Der Hauswurz ist ein legendenumwobenes Heil- und Wundermittel der Volksmedizin.
|

Hauswurz – der Immerlebende

Hauswurz (Sempervivum)

Der Hauswurz ist eine einheimische Sukkulente. Die dickfleischigen Blätter speichern das Wasser, wie wir es vom Aloe Vera kennen. Laut Signaturlehre zählt der Hauswurz zu den Mondpflanzen. Typische Eigenschaften der Mondpflanzen sind, dass sie beruhigend, besänftigend, befeuchtend und kühlend wirken. Tatsächlich entfaltet das in den Blättern enthaltene Gel genau diese Wirkung bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstichen und Wunden auf der Haut. Er zählt zu einem der ältesten Hausmittel der Volksmedizin.

Hildegard von Bingen empfahl, die Pflanze Hauswurz nicht zu essen, „weil sie von fetter Natur ist.“ Sie riet lediglich zur Anwendung bei Zeugungsunfähigkeit und Taubheit. Die Rezepte dazu bestechen entweder durch einen hohen Eiweissgehalt oder sind so kompliziert, dass die erfolgreiche Anwendung eher einem Glücksfall zu verdanken wäre.

Heute ist der Hauswurz eine beliebte Ergänzung in Steingärten. Oftmals findet man ihn dekorativ in Kübel gepflanzt an Hauseingängen. Neben den schmückenden Eigenschaften wurden dem Hauswurz auch Wunderwirkungen zugeschrieben. So glaubte man zum Beispiel, dass er in der Lage sei, Blitzeinschläge vom Haus fernzuhalten oder Hexen beim Fliegen den notwendigen Kraftstoff zu liefern. Das lieferte wahrscheinlich die Idee zu seinem originellen Zweitnamen: Donnerwurz.

Auch wenn wir den Hauswurz vornehmlich aus den Gärten kennen, ist er häufig in der freien Natur anzutreffen. Er ist genügsam und liebt steinige Böden. Bei Wanderungen im Alpenraum wird man ihn sicher am Wegesrand entdecken. Als Heilpflanze hat er nur Bedeutung in der Volksmedizin. Die mit ihm in Verbindung gebrachten Heilwirkungen wurden in den Monografien bisher nicht bestätigt.

Ähnliche Beiträge

  • Stinkender Storchenschnabel – altbewährtes Verhütungsmittel

    Stinkender Storchenschnabel (Geranium robertianum) Im Volksmund ist der stinkende Storchenschnabel auch bekannt unter dem Namen Ruprechtskraut. In dieser Bezeichnung deutet sich die gebräuchlichste Verwendung der wohlbekannten Heilpflanze an. Knecht Ruprecht ist der Gehilfe des heiligen Nikolaus, der am 6. Dezember die Familien besucht. Nach der volkstümlichen Zählweise vergehen zwischen der Blütezeit (April-Herbst) und dem Nikolaustag…

  • Besser Schlafen mit Mutterkraut?

    Auf die innere Uhr hören? Forscher der Mashhad University of Medical Sciences sind bei ihren Untersuchungen auf schlaffördernde Eigenschaften des Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gestossen. Sie untersuchten die Wirkung von Mutterkraut-Extrakten an Mäusen und stellten fest, sie schliefen einfach länger. Was bisher am Tiermodell beobachtet wurde, könnte für uns Menschen kurz- oder langfristig von grosser Bedeutung…

  • |

    Iris – die Schwertlilie

    Schwertlilie (Iris Germanica) Die kunstvolle Blütenform der Deutschen Iris hat die Phantasie von Künstlern, Königen und Gartengestaltern schon von jeher angeregt. Ihre elegante und prägnante Blüten-Silhouette zierte die Wappen der französischen Könige. Der gute Walahfried Strabo mochte sie nicht in seinem Garten missen: einerseits ihrer Schönheit wegen, andererseits wurden zu seiner Zeit die zerriebenen Wurzeln…

  • Baldrian als Blutdrucksenker?

    Studie gibt Hinweise auf Wirkung von Baldrian auf sympathisch-ovagalen Tonus und Herzfunktion Bereits der Genuss einer einzigen Tasse Baldrian-Tees reichte, um bei Probanden einer iranische Studie die Herzfrequenz nachweislich zu senken. Im Verlauf der nachfolgenden halben Stunde sank zudem der systolische Blutdruck bei allen Studienteilnehmern, wobei der diastolische Druck konstant blieb.  Eine einseitige Sicht auf…

  • Schmerzen – reine Nervensache?

    ‘The reign of pain is mostly in the brain.’  Das obige Zitat entstammt dem weltbekannten Muscial “My Fair Lady”. Den meisten wird allerdings das Wortspiels bezüglich der Farbe Grün in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Die englische Originalfassung enthält den bemerkenswerten Satz aus unserer Überschrift. Allerdings bleibt dem zuzufügen: Schmerzen sind weit mehr als reine Kopfsache! In…

  • Alles so schön bunt hier!

    Diese Drogen machen das Leben schöner! Zuerst schulden wir unseren Leserinnen und Lesern eine Begriffsklärung. Bei Drogen handelt es sich im ursprünglichen Sinne um pflanzliche, mineralische oder tierische Rohstoffe, die zur Herstellung von Heil- und Arzneimitteln, Gewürz- und Riechstoffen oder als Geschmackskorrigenz sich eignen. So jedenfalls definieren es die medizinischen und pharmazeutischen Kompendien. Vermutlich leitet…