Buchcover: Heilsame Schöpfung - die natürliche Wirkkraft der Dinge: Physica; Hildegard von Bingen

Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur: Physica

Band V der Werksausgabe Hildegard von Bingen

Vorstellung der vollständigen und neuen Übersetzung von Ortrun Riha

Es gibt Bücher, die lösen beim Erwerb Jubel aus. Die Ausgabe der Physica in der Ausgabe des Beuroner Kunstverlages gehört dazu. Ortrun Riha hat mit der Neuübersetzung ein Werk geschaffen, das sowohl Laien als auch mit der Materie Vertrauten einen gut verständlichen Zugang zu Hildegards Schriften ermöglicht. Hilfreich und wegweisend für das Verständnis der Texte und der Heillehre ist die ausführliche Einleitung. Sie stellt darin einen wissenschaftlichen und historischen Bezug her, der es erlaubt, die Texte im Kontext heutigen Wissens zu sehen. Das verhilft zu einer differenzierten Betrachtung der Botschaften und Beschreibungen von Pflanzen, Kräutern, Elementen und Tieren.

Die Ausgabe bietet eine gute Arbeitsgrundlage im Bereich Heilpflanzen im Vergleich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und traditionellem Wissen. Es gibt einen Überblick zu den maßgeblichen Krankheitsbildern zu ihrer Zeit. Beim Lesen wird deutlich, wie sehr Gesundheit ein wertvolles Gut ist, dass gerade auch in vergangenen Zeiten die wirtschaftliche Grundlage für das Überleben sichert.

Unklar bleibt, inwiefern Hildegards Wissen auf Selbsterfahrung, Katalogisieren und Systematisierung damaligen vorhandenen Wissens oder Weiterreichen von Gehörtem und Gelesenen basiert. Einerseits scheint es sich bei der Beschreibung der Heilkräuter um die Erfassung des vorhandenen Wissensschatzes auch aus der Volksmedizin zu handeln. Andererseits handelt es sich bei zahlreichen Darstellungen, um Luxusgüter sowie definitiv nicht vorhandene und erfahrbare Objekte, wie z.B. Drachen und Einhörner. Spürbar ist die schon damals vorhandene Abkoppelung von Wissenseliten vom einfachen Volk. Im Ergebnis sind das verfälschte Informationen und Ableitungen. Sichtbar wird dies bei den Ernährungsgewohnheiten und der Fortpflanzung von Fischen. Wissen, mit dem Fischer schon von alters her als Lebensgrundlage betraut und bewandert gewesen sind.

Beim Lesen erschließt sich Hildegards Verständnis einer Heilkunde, die nicht allein zum Kurieren von Krankheiten, sondern auch der Vorsorge, Begleitung und Linderung des nicht Vermeidbaren dient. Interessant erscheinen in diesem Zusammenhang die Ausführungen zur Verwendung von Amuletten. Nicht allein die Verabreichung von Arzneien sind für den Patienten wichtig, sondern auch der Bezug zum seelischen Zustand.

Das Buch ist als Nachschlagewerk gedacht., Ein umfangreiches und sorgfältig gepflegtes Register im Anhang, mit dem Verzeichnis der Nutzanwendungen und Arzneimittel, gestattet ein gutes Arbeiten. Fußnoten weisen auf Differenzen zu anderen Übersetzungen, Unklarheiten bei der Zuordnung hin.

Die Autorin ist Ärztin, Kunsthistorikerin und Germanistin. Aus dieser interessanten Kombination von Erfahrung und Wissen hat sie die gelungene Neuübersetzung erarbeitet. Es ist nicht verwunderlich, dass die Herausgeberinnen die Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard in Eibingen sind. Die handliche Ausgabe als Paperback verfügt über eingefaltete Umschlagseiten. Diese lassen sich gut als Lesezeichen verwenden.

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