Kneipps Hausapotheke

Kneipps Hausapotheke - Buchcover - 2. Auflage im Hamburger Nikol-Verlag erschienen

Bewährte Hausmittel aus dem Garten Gottes

Vorstellung des Klassikers vom Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp

Das Büchlein ist aktuell wie nie. Förmlich hört man den Pfarrer Kneipp wettern gegen die menschliche Unvernunft, die modische Torheiten hofiert, anstatt sich altbekannten und bewährten Hausmitteln und Heilpflanzen zu bedienen. Insofern ist das Buch nicht nur eine lehrreich, anregende sondern auch stellenweise unterhaltsame Lektüre.

Seine Klage, dass „fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so beliebten Lindenblüten“, könnte auch dieser Tage entstammen. Der Spott über die „hohen Herrschaften heutzutage“, die zur „teuren Traubenkur wandern, oft nach fernen Ländern“ erinnert an den aktuellen Hype um die Superfoods mit zweifelhaftem Nutzen. Altmodisch und ebenso zeitgemäß klingt dazu seine Einschätzung: „so gingen unsere Eltern und Großeltern in die Kur zum Holunderbaum, der sie in der Nähe so billig und oft viel besser bediente.“

Er beschreibt 66 natürliche Heilmittel, die Überzahl genau gesagt 57 Stück sind uns wohlbekannte Heilpflanzen. Dass seit dem Verfassen des Buches im Jahre 1886 mittlerweile mehr als 130 Jahre vergangen sind, lässt sich am besten an den Heilwirkungen des Baldrians ablesen. Der uns mittlerweile als Beruhigungsklassiker bekannte Baldrian war in seinen Tagen vornehmlich ein Mittel gegen Krämpfe und Kopfschmerzen. Eine Vielzahl von Heilkräutern und -pflanzen ist mittlerweile besser erforscht und die Heilwirkungen zum Teil revidiert. Das heißt nicht, dass Kneipp irrte. Er beschrieb seinen Erfahrungsschatz.

Dazu zählen auch die merkwürdig anmutenden Rezepturen des Wühlhubers und die Beschreibung der Anwendung eines Ölgemisches mit dem lustig klingenden Namen Malefizöl.

Lesens- und erinnernswert sind seine Ermahnungen zur Beschaffenheit einer Hausapotheke, sowie der Aufbewahrung der Kräuter, Tees, Tinkturen und Öle.

Der Kräuterpfarrer Kneipp schrieb damals vorrangig für die Armen und Wenigbegüterten, denen die Kosten für Arztbesuche und Arzneien den Lebensunterhalt drastisch reduzierten. Immer schwingt seine Kritik an nutzlosen oder ersetzbaren Heilmitteln mit. Gleichzeitig ist es ein starkes Plädoyer für einen gesunden Lebenswandel und für die gezielte Nutzung der Schätze aus der Natur, die für jeden zugänglich sind. Zwischen den Zeilen tauchen Reminiszenzen an örtliches Brauchtum auf. Mancher wird es aus ländlichen Gegenden kennen oder sich amüsiert an vergangene Kindheitstage erinnern.

Das in Leinen gebundene Büchlein wurde sorgfältig in der Tradition guter alter Bücher auf dickem Papier gedruckt. Die grafischen Illustrationen der Heilpflanzen sind schwarz-weiß. Man sollte die Pflanzen schon kennen, denn die Bilder bieten kaum Orientierung und sind eher schmückendes Beiwerk. Leider haben sich einige wenige Satzfehler eingeschlichen, die das bibliografische Vergnügen minimal schmählern. Mittlerweile liegt bereits die 2. Auflage des schönen im Hamburger Nikol-Verlages erschienen Buches vor.