Ein Geisen-oder Bacchuskopf ist in die hölzerne Tür der Basilika zu Assisi geschnitzt.

Etwas gegen Kopfweh!

Kopfschmerzen beeinträchtigen unsere Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit

Beinahe wäre die Meldung des RKI zu Kopfschmerzen im allgemeinen medialen Rummel zur die Covid-Pandemie im September diesen Jahres untergegangen. Man könnte fast meinen, sie sei keiner Rede wert. Dennoch, betrifft das Thema Kopfschmerzen etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung und fast jeder kennt sie. Nur die wenigsten gehen wegen deshalb zum Arzt. Der schnelle Griff zur Tablette ist wohl die gebräuchlichste Lösung. Dass es sich dabei nicht immer um die beste Alternative handeln muss, stellt sich bei Unwirksamkeit oder Verschlimmerung der Schmerzen heraus.

Häufigste Kopfschmerzerkrankungen sind Migräne und Spannungskopfschmerz.

Von Zeit zu Zeit kursieren die immer wieder aufgewärmten Scherze und Witze über angebliche Frauenkopfschmerzen an Männerstammtischen oder ähnlichen Konversationsrunden. Tatsächlich leiden mehr Frauen als Männer unter Kopfschmerzen, obwohl beide Geschlechter davon betroffen sind. Es sind 14,8 % der Frauen und 6,0 % der Männer die unter Migräne leiden. Beim Spannungskopfschmerz sind es 10,3 % der Frauen und 6,5 % der Männer, die davon betroffen sind.

Bertram oder Mutterkraut als Mittel zur Vorbeugung von Migräne

In den ärztlichen Leitlinien zur Behandlung von Kopfschmerzen sind Zubereitungen aus Heilpflanzen und -kräutern nach wie vor nicht vorgesehen. Dennoch scheint es eine pflanzliche Alternative zur vorbeugenden Behandlung von Migräne zu geben: das Mutterkraut (Tanacetum parthenium). Die in den Blättern des Mutterkrauts enthaltenen Parthenolide hemmen entzündungsauslösende Botenstoffe, die wahrscheinlich ein auslösender Faktor für Migräneanfälle sind. Für eine wirkungsvolle Prophylaxe ist allerdings die mehrwöchige Einnahme von Mutterkraut-Präparaten erforderlich.

Sonnenbeschienenes Mutterkraut im Klostergarten von Neuzelle.

Viele Betroffene greifen zur Selbstmedikation. Die am häufigsten gegen Kopfschmerzen eingenommenen Präparate sind Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure. Nur ein relativ geringer Teil der Betroffenen (cirka jeder 5.) verzichtet auf gänzlich auf Medikamente.

Kopfschmerzen durch übermässigen Medikamentengebrauch

Interessanterweise gehen die Autoren der RKI-Studie zum Kopfschmerz auch auf die übermässige Einnahme von Schmerzmedikamenten ein. Eine Überdosierung oder ein unnötig langfristiger Gebrauch von Schmerzmedikamenten kann die Kopfschmerzen verstärken oder sogar auslösen. Die ermittelten rund 2%, welche für eine übermässigen Gebrauch stehen, erscheinen gering. Jedoch ist das Phänomen offenbar keine Seltenheit.

Vielleicht schaffen Kräuter die Erleichterung

Der einfachste Weg Giftstoffe loszuwerden ist eine sogenannte „Spültherapie“. Die Ausscheidung über die Nieren wird dabei angeregt. Mit einem vermehrten Harnfluss können wir sie auf einfachem Wege loswerden. Übrigens, jede Frühjahrskur basiert auf Kräutern die harntreibend wirken. Sicherlich ist das kein Allheilmittel! Allerdings ein Versuch, gegen hartnäckige Kopfschmerzen mit den Kräften der Heilpflanzen und -kräuter anzugehen, hat durchaus seine Berechtigung.

Eine Tasse heissen Zitronenverbenentees entspannt, unterstützt die Erholung und fördert so auf genüssliche Art das Wohlbefinden.

Kräutertee gegen Kopfschmerz

  • Acker-Schachtelhalm
  • Weisse Taubnessel
  • Brennnessel

Ein besonders originelles Rezept gegen Kopfschmerzen findet sich im ‚Lǣcebōc‘ einem frühmittelalterlichen altenglischen Medizinbuch. Ob diese Kur tatsächliche wirkte, und bei wem sie angewendet wurde, ist nicht übermittelt. Im Rahmen seiner Dissertation übersetzte Mag. phil. Felix Hausleitner das Werk in die deutsche Sprache und ermöglicht interessante Einblicke in die Heilkunde des mittelalterlichen Englands.

„Gegen Kopfschmerzen nimm den unteren Teil der Hauswurz, zerstoße, lege in kaltes Wasser, zerreibe gut bis alles schaumig ist; bade damit den Kopf.“

Das altenglische Lǣcebōc; FELIX HAUSLEITNER

Linderung bei Spannungskopfschmerz mit Baldrian

Spannungskopfschmerzen können auch mit Extrakten der Baldrianwurzel  (Valerianae radix) behandelt werden. Von einer sofortigen Wirkung kann allerdings nicht ausgegangen werden. In der vorliegenden Studie wurden bei einer vierwöchigen Einnahme von Baldrian-Wurzel-Extrakten eine wesentliche Reduktion des Schmerzes und damit verbundene Verbesserung der Leistungsfähigkeit beobachtet. Vermutlich ist die Wirkung des Baldrians an die Entstehung des Spannungskopfschmerzes gekoppelt. Spannungskopfschmerzen treten meist bei enormen psychischen Belastungen auf. Möglicherweise war es die beruhigende Wirkung des Baldrians, die eine verbesserte Verarbeitung der seelischen Beanspruchung ermöglichte.

Baldrianwurzeln schaffen Ruhe.
Quellen:

Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland, Journal of Health Monitoring · 2020 5(S6) DOI 10.25646/6988; Robert Koch-Institut, Berlin

Das altenglische Lǣcebōc I und II: Textausgabe, Übersetzung, Kommentar; Felix Hausleitner, Karl-Franzens-Universität Graz, Dissertation, 2019

Azizi H, Shojaii A, Hashem-Dabaghian F, Noras MR, Boroumand AR, Ebadolahzadeh Haghani B, Ghods R. Effect of Valeriana officinalis (Valerian) on tension-type headache: A randomized, placebo-controlled, double- blind clinical trial. Avicenna J Phytomed, 2020; 10(3): 297-304. DOI 10.22038/AJP.2019.14211

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