Bedeutungsvoll sind die kurzen Nächte zur Jahresmitte. Wahre Sonnensegel sind die Blüten des Johanniskrauts.

„Wie das Wetter am Johannistag war, so bleibt es viele Tage gar.“

Die sommerliche Wetterprognose entstammt einer alten Bauernregel

Der Johannistag (24. Juni) und die Sommersonnenwende (21. Juni) gehören unweigerlich zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hat die Sonne in ihrer Umlaufbahn den höchsten Stand erreicht. Ab jetzt verkürzen sich die Tage und verlängern sich die Nächte wieder bis zur Wintersonnenwende. Der Johannistag erinnert an die Geburt Johannes des Täufers. Er wurde, der biblischen Überlieferung nach, sechs Monate vor Jesus Christus geboren. Damit ist klar, ab jetzt sind es sechs Monate bis Weihnachten.

Einer der prominenteste botanischen Vertreter des Mitsommers ist das Johanniskraut. Die gelben Blütensterne beginnen ab dieser Zeit zu blühen. Es ist eine wahrhaftige Sonnenpflanze. Wie kein anderes Kraut braucht das Johanniskraut die Sonne, und saugt sich an ihr satt. Selbst die Samenkörner können im Dunkeln ohne Sonnenlicht nicht austreiben. Die Namensgebung der Pflanze assoziiert stark mit der Figur seines Namenspatrons. So steht über ihn im Johannesevangelium geschrieben: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glaube kommen.“ Tiefen symbolischen Charakter hat die Pflanze in ihren Besonderheiten. Beim Brechen der Stengel tritt eine rötliche Flüssigkeit hervor, die eindrückliche Flecken auf der Haut hinterlässt. Die Flüssigkeit findet sich auch in den tüpfeligen Öldrüsen auf den knallgelben Blütenblättern. Bedeutungsschwer werden die roten Tropfen mit dem Blut des geköpften Johannes gleichgesetzt. Er gilt als der Wegbereiter des Messias und der letzte Prophet.

Sein Tod ist in so fern bemerkenswert, dass er ein makabres Beispiel für falsch verstandene Loyalität, Anonymisierung von Macht, moralischen Egoismus, Sexualisierung von Gewalt und weiblichen Hass darstellt. Frau Herodias fühlte sich in ihrer Ehre angegriffen und forderte seinen Kopf. Tochter Salome tanzt ihren Stiefvater an, um den Preis eines Menschenlebens. Der Henker am Ende erledigt nur seinen Job. Die Geschichte ist aktueller denn je, wie uns all die Alices, Beatrix‘, Condolezzas, Elisabeths, Fraukes, Marissas, Kirstjen, Nikki’s, Sarah’s ganz demonstrativ zeigen.

Auf Johannes den Täufer geht die christliche Taufe zurück. Er taufte Jesus Christus. Nach dem Heiligenkalender (namenstage.katholisch.de) wird er unter anderem als Patron der Vegetarier verehrt. Das verdanken wir wahrscheinlich seiner enthaltsamen Lebensweise; Heuschrecken und Honig. Die Ankündigung des Erzengels Gabriel nimmt seine Abstinenz vorweg: „Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken.“ (Lukas, 1; 15)

„Regnet`s am Johannistag, so regnets noch vierzehn Tag.“ Möge die Bauernregel diesmal nicht recht behalten!

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