Der Kreuzgang des Pandhofs Sinte Marie verband die Mariakerk mit dem Chorhaus im Süden.

Pandhof Sinte Marie in Utrecht

Frühlingsgefühle in holländischem Kräutergarten

Unseren niederländischen Nachbarn wird allzu gerne ein entspanntes Verhältnis zu Kräutern unterstellt. In Wahrheit ist es ganz anders. Sie nutzen die Kräuter zum Entspannen. Dabei steht in unserem Fall ein tatsächlicher Konsum nicht zur Debatte. Wie ein magisches Meditationskissen zieht mitten im Utrechter Stadtzentrum eine kleine grüne Oase die Menschen an. Sie verweilen nie lange dort. Es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen. Ein paar Augenblicke in der Sonne sitzen und die bunten Beete betrachten. Das genügt ihnen. Zu Füssen der Gartenbesucher haben fleissige Hände eine grosse Menge Heilkräuter versammelt, gepflanzt und angebaut. Es sind Freiwillige unter Utrechts Bürgern. Sie haben sich des Gartengevierts im Pandhof Sinte Marie angenommen.

Der Konigsdag verlockt die Niederländer zum Tragen der Farbe Orange.

Die beiden noch erhaltenen Säulengänge lassen unschwer erkennen, dass es sich bei dem Garten um einen ehemaligen Kreuzgang handelt. Er war Teil der Mariakerk, eine von fünf Stiftskirchen der Stadt. Ein Kreuzgang verband die Kirche mit dem dazugehörigen Chorhaus. Die Marien geweihte Kirche gibt es heute nicht mehr. Der Name ist geblieben. Bis heute ist er ein Hinweis auf ihre gemeinsame Vergangenheit: Pandhof Sinte Marie. Wen wundert’s?! Die fleissigen Freiwilligen haben es nicht einfach bei Heilkräutern und -pflanzen für die Bepflanzung ihres Gartens belassen. Marienpflanzen ist das Motto. Sie haben Pflanzen und Blumen zusammengetragen, die einen unmittelbaren oder zum Teil ethnobotanischen Bezug zu Maria haben. Auch ohne das Wissen um den eigentlichen Sinn gefällt die bunte Mischung den Besucherinnen und Besuchern.

Kleine und grosse Dramen werden auf den Bänken des kleinen Gartens im Zentrum Utrechts ausgehandelt.
Currykraut aus Ausgang zum Mariaplaats.
Das Seifenkraut hat sich ins Bild gedrängt und verwehrt den Blick auf den Brunnenstein.
Aus Datenschutzgründen haben wir die Heilpflanze kenntlich gemacht, unterlassen das aber bei den abgelichteten Personen.

Manchmal lohnt es die Blätter anzuheben. Rasches Wachstum verwehrt ab und an den Blick auf die Namensschilder der Pflanzen. Die lateinische Bezeichnung fehlt nie. Wer des Holländischen nicht mächtig ist, wird dann doch die richtige Antwort finden. Die meisten Kräuter und Pflanzen sind im europäischen Raum zu Hause. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, auf Unbekannte zu treffen, gering. Spass bereitet es auf jeden Fall die vielen Bekannten mitten in der Stadt, an diesem Fleck zu treffen.

Nelkenwurze und weisser Beinwell haben sich zu einem interessantem Arrangement zusammengefunden.
Santolina, Lavendel und Goldlack bilden eine dekorative Kombi vor dem Kreuzgang.

Mit Tulpen hatte ich gerechnet. Von Heilkräutern wurde ich überrascht. Ursprünglich galt mein Besuch dem Pandhof der Domkerk. Es war das Wochenende des Koningsdag. Der Kreuzgang des Doms war geschlossen. Völlig unvorbereitet stiess ich auf diese wunderschöne grüne Oase mitten in Utrecht. Wunderbar, dass an diesem Platz den Heilkräutern und -pflanzen so viel Raum gegeben wird. Auch ohne Pflücken und Zubereiten verbreiten sie ihre heilenden Wirkungen. Ein wenig Ruhe und Gemütlichkeit kann soviel verändern!

Dem Meisterwurz ist alles schnurz. Nur wächst er hier der Meisterwurz im wunderschönen Utrecht.
Dem Rosmarien ist noch nicht alles grün im Wonnemonat Mai. Da ist alles noch nicht vorbei.

Anfahrt und Information:

Öffentlich zugänglicher Garten mit Bänken und Stühlen zum Verweilen.

https://pandhofsintemarie.nl

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