Die kleinen zierlichen Blüten des Augentrostes werden mit dem Auge und dem Unterlied assoziiert.
|

Augentrost – ersetzt keine Brille

Gemeines Augentrost (Euphrasia officinalis)

Man muss schon die Augen aufhalten, um das Augentrost zu entdecken. Die kleinen Pflänzchen aus der Familie der Sommerwurzgewächse mit den zierlichen Blüten wachsen an Weg- und Feldrändern. In ihrer Winzigkeit der Blüten wird es häufig übersehen. Seinen festen Platz als Heilpflanze in der Volksmedizin hat es schon sehr lange. Für das empfindlichste Organ – das Auge – hält die Pflanzenwelt nur eine überschaubare Auswahl an Kräutern parat, wozu das Augentrost zählt.

Kleine Augen schauen dich an.

Mit etwas Fantasie lässt sich in den kleinen Blüten ein Auge erkennen. Das untere Blütenblatt mit seinen Auszähnungen ähnelt einem unteren Augenlid. Die feinen violetten Striche gleichen den Faltungen der Iris. Der im Schatten liegende innere Bereich des Blütenkelches könnte mit einer Pupille verglichen werden, vor allem wenn noch ein Tautropfen sich in der Blüte verfangen hat. Übereinstimmend mit der Anwendung wird sie laut Signaturlehre den Augenpflanzen zugeordnet.

Kein Kraut zum Sammeln!

Im Allgemeinen sammeln und verzehren wir aus Angst vor Verschmutzung nicht, was an Wegrändern und Feldbegrenzungen wächst. Verunreinigung durch Staub, Dreck, Dung und Kontakte mit Tieren bergen Risiken für die menschliche Gesundheit. Hier genau verbirgt sich die Crux beim Augentrost. Es bevorzugt zum Wachstum genau diese Stellen, die zum Sammeln am wenigsten geeignet sind. Das ist der Grund, weshalb dem Augentrost die Anerkennung als Heilpflanze verwehrt wird. Es besteht unstrittig die Gefahr, dass es bei selbst gesammelten und verarbeiteten Augentrost zum Fremdeintrag von Schmutz und Keimen in das Auge kommen kann. Bei einem bereits durch eine Reizung oder Entzündung vorgeschädigten Auge würde somit der Teufel durch den Belzebub ausgetrieben. Das Ergebnis wäre wahrscheinlich eher eine zusätzliche Belastung oder gar die Schädigung der empfindlichen Augenumgebung und des Auges selbst!

Das Heilkraut Augentrost fühlt sich auf Wiesen wohl, die feucht und nährstoffarm sind.

Wegränder und Feldraine bevorzugt das Augentrost als Standort.

Der Apotheker weiss Rat:

Allerdings heisst das nicht, dass wir auf das Augentrost verzichten müssen. In Apotheken sind sichere und keimfreie Präparate des winzigen Krautes erhältlich. Obwohl die Inhaltsstoffe des Augentrostes und deren Wirkung bisher nicht hinreichend wissenschaftlich belegt sind, bestehen Erfahrungen bei der Behandlung entzündlichen Prozessen am Auge und in der Augenumgebung. Dazu zählen Entzündungen der Augenlider und der Bindehaut, geschwollenen, geröteten, gereizten Augen und Gerstenkörnern. Dabei gilt es, auf peinliche Sauberkeit zu achten. Der Schutzmechanismus eines gereizten oder entzündeten Auges ist bereits gestört. Daher besteht die Gefahr eines Neueintrages einer Infektion. Keimfreie Präparate (z.B. Dekokte) können äusserlich und innerlich als Tee angewendet hilfreich sein.

Augentrost wächst an feuchten Wiesen- und Wegesrändern. Das macht es so anfällig für Verschmutzungen.

Übereinstimmend warnen die Kommission E des BfArM und die HMPC/EMA vor der Anwendung von Augentrost im Hinblick auf die mit dem Kraut verbundenen hygienischen Probleme. In Apotheken angebotene Waren und Präparate garantieren allerdings die erforderliche Qualität und Sicherheit.

Inhaltsstoffe:

Flavonoide, Iridoidglykoside, Lignane, Phenylprpanoidglykoside

Wirkung:

entzündungshemmend, adstringierend, ableitend

Augentrost findet sich meist an Feld- und Wegrändern.
Augentrost findet sich meist an feuchten Feld- und Wegrändern.
Die winzigen Blüten des Augentrostes können leicht übersehen werden.
Die winzigen Blüten des Augentrostes können leicht übersehen werden.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Kriechender Günsel – der Frischemelder

    Kriechender Günsel (Ajuga reptans) Die kleine blaublühende Staude begegnet uns häufig bei Spaziergängen an Feldrändern. Sie bevorzugt lehmige, mullige und vor allem nährstoffreichen Böden und gilt als Frische- und Nährstoffanzeiger. Als Zierpflanze wird er zuweilen auch als Bodendecker in Gärten angebaut. Bis ins 16. Jahrhundert war der kriechende Günsel als Heilpflanze ausführlich beschrieben und bekannt. Danach…

  • | | |

    Dornige Spitzklette – das fremde Kraut

    Dornige Spitzklette (Xanthium spinosum) Wahrscheinlich hat sie schon jeder einmal gesehen, die Dornige Spitzklette (Xanthium spinosum). Nur wenige schenken dem Kraut vom Wegesrand Beachtung. Lediglich Botaniker und Biologen scheinen sich für sie zu interessieren. Es ist kein Fall von Fremdenfeindlichkeit, obwohl die Dornige Spitzklette (Xanthium spinosum) ein Zuwanderer aus Übersee ist. Vermutlich stammt sie aus Südamerika…

  • Normannischer Lein

    Wenn die welligen Weiten der Felder in der Normandie die Farbe des Himmels angenommen haben, ist es Juni und der Wind hat die grauen Regenwolken ins Landesinnere getrieben. Wie ein Spiegel wiederholen die blühenden Leinfelder das helle Blau des Himmels. Der grossflächige Anbau der Leinpflanzen erlebt in der Normandie seine Renaissance. Nachdem ihm im 19….

  • Neues vom Pestwurz

    Pestwurz aus kultiviertem Anbau ist dem wildwachsenden gleichwertig! Bei der Erforschung von Inhaltsstoffen des Pestwurzes (Petasites hybridus) fiel Schweizer Forschern auf, dass wild gesammelter Pestwurz dem aus kultiviertem Anbau ebenbürtig ist. Sie konnten keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen kultivierten und wild gesammelten Rhizomen feststellen. Der Vorteil des kontrollierten Anbaus liegt auf der Hand….

  • |

    Anis – das heilsame Gewürz

    Der sogenannte Wiesen-Anis (Pimpinella anisum) und der Stern-Anis (Illicium verum) sind nicht miteinander verwandt. Sie entstammen beide verschiedenen Pflanzenfamilien. Der Wiesen-Anis ist ein einheimisches Doldenblütengewächs mit gefiederten Blättern. Die ersten jungen Blätter am Stengel des Wiesenanis sind ungefiedert. Mit zunehmendem Wachstum bringt der Wiesen-Anis dann zunehmend die gefiederten Blättchen hervor. Die kleinen bräunlich-schwarzen Früchte an der…

  • | |

    Heil-Ziest – das gute Bienenfutter

    Heil-Ziest (Betonica officinalis) Bekannt ist der Heil-Ziest auch unter dem Namen echte Betonie. In ländlichen Gegenden wird es gerne als Amulettkraut bezeichnet. Man rechnet der kleinen Pflanze mit den süsslich duftenden Blütenständen Kräfte zum Abwehr von Hexenzauber zu. Unklare Quellen behaupten, es wirke aufbauend das Kraut zu rauchen. Die Äbtissin Hildegard von Bingen wurde da schon…