Zirbelkiefern, im Schweizerischen Arven genannt, bevorzugen Höhenlagen ab 1300 Metern Seehöhe.
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Zirbelkiefer – ein Traumfänger?

Zirbelkiefer (Pinus cembra)

Wenn die Zirbelkiefer eine anerkannte Heilpflanze wäre, würden sich die Menschen in Österreich und Tirol im Himmel wähnen. Dann hätten sie es schon immer gewusst. Wenn der Schlucken Zirbel-Schnaps über die Zunge rinnt und ein wohliges Feuer im Innern entfacht. Ja, dann könnten wir alle ganz beruhigt auf die Gesundheit trinken. Die schönen Holztäfelungen in den gemütlichen Bauernstuben wären der Grund für ein langes glückliches Leben. Viele süsse Träume in einem angenehm das Zirben-Aroma verströmenden Bett, hätten dann einen tiefen wissenschaftlichen Grund.

Forscher mit Brett vorm Kopf

Diesen Nachweis versuchten einige namhafte österreichische Ärzte. Sie veröffentlichten dazu eine Studie, welche einer ernsthaften Diskussion nicht im Mindesten standhält.[1] Ihr Niveau übersteigt nicht das einer McKinsey-Präsentation. Bestechenderweise manifestiert sie lediglich festen Glauben und die Meinung ihrer Verfasser. Zu Recht stehen das Studiendesign und die geringe Anzahl von Probanden im Mittelpunkt der Kritik.[2] Auffällig und zugleich merkwürdig daran ist, dass die unterschiedlichen Schlafphasen nicht ausgewertet wurden und in den veröffentlichten Ergebnissen nicht ausgewiesen sind. Lediglich ein Zeitstrahl suggeriert dem Betrachter eine vermutete Schlafphase. In guter alter Manier des ‚Felix Austria‘ verbürgen lediglich Titel und Namen der Verfasser für die Glaubwürdigkeit der Studie, wenn auch die Fakten dagegen sprechen. 

Nüsse und das Holz

Mit der oben erwähnten Studie haben die Autoren den Zirbelkiefern einen Bärendienst erwiesen. Dabei bilden die alpinen Standorte von Zirben, oder auch Zirbeln gar nicht den idealen Lebensraum für Bären. Unterhalb von 1.500 Höhenmetern sind die beeindruckenden Bäume kaum zu finden. Jenseits der 2.300 Meter sind die immergrünen Zirbenbestände rar. Beliebt ist ihr duftendes Holz für Möbel und Inneneinrichtugen. Die begehrten Zapfen, auch Zirbelnüsse genannt, unterscheiden sich in Farbe und Geschlecht. Ob die hellen oder die dunklen Zirbenzapfen die Besseren für die Schnapsherstellung sind, darüber entscheidet letztendlich der Geschmack. 

Zirbelnüsse werden die Fraucht- und Blütenstände der Zirbelkiefer genannt.

Als Zirbelnüsse werden die Zapfen der Zirbenkiefern bezeichnet.

Betten zum Träumen

Ganz von der Hand zu weisen ist der Gedanke allerdings nicht, dass es sich in einem Bett aus Zirbenholz besser schläft als in Betten aus anderen Materialen. Meist sind sie formschön in Handarbeit gefertigt. Dass das Ambiente einen grossen Einfluss auf unser persönliches Wohlbefinden und den Schlaf hat, ist unbestritten. Wer schon einmal in einer mit Zirbenholz getäfelten Stube gesessen hat, wird sich sicherlich nicht mehr an das Muster des Holzes erinnern, aber wahrscheinlich hat es sich wohnlich und heimelig angefühlt. Hinzu kommt der unverwechselbare angenehme Geruch des Zirbenholzes – ausgleichend und stresslösend in der Aromatherapie.

Mehr als dünne Bretter

Im Holz der Zirben selber stecken Inhaltsstoffe, die erklären könnten, wieso das Zirbenholz immer schon als ein gesundheitsfördernder Rohstoff betrachtet wurde. Pharmakologisch besonders interessant ist das Terpenoid Pinosylvin. Forschungsarbeiten zeigten, dass Pinosylvin antimikrobielle, entzündungshemmende, antioxidative und antiallergische Eigenschaften besitzt und im Laborversuch die wichtigsten Signalwege bei Nasopharynxkrebs, Prostatakrebs, Fibrosarkom, Kolorektalkrebs und Mundhöhlenkrebs mit unterschiedlichen Zielorten blockierte und hemmte.[3] Ebenso antibiotisch wirksam ist das Pinocembrin, was sich unter anderem auch im Honig und Propolis findet. Ein alter Bekannter ist das α-Pinen mit der unbestrittenen Wirkung als schleimtreibendes Expektorans bei Atemwegserkrankungen. Das auch sich in Baldrianwurzeln findende Bornylacetat wirkt bekanntlich beruhigend und entspannend. Inwiefern sich aus den Inhaltsstoffen tatsächlich Wirkungen des verarbeiteten Zirbelholz auf den menschlichen Organismus auf den menschlichen Organismus ableiten lassen, wird sich hoffentlich in der Zukunft zeigen. Bis dahin bleibt das schlechte Gewissen beim Sammeln der Zirbelnüsse, denn der Baum wächst wild und ist schwierig in der Aufzucht. Mit den in Nüssen oder Zapfen eingelagerten Samen vermehren sich die Zirbelkiefern.

Inhaltsstoffe:

Pinosylvin, Pinocembrin, Shikimisäure, Abscisinsäure, Polyphenole, ätherische Öle, Monoterpene (α-Pinen, β-Pinen, Myrcen, Limonen, β-Phellandren, Camphen und Sabinen) Terpinene, Sesquiterpenlactone, Bornylacetat

Wirkung:

harmonisierend, ausgleichend

Ein typischer Baum Tirols an der Baumgrenze ist die Zirbelkiefer. Ihre Zapfen sind begehrt für den Schnaps. Das Holz gilt als beruhigendes Ausgangsmaterial für eine Schlafstatt.
Aus dem Zirbenwald
Quellen:

[1] Grote, V.; Frühwirth, M.; Lackner, H.K.; Goswami, N.; Köstenberger, M.; Likar, R.; Moser, M. Cardiorespiratory Interaction and Autonomic Sleep Quality Improve during Sleep in Beds Made from Pinus cembra (Stone Pine) Solid Wood. Int. J. Environ. Res. Public Health 2021, 18, 9749. https://doi.org/10.3390/ijerph18189749

[2] https://medizin-transparent.at/zirbenholz-waldgeruch-als-schlafhilfe/; 20.12.2022

[3] Bakrim, S.; Machate, H.; Benali, T.; Sahib, N.; Jaouadi, I.; Omari, N.E.; Aboulaghras, S.; Bangar, S.P.; Lorenzo, J.M.; Zengin, G.; Montesano, D.; Gallo, M.; Bouyahya, A. Natural Sources and Pharmacological Properties of Pinosylvin. Plants 2022, 11, 1541. https://doi.org/10.3390/plants11121541

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