Phantastische Formenvielfalt in einer Blüte des Meisterwurzes.
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Meisterwurz – ein sehr alter Bekannter

Meisterwurz (Peucedanum ostruthium)

Einer seiner ältesten Beinamen wurde in die lateinische Bezeichnung für den Meisterwurz überführt – der Ostruz. Wie schon der Name hinweist, wurden die Wurzeln für Heilzwecke genutzt. Die Blütendolde sieht der Angelica oder auch Engelwurz sehr ähnlich. Beim Meisterwurz sind die Blütenstände eher flach und bei der Angelica rund angeordnet. Tatsächlich gibt es zwischen beiden Pflanzen verwandtschaftliche Verhältnisse. Sie gehören beide zu den Doldenblütlergewächsen.

Ein Magenmittel, aber nicht das Beste

Der Meisterwurz wurde in der Vergangenheit vorwiegend als Magenmittel eingesetzt. Die bessere Wirkung und Verträglichkeit besteht bei der Verwendung von Angelika oder dem Engelwurz. Daher wurde im Laufe der Zeit immer mehr dem Engelwurz der Vorrang gegeben.

Um den Meisterwurz ranken sich verschiedene Mythen. Zum Beispiel soll er ein gutes Mittel gegen Hexerei und faulen Zauber sein. Energetisch soll er ausgleichend wirken. Man nimmt sogar an, dass er eine Zutat dieser Tränke war, die vor Vergiftungen schützen sollten. Angeblich hat ihn Hildegard von Bingen beschrieben, allerdings finden sich in den neuesten Übersetzungen ihrer Werke auf ihn keine Hinweise. Wahrscheinlich handelt es sich um die Berichtigung einer fehlerhafte Zuordnung. Zu Hildegards Zeiten gab es noch keine einheitliche botanische Nomenklatur. Als eine Zutat für Schnäpse wird ihm eine magenstärkende Wirkung zugeschrieben.

Zahlreiche Autoren beklagen, dass der Meisterwurz im Laufe der Zeit als Heilpflanze immer mehr in Vergessenheit geraten ist. Das kann sich in Zukunft schnell wieder ändern. Zur Stärkung des Magens eignet sich die Angelica wesentlich besser als der Meisterwurz. Die Wirkung der Inhaltsstoffe wurde als nicht zuverlässig genug eingeschätzt. Zudem sind sie mit einem relativ hohen Reizungspotenzial ausgestattet. Für die Forschung hingegen ist das Ostruthol des Meisterwurz‘ von Interesse zum Einsatz beispielsweise bei entzündlichen Erkrankungen des Herzmuskels. Vielleicht erlebt der Meisterwurz in Bälde wieder seine Renaissance.

Nach wie vor findet sich der Meisterwurz in Teemischungen und Mixturen. Dabei handelt es sich um altbewährte und geprüfte Apotheken-Rezepte, die in den geforderten Qualitäten hergestellt werden.

Meisterwurz ist heute nur noch aus den alten Büchern als Heilkraut bekannt.

Der Meisterwurz ist als Heilpflanze weder von der EMA/HMPC noch von der Kommission E des BfArM anerkannt. Auch seitens der ESCOP wurde keine Monografie erstellt.

Inhaltsstoffe:

ätherische Öle, Cumarine: Ostruthin, Ostruthol, Furocumarine, Oxypeucedanin, Sabinen,

Wirkung:

entzündungshemmend, antimikrobiell, zellerneuernd, verdauungsfördernd

Gegenanzeigen:

Die enthaltenen Furocumarine erhöhen die Photosensibilität, d.h. Hautreizungen ausgelöst durch Sonneneinstrahlung und Gefahr von Sonnenbrand.

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