreht haben.


Wie die Mutter so die Tochter – Der Berggarten

Wo einst Maulbeerbäume für die westfälische Seidenproduktion wuchsen und die Gemüse und Kräuter für den welfischen Hof angebaut wurden, ist über mehr als drei Jahrhunderte eine erstaunliche Sammlung von mehr als 11.000 Pflanzenarten entstanden. Im Prinzip gleicht die Anlage einem Friedhof. Die zentrale mit Linden bestandene Allee führt auch schnurgerade zum Mausoleum. Abseits der Allee ist das Gelände mit Büschen, Sträuchern und Bäumen verdichtet. Thematische Landschaften wurden geformt, die unterschiedliche Lebensräume von Pflanzen nachempfinden. So kann man direkt aus der Prärie über den Staudengrund ins Paradies gelangen.

  • Leuchtende Birkenstämme im Berggarten
  • Stieleichen am Mausoleum
  • Frischer Schatten im Pergolagang
  • Pfaffenhütchen im Staudengrund

Die Begeisterung für die Botanik konnte offenbar die Kurfürstin Sophie auf ihre Tochter Charlotte übertragen. Ihr Interesse galt den seltenen Gewächsen, die an diesem Platz Eingang in die Sammlung und einen Hort fanden. Die begeisterte Aufmerksamkeit der Besucherschar gilt in erster Linie den Gewächshäusern. Der Garten gehört einfach dazu; in seiner Weitläufigkeit, den bequemen Wegen und den schattigen Bänken zum Ausruhen. An Bachläufen und Bassins wurden Stellen geschaffen, die nasse Hosenbeine ersparen beim Betrachten und Bewundern von Sumpf- und Wasserpflanzen.

  • Azaleen im Paradies
  • Blühender Bärlauch im Staudengrund
  • Knospender Diptam im Präriegarten

Der Berggarten ist keiner dieser belehrenden botanischen Gärten. Sonst würden ihn wahrscheinlich die Hannoveraner nicht lieben. Die Beschilderung mit deutschen und lateinischen Namen ist ausreichend vorhanden. Jedoch fällt die Orientierung mitunter in der allgemeinen Pracht und Vielfalt schon schwer. Nicht jede Pflanze verbleibt in ihrem Wachstum an ihrem zugewiesenem Platz. Wer sich auskennt, ist da im Vorteil. Heilkräuter und -pflanzen gehören nicht zum bevorzugten Repertoire des Gartens. Wie so oft, muss man sie suchen.

  • Lauben des Pergolagartens
    Lauben des Pergolagartens
  • Schmuckgarten mit Bibliothek
    Schmuckgarten mit Bibliothek
  • Lichtung im Heidegarten
    Lichtung im Heidegarten
  • Leinblüten am Steingarten
    Leinblüten am Steingarten

Anfahrt und Internet-Adressse:

https://www.hannover.de/Herrenhausen

Beide Gartenanlagen: der Große Garten und der Berggarten öffnen ganzjährig um 9 Uhr.  Die Schliesszeiten richten sich nach den Monaten: Mai bis August um 20 Uhr, April und September um 19 Uhr, März und Oktober um 18 Uhr, im Februar um 17:30 Uhr, und während der Wintermonate November bis Januar bereits um 16:30 Uhr.