Gewürze zum Wohlfühlen

Legendär sind die Gewürzgeschäfte im belebten Quartier Chapitre von Marseille.

Mit der kalten Jahreszeit ändern sich die Ernährungsgewohnheiten. Frische Salate werden abgelöst von deftigen Kohl- oder Rübengerichten. Die Mahlzeiten müssen sättigen und wärmen. Der Mangel an Sonnenlicht erzeugt neben Vitamin-D-Mangel eine gedrückte Stimmung. Süssigkeiten, Gebäcke und andere Naschereien sollen das Gemüt erhellen. Eine gesunde Ernährung gerät da schnell aus den Fugen. Mit vielen gebräuchlichen Gewürzen können wir gegensteuern und unser seelisches und körperliches Wohlbefinden fördern. Manchmal sind es kleine Kniffe oder Tricks oder auch einfach das passende Gewürz.


Zimt

Zimt ist die Rinde von den in Indien, China und Ceylon beheimateten Zimtbäumen (Cinnamomum verum). Zur Ernte wird sie vom Stamm abgeschält.


Die Zimtrinde zählt zu den wärmenden Gewürzen. Gerade deshalb ist sie ein beliebtes Gewürz für Gebäck, Tees und Leckeres während der kalten Jahreszeit. Ihre Wirkung wird auch als stimmungsaufhellend beschrieben. Bereits Dioskurides verwies darauf, dass es vom Zimt mehrere Sorten gibt und diese nach dem Ursprungsland unterschieden werden. Daneben erwähnte er noch weitere, deren Qualität aber nicht überzeugend sei. Er gab dem Ceylon-Zimt den Vorrang vor dem Cassia-Zimt. Er schätzte am Zimt als Heilmittel seine erwärmende, harntreibende, erweichende, die Verdauung befördernde Kraft. Dass Zimt heiss sei und über starke Kräfte verfüge, schrieb Hildegard von Bingen in ihrer ‚Physica‘. Zur Stärkung des Gehirns empfahl ihn der mittelalterliche Arzt Matthaeus Platearius aus Salerno. Am besten testen lässt sich das mit weihnachtlichen Zimtsternen.


Nelken

Gewürznelken sind die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaumes (Syzygium aromaticum). Beheimatet sind diese Gewächse auf den zu Indonesien gehörenden Molukken-Inseln.


Gewürznelken sind nicht nur natürliche „pain killer“ in der Zahnheilkunde. Werden sie als Gewürz eingesetzt, werden ihnen beruhigende und ausgleichende Wirkungen nachgesagt. Sie waren im 18. Jahrhundert so begehrt, dass Gewürznelkenbäume geschmuggelt wurden, um sie auch anderswo anbauen zu können. Ihr charakteristisches Aroma verleiht ihnen das Eugenol. Die Bezeichnung des ätherischen Öls soll vom ursprünglichen Gattungsnamen des Gewürznelkenbaumes abgeleitet worden sein. Der Florentiner Botaniker Pier Antonio Micheli würdigte den Gewürznelkenbaum zu Ehren von Prinz Eugen mit dem Gattungsnamen Eugenia.

Laut Hildegard von Bingen soll die Gewürznelke über eine süsse Feuchtigkeit verfügen und sehr heiss sein. Beliebt ist die Gewürznelke im Rotkraut, im Glühwein, im Punsch und bei Wildgerichten.


Anis

Sternanis (Illicium verum) ist nicht verwandt mit den heimischen Anisarten. Er wächst auf Bäumen im südlichen China bis zum nördlichen Vietnam.


Die Anissterne geben ein süssliches Aroma, das entspannend wirkt. Ihre ätherischen Öle entwickeln bei der Verdauung eine krampflösende Wirkung. Sein Geschmack wird als lackritzartig, süsslich charakterisiert. Ein Stern im Teeglas ergibt nicht nur ein unvergleichliches Aroma sondern auch ein wunderschönes optisches Erlebnis.


Kardamom

„Das beste Kardamomon wird aus Komagene, aus Arabien und vom Bosporus bezogen; es wächst in Indien und Arabien.“ (Dioskurides)


Kardamomkerne werden gerne als pflanzliches Aphrodisiakum gehandelt. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb es eines der Lebkuchengewürze ist. Daneben soll es eine stimmungsaufhellende Wirkung haben. Die grünen Kapselfrüchte stammen von einer mit dem Ingwer verwandten Pflanze. Ihr Aroma ist würzig scharf, was durch Anrösten abgemildert werden kann. Dioskurides beschreibt in seinem ‚De materia medica‘ die erwärmende Kraft des Kardamoms. Lebkuchen und Spekulatius kommen ohne dieses Gewürz nicht aus.


Kurkuma

Kurkuma alias Zitwer alias Safranwurzel stammt aus Nordindien und gehört zu den Ingwergewächsen.


Die Ärzte von Salerno sahen im Kurkuma oder Zitwer in aller erster Linie ein Erkältungsmittel, was gegen Husten hilft. Ebenso wie Hildegard von Bingen empfahlen sie ihn im Falle einer Magenverstimmung. Alle waren sich darin einig, dass er eine mässige Hitze habe. Die Inhaltsstoffe Cineol und Zingiberen bestimmen den aromatischen Geschmack des Kurkumas, welcher Appetit und Verdauung stimuliert. Heute ist Kurkuma in aller erster Linie eines der wichtigen Gewürze im Currypulver. Für wärmende und sättigende Speisen ist Kurkuma ein beliebtes Gewürz in der asiatisch geprägten Küche.


Ingwerknollen sind die Geschwister des Galgant. Aus der asiatischen Küche sind sie nicht wegzudenken.

Ingwer

Ingwer ist die Wurzel einer schilfartig wachsenden Pflanze (Zingiber officinale) aus dem ostasiatischen Raum.


Die klare Schärfe der Ingwerwurzel regt den Speichelfluss und die Durchblutung an. Auf die Wärmerezeptoren der Mundschleimhaut entfalten die ätherischen Öle eine erregende und belebende Wirkung. Bereits die salernischen Heilgelehrten kannten seine schmerzstillenden Eigenschaften. Als heiss beschrieb den Ingwer die Bingener Äbtissin Hildegard und verband damit eine ganze Reihe von Indikationen zu seiner Verwendung als Heilmittel. Das reichte von Augen, über Magen bis hin zur Haut.

Ingwer prägt und krönt die englische Küche bis zum heutigen Tag mit Ingwerkeksen, Marmeladen, dem heissen Ingwerbier und dem für Drinks unentbehrlichen Ginger Ale.

Die Prämonstratensermönche der belgischen Abdij Postel vermarkten erfolgreich ihren Ingwer aus eigener Zucht. Sie sind darin sehr ernsthaft und professionell, ohne sich dabei in ihrer gewohnten Ruhe stören zu lassen.


Muskat

Ursprünglich wurden Muskatblüten als Würzmittel verwendet, was nichts weiter als die Ummantelung der heute gebräuchlichen Samenkerne – der Muskatnuss ist.


Der lateinische Begriff für die Muskatnuss Nux muscata soll angeblich eine Anspielung auf das Aroma einer ‚nach Moschus duftende Nuss‘ sein. Daher wird sie gerne als ein aphrodisierendes Gewürz gehandelt. Tatsächlich enthalten die Nüsse Phenylpropanderivate, die in höheren Dosen von 1-3 Muskatnüssen (5-15 g Pulver) zu psychischen und körperlichen Symptomen, die bis zu intensiven Halluzinationen führen können.

Über die Muskatnuss schrieb Hildegard von Bingen, dass sie Wärme spendet, dem Menschen das Herz öffnet und seine Sinne reinigt.

Muskatnüsse seinen erwärmend und trocknend im zweiten Grad, notierten die Gelehrten von Salerno in ihrem ‚Circa instans‘ über die Nüsse des Muskatbaumes. In aller erster Linie würdigten sie die Muskatnuss als Würze für Speisen und leiten daraus ihre stärkende Wirkung ab. Sie gelten noch immer als edles Gewürz, was sich auch in den Preisen niederschlägt. Aus Gründen der Convinience gibt es auch zu Pulver gemahlene Muskatnüsse. Das beste Aroma erzielt allerdings immer noch das Reiben getrockneter Muskatnüsse mit einer scharfen Reibe.