Zistrose – die Anmutige von Kreta

Blüte einer Zistrose von Hans Braxmeier

Zistrose (Cistus) 

Die Gattung Cistus (Zistrose) umfasst rund 24 Arten, die allesamt im Mittelmeerraum beheimatet sind. „Die Zistrose, welche einige Kistharon oder Kissaron nennen, ist ein in steinigen Gegenden wachsender zweig- und blattreicher Strauch, nicht hoch, mit rundlichen, herben, rauen Blättern.“[1] Bewundernswert sind ihre den Rosen ähnliche Blüten. Die Farben variieren je nach Art von Rottönen bis zum unschuldigen Weiss. Das Blattwerk der auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta wachsenden Arten Cistus incanus und Cistus creticus dient von alters her als Grundstoff für Kräutertee-Zubereitungen. Die Bewohner der Insel und auf dem griechischen Festland schätzen den Zistrosentee als lebensverlängerndes Elixier, das auch bei Erkältungssymptomen gute Dienste erweisen soll.

Bereits die griechischen Gottheiten sollen sich einer Legende nach über die Heilwirkung der Zistrose gestritten haben. Diese Auseinandersetzung hält wohl bis heute an, obwohl es sehr lange Zeit ruhig um die Schönheit vom Mittelmeer war. Ins Rampenlicht der allgemeinen Aufmerksamkeit rückte dieser Tage die Zistrose bei der Suche nach pflanzlichen Wirkstoffen gegen SARS-Viren, wobei sich in Laborversuchen die bereits bekannte antiviralen und mikrobiellen Wirkungen der Polyphenole nachweisen liessen.[2] Die Auftraggeber dieser Studie mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der  Studienergebnisse. „Die Aussage, dass alle Zistrosen und alle Zistrose-Produkte gegen SARS-CoV-2 wirken, ist falsch. Die beim Fraunhofer-Institut ermittelten Ergebnisse gelten ausschliesslich für den speziellen, getesteten Extrakt und lassen sich nicht pauschal auf andere Zistrosenextrakte übertragen.

Um seriöse, konkrete Aussagen zur Wirksamkeit des Extraktes bei Anwendung am Menschen und in der Prävention von SARS-CoV-2 treffen zu können, müssten noch weitere Studien erfolgen bzw. abgeschlossen werden.“[3]

Während die Götter sich noch um die Zistrose stritten, nutzten die Menschen sie bereits zu ihren Gunsten in der Volksheilkunde. Der Götter Streit drehte sich um die Verwendung als Schönheitsmittel oder zur Behandlung von Wunden und Verletzungen. In seinem Werk „De materia medica“ beschreibt der bekannte griechischen Arzt der Antike Dioskurides die Verwendung von Zubereitungen aus Zistrosenblüten und dem Kraut zur Behandlung von Wunden und Geschwüren der Haut und auch als Mittel gegen erregerbedingte Durchfälle.[4] Wobei die oben erwähnten Phenolverbindungen möglicherweise eine entscheidende Rolle spielen könnten. 


“Das Laudanum wirkt infolge seiner Klebrigkeit und Würzigkeit zusammenziehend, erwärmend und kräftigend.”

DAS CIRCA INSTANS; K.GOEHL


Im Sommer, wenn alle sogar die Pflanzen schwitzen, sondern die Blätter der kretischen Zistrose (Cistus creticus) ein aromatisch duftendes Harz ab. Man nennt es auch das klebrige Ziströschen. Bei weidenden Schafen und Ziegen haftet das Harz am Fell der Tiere, wenn sie durch die Zistrosenbüsche streifen. Beim Fressen sammeln sie einen begehrten Grundstoff für die kosmetische Industrie: das Ladanum. „Am besten davon ist das wohlriechende, grünliche, leicht erweichende, fette, sand- und schmutzfreie, harzige. Es hat adstringierende, erwärmende, erweichende, eröffnende Kraft.“[5] So beschrieb es Dioskurides.

Als pflanzliches Heilmittel ist die Zistrose bisher noch nicht anerkannt. Wenn wir in Zukunft mehr von ihm hören würden, wäre das nicht verwunderlich.

Wirkung:

entzündungshemmend, antimikrobiell, adstringierend

Inhaltsstoffe: 

Polyphenole, Ladanum, ätherische Öle, Borneol, Zineol, Limonen, Inuline


Quellen:

[1] [4] [5] Dioskurides, Pedanios, De materia medica, Übersetzung: Julius Berendes (1902), Bearbeitung: Alexander Vögtli (1998), pharmawiki.ch

[2] Träder, Jens-Martin, Antivirale Eigenschaften des Extrakts aus Cistus × incanus L. Pandalis bei SARS-CoV-2 in vitro nachgewiesen, Erfahrungsheilkunde 2021; 70(01): 59-62, DOI: 10.1055/a-1375-5991

[3] https://www.pandalis.de/de/aktuell/detail/artikel/medial-in-aller-munde-aktuelle-hinweise-zu-cystus-pandalisr/; 14.03.2021