Wildnisapotheke, Buchcover, Eunike Grahofer, erschienen im Freya Verlag

Wildnisapotheke

Eunike Grahofer’s Buch fürs ganzjährige Kräutersammeln

Der Garten ist nicht genug. Eunike Grahofer schickt uns in den Wald und das zu jeder Jahreszeit. Das ist erfreulich und macht Laune. Ihr neuestes Buch weckt die Sammellust und gibt Anregungen für Waldspaziergänge. Für jeden Monat des Jahres hat sie zahlreiche Anregungen und Rezepte zusammengetragen. Wer Ideen, Motivation und Anregungen für einen Ausflug ins Grüne sucht, in Eunike Granhofers Buch finden sie sich. Die „Wildnisapotheke“ richtet sich an naturbegeisterte Familien mit Kindern. Dementsprechend ist es reich bebildert und mit kindhaften grafischen Elementen ausgestattet. Und genau an dieser Stelle wird es problematisch. Sie vermittelt eine Welt der unendlichen Verfügbarkeit und Nutzbarkeit der Natur. So ist es nun aber leider nicht! Der fortlaufende Rückgang zusammenhängender Waldflächen, der Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft und die täglich wahrnehmbaren Klimaveränderungen tragen zum langsamen Verschwinden der Wildnis bei. Wer sammelt muss sorgsam und achtsam sein. So oder ähnlich formulierte es bereits Wolf-Dieter Storl in seiner ‚Kräuterkunde‘.

Säfte, Salben, Tinkturen, Tees und Wickel. Jede Menge Ideen und Inspirationen hat Frau Grahofer zusammengetragen. Sie ist eine wirkliche Wurzlerin. Daher widmet sie ihr Augenmerk auch immer wieder allem, was unter der Grasnarbe wächst. Die Alten werden auf den 263 Seiten viel Bekanntes finden. Staunen können die Jungen, wozu sich allerlei vom Wegesrand verwenden lässt. Da das Buch für jeden Monat eine Menge Ideen parat hält, könnte es zur ganzjähirgen Vollbeschäftigung führen. Wer alle Rezepte ausprobieren möchte, sollte schon einmal die Kapazitäten im Küchenschrank und anderswo umdisponieren. Die Anleitungen für die Zubereitungen sind unkompliziert und mit einfachen Hausmitteln machbar.

Bei aller Begeisterung für das Buch, kritisch zu hinterfragen ist die Einstellung der Autorin zu Naturschutz und Wissenschaftlichkeit. Sammelnswert sind Pflanzen, die unter Naturschutz stehen auf keinen Fall! Nichts einzuwenden ist gegen Anwendung tradierter Heilmittel, wenn sie nicht schaden. Allerdings die Giftigkeit von Pflanzen und Pflanzenteilen zu ignorieren ist mehr als fahrlässig. Himmelsschlüssel, Leberblümchen, Meerzwiebeln beispielsweise sind keine sammelnswerten Pflanzen. Hier wäre ein Aufzeigen von Alternativen wünschenswert gewesen.

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