Zarten Blüten reihen sich zu einem filigranen Meisterstück der Natur im Mädesüss

Dieser Sommer wird Mädesüss

Im heissen Sommerwind über feuchten und sumpfigen Wiesen wiegen sich die weissen doldigen Blütenstände des Echten Mädesüss (Filipendula ulmaria). Aus der Ferne ist der Anblick der leuchtendweissen Blütenbüschel recht unprätentiös. Hinknien und genaues Betrachten der Blütenstände sind lohnenswert. Rein wissenschaftlich handelt es sich um trugdoldige Blütenstände. Sie sind wahre Prachtstücke der Natur. Filigrane fünfblättrige Blütensternchen reihen sich aneinander und bilden zierlich duftende Formengebilde, die an Wolken erinnern. Sammelnswert sind die einen honigartigen Duft verströmenden Blüten des Echten Mädesüss (Filipendulae ulmaria flos). Nach ihrer Blütezeit sind die abwärts des rötlichen holzigen Stengels wechselständig angeordneten dunkelgrünen Fiederblättchen (Filipendulae ulmaria herba) interessant.

Ran an die Schere

Wer sich mit einem Körbchen und Schere bewaffnet, hat beim Sammeln von Mädesüss-Blüten gute Karten. Die Stengel sind holzig und beim Abreissen droht meist die Beschädigung der Pflanze und des Sammelguts. Auch wenn die Wiese voll steht, verdienen jedes Blümlein, jeder Zweig und Strauch unseren Respekt. Sammler, die das berücksichtigen, haben definitiv mehr Freude beim Kräutersammeln und sie sichern sich auch zukünftigen Sammelerfolg am Standort der jeweiligen Pflanzen. In einem Körbchen lassen sich die Blüten luftig ohne Zusammenquetschen lagern. So bleiben sie weiss und aromatisch, bis sie auf einer sauberen trockenen Unterlage, die zudem saugfähig ist, ausgebreitet werden. Die Trocknung sollte in der Regel rasch erfolgen. Die zarten Blüten sollen auf keinen Fall stocken. Wer mag, kann die Trocknung auf dem Gitter eines offenen Backofens forcieren. Wenn die Blüten sich mühelos zwischen den Fingern zerbröseln lassen, können sie in luftdichte Gläser oder andere Gefässe abgefüllt werden.

Ein guter Vorrat für den Erkältungswinter

Im dunklen Schrank verwahrt sind die getrockneten Blüten oder Blätter einsatzbereit, wenn sich die ersten Symptome von Erkältungen inklusive der gefürchteten Männergrippe zeigen. Mühelos lässt sich aus ihnen durch Übergiessen mit heissem Wasser ein wirklich leckerer Kräutertee zubereiten. Ein Mädesüss-Tee ist nicht einfach ein Kräutertee! Bereits die Alten wussten um seine lindernde Wirkung bei Fieber und Gliederschmerzen. Seine Wirkung wird zugleich als schweisstreibend beschrieben. Dass Teezubereitungen aus Mädesüss als Erste Hilfe bei Erkältungen tatsächlich helfen, liegt an den Inhaltsstoffen der Pflanzenteile. 

Bekömmlicher als eine Kopfschmerztablette

Im südlichen Sprachraum wird das Mädesüss oftmals auch als Geissripp, Spierblume oder Spierstrauch bezeichnet. Es waren die Pflanzenteile des Spierstrauches, aus denen im Jahre 1853 der deutsche Chemiker Carl Jacob Löwig erstmalig die Salicylsäure isolierte. Das ist die Vorstufe zur Acetylsalicilsäure, dem heute allgebräuchlichen Aspirin. Salicylsäure findet sich auch in anderen Pflanzen. Am bekanntesten ist die fiebersenkende und schmerzstillende Wirkung von Weidenrinde (Salicis cortex), die dem selben Inhaltsstoff der Salicylsäure zuzuschreiben ist. Wesentlich bekömmlicher und schmackhafter sind Zubereitungen aus Mädesüss. Die bessere Verträglichkeit von Mädesüss im Vergleich zur Weide wird mit der Zugehörigkeit zu den Rosengewächsen erklärt.


Quellen:

Prentner, Angelika: Heilpflanzen in der Traditionellen Europäischen Medizin, Springer-Verlag GmbH, Berlin 2017

Fischer, W. K.: Welche Heilpflanze ist das? Franck-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2005

Hänsel, R., Sticher, O.: Pharmakognosie Phytopharmazie, 9. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010

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