Die Früchte des bittersüssen Nachtschattens können die Familienzughörigkeit zu Solanum nicht leugnen.
|

Bittersüsser Nachtschatten – ein Giftzwerg

Bittersüsser Nachtschatten (Solanum dulcamara L.)

Eins sei vorangestellt: auch wenn die Pflanzenbezeichnung mit „bittersüss“ beginnt, ist der Nachtschatten nicht zum Verzehr geeignet. Der Bittersüsse Nachtschatten (Solanum dulcamara L.) ist giftig! Die wie kleine Minitomaten aussehenden Früchte wirken zwar appetitlich, aber die giftigen Steroidalkaloide bewirken ihre Unbekömmlichkeit.

Auf dem Balkan kennt man den Nachtschatten als wundertätige Pflanze. Mythologische Wesen, die Krankheiten bringen, lassen sich mit Nachtschatten beschwören, so die Überlieferung.

Für die Herstellung von Arzneien werden die Stengel der Pflanze (Solani dulcamarae stipites) genutzt. Aus ihnen werden standardisierte Extrakte hergestellt. Die Stengel des Bittersüssen Nachtschattens können auch abgekocht und auch in Form eines Sudes verarbeitet werden. Die Zubereitungen aus Bittersüssen Nachtschatten werden durch Zerkleinern der Stängel von zwei- bis dreijährigen Pflanzen gewonnen. Die geeigneten Pflanzenteile werden im Frühjahr vor der Blattentwicklung oder im Spätherbst nach dem Abfallen der Blätter geerntet.

Pflanzliche Arzneimittel, die zerkleinerte Nachtschattengewächse enthalten, sind in der Regel zum Einweichen in Wasser (Aufguss oder Abkochung) erhältlich, um eine Flüssigkeit zum Auftragen auf die Haut herzustellen.

Pflanzliche Hilfe bei Ekzemen

Zubereitungen aus den Stengeln des Bitttersüssen Nachtschattens (Solani dulcamarae L. stipites) dürfen nur äusserlich angewendet werden! Sie werden auf die Haut aufgetragen. um eine Linderung der Symptome bei Ekzemen, wie Rötungen und juckender Ausschalg, zu erreichen. Die Stengel des Bittersüssen Nachtschattens sind anerkannt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von leichten, wiederkehrenden (chronischen) Ekzemen.

Die von der EMA/HMPC herausgegebene Monografie für den Bittersüssen Nachtschatten können Sie hier nachlesen: Monografie Solani dulcamarae L.

Inhaltsstoffe:

Steroidalkaloidglykoside, Steroidsaponine,

Wirkung:

entzündungshemmend, immunsuppressiv, juckreizmildernd

Gegenanzeigen:

Nachtschattengewächse sollten nur bei Erwachsenen angewendet werden.

Sollten die Symptome länger als zwei Wochen anhalten, ist die Konsultation eines Arztes erforderlich.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Myrrhe – Die Aromatherapeutin

    Myrrhe (Myrrha) Kein pflanzliches Heilmittel ist so viel besungen und beschrieben worden, wie die Myrrhe. Im Verhältnis zu ihrer Bekanntheit wird hingegen das wohlduftende Harz der Myrrhe in der Heilkunde relativ selten angewendet. Mit Gold aufgewogen wurde einst das Gummiharz der Myrrhe. Es war ein Luxusgut. Heute zahlt man dafür keine horrenden Summen mehr. Für…

  • Heilpflanze des Jahres 2021: Meerrettich – Armoracia rusticana

    Wenn Hildegard von Bingen den Meerrettich für eine ihrer Rezepturen empfahl, meinte sie jedoch das grüne Blattwerk und nicht die Wurzeln. Wenn sie damals doch geahnt hätte, welches Potenzial tatsächlich in den dicken Stammwurzeln steckt. Die scharfe Wurzel der vielen Möglichkeiten Die Zauberstoffe des Meerrettichs heissen Isothiocyanate oder auch Senföle. Sie bilden sich bei Verletzungen…

  • |

    Angelika – die Engelhafte

    Angelika (Angelica archangelica) Die Heilkräuterexperten sind sich beim Echten Engelwurz relativ einig. Die Wurzeln der engelhaften Angelika verdienen in allererster Linie Würdigung wegen ihrer Bitterstoffe. Gerne wird um die pharmakologische Zuordnung des Engelwurz‘ gestritten. Ursprünglich konzentrierte sich das Interesse an der Heilwirkung dieser hochwachsenden Pflanze auf die ätherischen Öle. Zunehmend geraten die Bitterstoffe in den…

  • Heilpflanze des Jahres 2026: Nachtkerze – Oenothera biennis

    Bis zur Blüte der Heilpflanze des Jahres 2026 müssen wir uns noch ein paar Monate gedulden. Erst in den Sommermonaten Juni bis September zeigen die Nachtkerzen (Oenothera biennis) in den Abendstunden ihre eindrücklich leuchtend gelben Blüten. Einst wurde sie als Zierpflanze aus nordamerikanischen Gefilden nach Europa gebracht. Mittelweile hat sie sich ausgewildert und fühlt sich…

  • |

    Hirtentäschel – der Blutstiller

    Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) Kinder lernen den Namen des kleinen Wildkrautes als eines der ersten. Typisches und eindeutiges Erkennungsmerkmal sind die Fruchtschoten, die gegenseitig von den dünnen Stengeln abzweigen. Ihre Form erinnert an Herzen, die an der Spitze befestigt sind. Auch die lateinische Bezeichnung der Pflanze leitet sich von der Form der Fruchtstände ab. Bursa pastoris…

  • |

    Bockshornklee – heilende Samen

    Bockshornklee-Samen (Trigonella foenum- graecum L., semen)  Den Bockshornklee mit seinen aromatischen Samen schätzte der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp als eines der besten Heilmittel. Die zu Pulver zermahlenen Früchte empfahl er zur inneren Anwendung bei Fieber und äusserlich bei entzündlichen Hautläsionen. Als Fiebermittel kannte ihn bereits die heilkundige Hildegard von Bingen. Schon wesentlich früher besprach Dioskurides in seinem…