Weidenbüsche und Bäume
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Weide – schnellwüchsiger Schattenspender

Weide (Salix)

Kaum ein Baum ist so prägend in unseren Kulturlandschaften wie die vielgestaltigen Weidenbäume (Salicaceae). Rund 30 einheimische Arten sollen es sein. Manche von ihnen werden bis zu 20-25 Meter hoch, vielfach begrenzen die eindrücklichen Bäume Wasserläufe, finden sich in Auwäldern in bester Gesellschaft oder begrenzen in Gestalt von Sträuchern Feldraine und Waldgebiete.

Aufgrund ihrer Biegsamkeit eigenen sich Weidenruten als ideales Flecht- und Bindewerk, für Flächeneingrenzungen, zum Korbmachen und Herstellen Geflechte aller Art. Ihre einprägsame Gestalt verdanken Kopfweiden dem Schnitt durch menschliche Hand. Es handelt sich meist um Silberweiden (Salix alba), deren Gehölz traditionell als Brennholz genutzt wurde.

Weidenrinde ist ein altbewährtes Schmerzmittel

Die Rinden junger Weidentriebe enthalten entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkstoffe. Es handelt sich dabei um das Salicin – dem Grundstoff der Acetylsalicylsäure. Besonders reich an den schmerzlindernden Inhaltsstoffen sind die Zweige der Purpurweide (Salix purpurea) und der Reifweide (Salix daphnoides). Zur Nutzung der Inhaltsstoffe werden die frischen oder trockenen Weidenrinden aufgekocht und der Sud getrunken. Das war in vergangenen Tagen der Job der Druiden, den dann später Kräuterfrauen und Heilkundige übernahmen. Bekannt ist die analgetische Wirkung von Weidenrinde bei Gelenk-, Kopf- und Rückenschmerzen.

Mit Rinden statt Tabletten mal eben die Welt retten

Bei der Weidenrinde als Schmerzstiller handelt es sich um ein anerkanntes pflanzliches Arzneimittel. Als (well-established-use) wurde die Anwendung von Weidenrinde zur kurzfristigen Behandlung von Rückenschmerzen eingestuft. Für die Anwendung zur Linderung von leichten Gelenkschmerzen, Fieber bei Erkältung und Kopfschmerzen reichte nur die Anerkennung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. In Frage kommende Spezies zur Drogengewinnung sind die Purpurweide (Salix purpurea), die Reifweide (Salix daphnoides) und die Bruch-Weide (Salix fragilis).

Alte knorrige Weiden an den holländischen Deichen von Kinderdijck.

Die Monografie des EMA/HMPC finden Sie zum Nachlesen hier:  Weidenrinde (Salicis cortex)

Wird das Salicin im Körper resorbiert, kann es über die Leber zur Salicylsäure verstoffwechselt werden. Die schmerzlindernde Wirkung wird über die Hemmung der Bildung von Prostaglandinen vermittelt, welche bei Entzündungsprozessen und am Schmerzgeschehen beteiligt sind.

Inhaltsstoffe:

Salicin, Salicortin, Tremulacin, Populin, Saligenin, Gerbstoffe, Gerbsäure, Glykosid

Wirkung: 

entzündungshemmend, schmerzstillend, fiebersenkend

Gegenanzeigen: 

Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder auf andere NSAIDs (z.B. vormaliges Auftreten von Angioödemen, Bronchial-Krampf oder chronischer Urtikaria als Reaktion auf Salicylate oder zu anderen NSAIDs), Asthma, aktive Magengeschwüre, im letzten Drittel einer Schwangerschaft, Unwohlsein mit schwerem Erbrechen, Schläfrigkeit oder Verlust des Bewusstseins nach einer viralen Infektion, schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen , Gerinnungs-Störungen oder  -Erkrankungen, Magen- und/oder Zwölffingerdarmgeschwür und Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, während der Stillperiode.

Nur unter ärztlicher Aufsicht sollte die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren erfolgen!

Die Verwendung von Weidenrinde sollte den Zeitraum von 4 Wochen nicht überschreiten.

Konsultieren Sie unbedingt einen Arzt, wenn:

akute Athritis vorliegt (keine geeignete Anwendung)

die Kopfschmerzen nach 1 Tag immer noch bestehen

das Fieber nach 3 Tagen nicht sinkt

die Rückenschmerzen nach 1 Woche noch immer bestehen und die Symptome sich innerhalb des Anwendungszeitraums nicht bessern

Alte geschichtsträchtige Weidenbäume an der Wismarer Bucht in strahlender Frühlingssonne und Ostseewind.

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