Sommerlinden blühen rund zwei Wochen vor den Winterlinden. Ihre Blätter sind rundlicher und heller im Grün.

So duftet der Sommer!

Ende der neunziger Jahre wollte uns eine Eismarke weismachen, wie der Sommer schmeckt. Ihr eingängiger Slogan prägte das Lebensgefühl einer ganzen Generation wie kein anderer. Mit den Zeiten ändern sich die Moden, die Bedürfnisse, Lebensstile und selbst die Produktpaletten der Eiscremehersteller. Was bleibt, ist der immerwährende Kreislauf der Natur. Am Ende eines jeden Frühlings, zum Übergang in den Sommer blühen die Linden und hüllen ganze Strassenzüge in ihr unvergleichlich honigsüsses Aroma. Spätestens die Nase merkt es dann: der Sommer ist da!

Traditionsmarke für Stadt und Land

Zu jeder Dorfgemeinschaft gehörte schon seit alters her eine Linde. Erst war es die Dorflinde, die Ansiedlungen oft die Mitte verlieh. Germanische Sagen berichten, dass die Linde Wodans Gemahlin Freya gewidmet sei. Dementsprechend versprachen sich die Menschen einen Schutzzauber von diesem Baum. Wodan als mächtige germanische Gottheit musste ihrer Auffassung nach dazu fähig sein. Verständlich, dass sie den Schutz von einer Linde ausgehend auch auf ihre Ansiedelungen ausgedehnt wissen wollten. Später begrünten die Städter mit den majestätischen Bäumen ganze Strassenzüge und Alleen. Sie holten sich Schatten und Frische in die Häuserschluchten und im Frühsommer den aromatischen Duft ihrer Blüten.

Ein kleiner feiner Unterschied

Sind es im Süden eher die Sommerlinden (Tilia platyphyllos), welche die Bestände prägen. Im Norden sind es eher die Winterlinden (Tilia cordata). Unterschiede zwischen beiden Arten finden sich hauptsächlich in Blättern und Holz. Das Holz der Sommerlinde ist heller fast weisslich. Die Färbung der Blattoberseiten bei den Winterlinden ist dunkelgrün und die Blätter sind kleiner als die der Sommerlinde. Beide Lindenarten blühen gleichermassen intensiv. Die Sommerlinde beginnt damit schon rund zwei Wochen früher.

Stress-Reliefer mit Propeller

Wieso sich die stresslösende Wirkung von Lindenblüten noch immer nicht im Bewusstsein festgesetzt hat, bleibt ein Rätsel. Vorrangig wird gedanklich Lindenblütentee mit Erkältungssymptomen in Verbindung gebracht. Dabei haben die Blüten eine ganz erstaunliche Wirkung auf das vegetative Nervensystem, wenn sie als Tee zubereitet eingenommen werden. Ganz klar scheint der Mechanismus nicht. Allerdings er wirkt!

Sammeln ist Arbeit

Das Selbersammeln ist relativ anstrengend und arbeitsintensiv. Die Bäume sollten unbedingt abseits von Strassen stehen und nicht im Zug von Industrieabgasen. In den meisten Fällen kann der Einsatz einer Leiter zielführend sein. Selbst die Blüten junger Bäume sind für Normalwüchsige schwer erreichbar. Das Trocknen erfordert ein wenig Geduld. Die Blüten trockenen schnell. Die Stile und hingegen die Blütenhüllblätter enthalten ein Harz, das die Feuchtigkeit schwerer schwinden lässt.

Erkältungsmittel mit Geschmack

Nase dicht und der Rachen kratzt? Das ist der ideale Moment für einen Lindenblütentee. Es muss sich nicht immer erst sich der Husten melden. Meist hilft das Ablindern erster Symptome, um das Ärgste abzuwehren. Lindenblütentee ist ein probates Mittel dafür. Sie wirken als ein sogenanntes Diaphoretikum – ein schweisstreibendes Mittel. Selbst wenn der gewünschte Schweissausbruch ausbleibt, wird das Immunsystem angeregt und auf diesem Wege eine allgemeine Abwehrsteigerung erzielt. Wer kennt nicht das Vollbad bei Erkältungssymptomen? Der durchwärmende und entspannende Effekt kann mit Lindenblütentee auch erzielt werden. Daher empfahl schon Kräuterpfarrer Kneipp die Lindenblüten als festen Bestandteil für jede gut geführte Hausapotheke.

Abgeblühte Lindenblüten vor einer Fachwerkfassade in Goslar.

Mehr Wissenswertes zur Linde gibt es hier …

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