Dostenkraut (Oregano vulgare L.) wird auch wilder Majoran genannt. Wie er in der Schweiz heisst, wissen wir nicht. Jedenfalls sieht er gut aus mit den Alpen im Hintergrund und duftet würzig auf den Wiesen rings um Engelberg.

Wilder Dost – Wen Juckt’s?

Steckt im Oregano ein natürliches Anti-Pilzmittel?

In der mediterranen Küche ist Oregano (Origanum vulgare L.) nicht wegzudenken. Seine Würze ist bekannt und beliebt im gesamten Mittelmeerraum. Als Heilmittel konnte er sich bis heute weder einen Namen machen, noch wird er in den Monografien anerkannt. Als Hausmittel bei Verdauungsstörungen wird er genutzt, wenn Besseres nicht zur Hand ist. Ausgerechnet am anderen Ende der Welt interessiert man sich für die heilenden Kräfte des Dostenkrauts (Origanum vulgare L.). Brasilianische Forscherinnen und Forscher der São Paulo State University vermuten, dass alkoholisch-wässrige Auszüge vom Oregano-Kraut ein wirksames Mittel gegen Hefepilze der Gattung Candida sein könnten.

Candida-Besiedelungen auf der Haut sind in der Regel normal und unproblematisch. Jeder gesunde Mensch hat sie neben vielen anderen Bakterien. Sind die Haut, das Milieu und ihr Schutzfilm intakt, bereiten sie keine Probleme. Zu Infektionen, sogenannten Candidosen, kommt es, wenn die Haut oder der Organismus an Widerstandsfähigkeit verloren haben. Das können Schwächungen des Immunsystems, Stoffwechselerkrankungen und Schädigungen der Schleimhäute oder Hautoberflächen sein. In der Regel sind diese mit topischen Azolen bzw. Polyenen effektiv behandelbar.

Die Wissenschaftler der São Paulo State University suchten einen Stoff, der natürlich vorkommt, effektiv gegen Candida-Pilze wirkt und zudem gut verträglich ist. Im Labor testeten sie mit alkoholisch-wässrige Auszügen von Oregano-Blättern. Die Ergebnisse der vorliegende Studie sind hoffnungsvoll, beruhen aber lediglich auf Laborversuchen. Dabei zeigten die alkoholisch-wässrigen Auszügen vom Oregano (Origanum vulgare L.) signifikante antioxidative und antimykotische Aktivitäten gegen Candida-Spezies – sowohl in planktonischen Kulturen als auch in Biofilmen. Das Erfreuliche ist, dass sie offensichtlich gut verträglich zu sein scheinen. In den Versuchen zeigte sich kein Hinweis auf Zytotoxizität oder Genotoxizität – eher eine gute Biokompatibilität gegenüber menschlichen Keratinozyten. Im Vergleich mit herkömmlichen Fungiziden ist die Wirkung des Oregano-Auszugs zwar geringer, könnte aber adjuvant bisherige Therapiekonzepte ergänzen und unterstützen. 

Rosmarinsäure, Carvacrol, Chlorogensäure, Vitexin, Isovitexin, Gallussäure und Apigenin sind die wichtigsten Inhaltsstoffe des Oregano (Origanum vulgare L.). Dementsprechend verfügt er auch über zahlreiche bioaktive Verbindungen.

Oregano oder der Echte Dost hat es noch immer nicht zur anerkannten Heilpflanze geschafft. Gottlob bliebt ihm die unbestrittene Ehre als Küchenkraut.

Quellen:

da Cruz, G. M., de Menezes, R. T., de Carvalho, L. S., Cintra, T. M. F., Tediole, G. T., Avelino, P. d. S., Marcucci, M. C., de Oliveira, L. D., & Meccatti-Domiciano, V. M. (2026). Extract of Origanum vulgare L.: Chemical Composition by HPLC-DAD, Antioxidant Activity, Biocompatibility, and Antifungal and Antibiofilm Action. Analytica, 7(3), 46. https://doi.org/10.3390/analytica7030046

Hänsel, R., Sticher, O.: Pharmakognosie-Phytopharmazie, 9. Auflage, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2010.

https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/infektionskrankheiten/candida-infektionen-734675.html; gelesen 07.07.2026

https://register.awmf.org/assets/guidelines/082-005l_S1_Diagnose-Therapie-Candida-Infektionen_2025-10-abgelaufen.pdf; gelesen 04.07.2026

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