Akanthus wird auch die weiche Bärentatze oder auch der wahre Bärenklau genannt.
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Wahrer Bärenklau – der alte Wundheiler

Wahrer Bärenklau (Acanthus mollis)

Besser bekannt ist die in Gärten beliebte Schmuckpflanze unter dem Namen Weiche Bärentatze. Wieso sich der Name Bärenklau eingeprägt hat, lässt sich nicht nachvollziehen. Der hierzulande wohlbekannte und wegen der Hautreizungen verursachende gefürchtete Bärenklau (Heracleum) hat mit dem hier besprochenen Akanthusgewächs nichts gemein. Sicher ist, ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Mittelmeerraum. Bereits in den Aufzeichnungen des Diskourides wurde sie mit heilenden Kräften bei Wunden und Verrenkungen vermerkt. In vergangenen Zeiten gehörte die Wurzeln und Blätter des Wahren Bärenklaus zum Standardrepertoire jeder Apotheke. Bei Brandwunden und Geschwülsten wurde er zur Erweichung des Gewebes eingesetzt, wahrscheinlich um die Bildung von Narbengewebe zu reduzieren. Weitere Quellen beschreiben die Wirkung von Acanthus bei Erkrankungen der Atemwege, Beschwerden im Verdauungstrakt sowie bei Erkrankungen der Haut.

Akantus war während der vergangenen Jahrhunderte ein beliebter Wundheiler.

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ist die Weiche Bärentatze aus dem Fokus der Pflanzenmedizin verschwunden. Weder die ESCOP, noch die Kommission E oder die EMA/HMPC haben eine Monografie zum Wahren Bärenklau (Acanthus mollis) veröffentlicht.

Eine rätselhafte Pflanze in wundersamer Gestalt

Rätselhaft und spektakulär in ihrer Gestalt ist die wunderschöne Pflanze aus dem Mittelmeerraum nicht nur für Gärtner und Pflanzenliebhaber. Die Form der Blätter des Acanthus mollis inspirierten wohl Architekten vom Barock bis zum Klassizismus für schmückende Elemente an Säulen und für Stuckaturen.

Inhaltsstoffe:

Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Mineralien

Wirkung:

schmerzstillend, wundheilend, gewebserweichend

Fast schon graphische Gestaltungsprinzipien hat die Gestalt des wahren Bärenklaus, der Akanthus.

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