Wegwarten blühen nur für wenige Stunden. Morgens erblühen sie und sind meist mittags schon wieder abgeblüht. Das wiederholt sich mehrfach im Hochsommer.

Wegwarte wird Opfer von Ghosting

Die Gemeine Wegwarte erzählt die florale Geschichte einer enttäuschten Liebe. 

Sie steht am Wegesrand und wartet auf ihren Liebsten. Voller Vorfreude auf ihren Geliebten warf sich die Wegwarte in volle Blüte. Schmuck sah sie aus mit ihren leuchtend blauen Blütensternen. Stolz und voller Schönheit wartete sie am Wegrand auf den Ersehnten. Doch der kommt nicht. Sie weiss nicht warum. Er hat sie einfach stehenlassen. Immer trauriger wird sie. In der Hitze der Sonne welkt sie dahin nach nur einem halben Tag. Nach und nach verblassen ihre Blüten. Das erfolglose Warten setzt ihr zu. Nach wenigen Stunden ist nur noch ihr karges und struppiges Blattwerk übrig. Dabei war sie vor Stunden noch die Schönheit am Wege, die auf ihren Liebsten wartet.

Sie wartet am Weg

Weil sie grundlos stehen gelassen wurde, hörte sie einfach auf zu blühen. Enttäuscht bleibt sie schmucklos für eine ganze Weile. Irgendwann schöpft sie wieder Hoffnung und blüht erneut für nur einen halben Tag. Immer wieder in den Tagen des Hochsommers können wir das Schauspiel beobachten. Wann sie erblüht, das verrät sie fast nie.

Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) hat heilsame Wurzeln. Sie sind wirksam bei Stoffwechselproblemen in Magen und Darm. Vielen ist der koffeinfreie Zichorienkaffee bekannt. Gewonnen wird er aus den gerösteten Wurzeln der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus L., radix).

Diese wunderbare Geschichte hat mir die Kräuterkundige Schwester Birgit aus dem Kloster Reute erzählt.

Eine kleine Erklärung

Übrigens, der Begriff Ghosting beschreibt Verhalten, wenn Menschen kommentarlos Kontakte abbrechen, Verabredungen nicht einhalten – wie ein Geist aus dem Leben anderer verschwinden. Das ist schwer nachzuvollziehen. Die Betroffenen fühlen sich, als fallen sie in ein Loch. Sie kennen nicht die Gründe und können das Verhalten schwer einordnen.

Die Gemeine Wegwarte wird auch Zichorie genannt. Aus den Wurzeln kann der sogenannte Zichorien-Kaffee gewonnen werden. Ihre blauen Blütensterne schmücken sie nur für einen halben Tag.

Mehr über die Gemeine Wegwarte erfahren …

Ähnliche Beiträge

  • Schlaffes Liebstöckel

    Grüne Wedel statt blauer Pille? Erstaunt reagierte der Berliner Heilpraktiker Hannes A., als ein Klient sein bereits gezahltes Honorar zurückforderte. Tage zuvor hatte er ihm unter anderem zu Liebstöckel (Levisticum Officinale) für die Stärkung seiner Libido geraten. Erektionen durch Wunschdenken Weil das Liebstöckel als Aphrodisiakum allerdings keine Wirkung zeigte, recherchierte der Klient und wurde fündig….

  • Hildegard und der Altweibersommer

    Kennen Sie die Momente, wenn im warmen Wind der letzten Sommertage kitzelnd einzelne Spinnfäden über die Haut fahren? Dann ist Altweibersommer! Spinnen nutzen ihre Fäden nicht nur zum Knüpfen der bekannten Netze, womit sie ihre Beute jagen. Sie nutzen die Fäden auch als Fortbewegungsmittel, um von oben nach unten zu krabbeln. Mit Hilfe des Windes…

  • Kranz der Wahrheit

    Der Blick durch einen aus Gundelreben gewundenen Kranz entlarvt Hexen. Ein Kranz geflochten aus Gundelreben soll zur Walpurgisnacht die Fähigkeit besitzen, Hexen sichtbar zu machen. Der Blick hindurch auf das fragliche Mädchen soll der Überlieferung nach das Rätsel um die Person lösen. So oder ähnlich lautet eine der zahlreichen Geschichten, die über die Gundelrebe (Glechoma…

  • Geheimnis des Waldmeisters entschlüsselt

    Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ermittelten den idealen Zustand von frischem Waldmeisterkraut für die Maibowle. Wer glaubt, die Wissenschaftler hätten zu tief in den Bowlentopf geschaut, der irrt. Sie meinten es ernst mit ihrer Forschungsarbeit. Das Ergebnis ist eine ‚Umfassende Analyse der Naturstoffe von Galium odoratum (Rubiaceae) mit Schwerpunkt auf der Bildung von Cumarin während…

  • Blau wie Veilchen

    Legenden und Berichte über kuriose Gebräuche am Hof der Habsburger Monarchen gibt es reichlich. Die Geschichte im Umgang mit den Veilchen ist einfach nur lieb. Sobald sich die ersten violetten Blüten zeigten – so der Brauch – versammelte sich wohl der Hofstaat zu einem Ausflug in die Donauauen. Ziel war die Besichtigung der ersten Veilchenblüten….

  • Schöllkraut rehabilitiert!

    Beinahe unbemerkt gewinnt in diesen Tagen das zu Unrecht geschmähte Schöllkraut seine wohlverdiente Anerkennung zurück. Ganz und gar königlich in Szene gesetzt wurde es während der ersten Tage des Monats Mai. Als goldenes Blüten-Ornament schmückte das Schöllkraut vereint mit stilisierten Gänseblümchen, Acker-Gauchheil und Vergissmeinnicht das weisse Seidenkleid, das Königin Camilla zu ihrer und Charles III….