Buntnesseln sind die harmlosen Vertreter in der Wiese.

Nur nicht in die Nesseln setzen!

„Sich in die Nesseln setzen“ steht im allgemeinen Sprachgebrauch für Handlungen, die absehbar mit unangenehmen Folgen verbunden sind. Zwar gibt es Menschen mit Rückenproblemen, die sich mit nackten Hintern in frische Brennnesseln setzen. Sie schwören auf den Effekt, wenn der Schmerz nachlässt. Was bleibt, ist gerötete Haut, Quaddeln mit kleinen weissen Pusteln und ein langanhaltendes Jucken. Doch nicht alle als Nesseln bezeichnete Pflanzen besitzen neben den typischen gezackten Blättchen die gefürchteten Brennhaare.

Brennnesseln sind nicht nur ungeliebtes Unkraut sondern auch mit heilenden Kräften ausgestattet.

Im deutschen Sprachraum bezeichnen wir eine Reihe von Pflanzen als Nesseln, obwohl sie anderen Pflanzengattungen zugehören. Die Königin der Nesseln ist und bleibt uneingeschränkt die Brennnessel (Urtica dioica). Nicht nur, dass sie in der Natur auf ihrer Vorherrschaft pocht. Sie verfügt auch über Heilkräfte wie kaum eine andere. Sie ist Diuretika Nummer 1 unter den Heilpflanzen und passt zu jeder Frühjahrskur. Wem der Spinat nicht reicht, greift zur Brennnessel. Meist werden jedoch ihre Blätter – frisch oder getrocknet – zum allbekannten Brennnesseltee aufgebrüht.

Weisse Taubnesseln am Wegesrand sind Bienenfutter und ein pflückenswertes Heilkraut.

Obwohl nicht miteinander verwandt dürfen sich recht harmlose Kräuter Nesseln nennen. Es sind die Taubnesseln. Sie bilden eine eigene Gattung (Lamium). Zugehörig sind sie der Familie von Lippenblühern (Lamiaceae). Das verrät meist schon die Form ihrer kleinen Blüten. Unter den Taubnesseln ist die Weissblühende die wohl Heilkräftigste. In ihrer Wirkkraft ist die Weisse Taubnessel (Lamium album) genauso zart und zurückhaltend wie ihr Äusseres. Sie wirkt ausgleichend und das nicht nur wegen der fehlenden Brennhaare. Die fehlen auch ihren ebenso harmlosen buntblühenden Schwestern.

Schwarznessel - ballota nigra - das vergessene Beruhigungsmittel im Botanischen Garten der Goethe-Universität Frankfurt am Riedberg.

Aus der Reihe fällt die Schwarznessel (Ballota nigra). Zwar darf sie sich noch der Familie der Lippenblüher (Lamiaceae) zurechnen. Eine eigene Gattung mit mehr als dreissig Arten stellen die Ballotae. Mitunter ist die Schwarznessel (Ballota nigra) von den purpurnen Taubnesseln schwer zu unterscheiden. Spätestens der Geruch verrät sie. Reibt man Stengel und Blätter und der herbe kräftige Geruch bleibt aus, dann ist es wieder nur die Taubnessel. Wahrscheinlich liegt es an dem gewöhnungbedürftigen Geruch, dass die Schwarznessel (Ballota nigra) als natürlicher Krampflöser und Beruhigungsmittel aus dem kollektiven Gedächtnis nahezu verschwunden ist.

Die Stängelumfassende Taubnessel ist eine Bienenweide und taugt leider nicht als Heilkraut.

Nesseln auf der Haut, oder auch Nesselsucht sind Krankheitszeichen auf der Haut. Sie ähneln den durch Kontakt mit Brennnesseln hervorgerufenen Hautreaktionen. Rötungen, Quaddeln und Juckreiz zählen dazu. Damit signalisiert der Körper meist eine Unverträglichkeit, was auch über einen längeren Zeitraum geschehen kann. In den seltensten Fällen war die Berührung einer als Nessel bezeichneten Pflanze die Ursache.

Nicht nur im Frühling lohnt sich der Blick auf die vielfältigen Nesseln. Ihre filigranen Blüten verbergen kleine Geheimnisse, die sich nur beim ganz genauen Hinschauen den Betrachtern offenbart. Man muss sich dafür nur bücken oder hinhocken – und nicht hineinsetzen.

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