Wegwarte wird Opfer von Ghosting
Die Gemeine Wegwarte erzählt die florale Geschichte einer enttäuschten Liebe.
Sie steht am Wegesrand und wartet auf ihren Liebsten. Voller Vorfreude auf ihren Geliebten warf sich die Wegwarte in volle Blüte. Schmuck sah sie aus mit ihren leuchtend blauen Blütensternen. Stolz und voller Schönheit wartete sie am Wegrand auf den Ersehnten. Doch der kommt nicht. Sie weiss nicht warum. Er hat sie einfach stehenlassen. Immer trauriger wird sie. In der Hitze der Sonne welkt sie dahin nach nur einem halben Tag. Nach und nach verblassen ihre Blüten. Das erfolglose Warten setzt ihr zu. Nach wenigen Stunden ist nur noch ihr karges und struppiges Blattwerk übrig. Dabei war sie vor Stunden noch die Schönheit am Wege, die auf ihren Liebsten wartet.
Weil sie grundlos stehen gelassen wurde, hörte sie einfach auf zu blühen. Enttäuscht bleibt sie schmucklos für eine ganze Weile. Irgendwann schöpft sie wieder Hoffnung und blüht erneut für nur einen halben Tag. Immer wieder in den Tagen des Hochsommers können wir das Schauspiel beobachten. Wann sie erblüht, das verrät sie fast nie.
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) hat heilsame Wurzeln. Sie sind wirksam bei Stoffwechselproblemen in Magen und Darm. Vielen ist der koffeinfreie Zichorienkaffee bekannt. Gewonnen wird er aus den gerösteten Wurzeln der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus L., radix).
Erfahren habe ich diese Geschichte von Schwester Brigitte aus dem Kloster Reute.

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