Mächtige Kastanien sind eindrucksvolle Bäume mit einer knorrigen und rissigen Rinde, in der heilende Stoffe stecken.

Auf Äusserlichkeiten achten!

Heilende Kräfte der Rosskastaninen-Rinde bestätigt

Wer denkt schon an die Rinde wenn es um die heilenden Kräfte der Kastanien und der Rosskastanien (Aesculus hippocastanum L.) im Besonderen geht? Nicht nur bei Kindern erlangen die aufgeplatzten Kastanienfrüchte im Herbst volle Aufmerksamkeit. Auch für Erwachsene ist es das Sammeln der blanken braunen Fruchtkerne beispielsweise als Wildfutter oder als Dekoration für die Fensterbank eine willkommene Beschäftigung. Die borkige grobe Rinde der Rosskastanie hingegen wird meist das gesamte Jahr übersehen. Dabei ist sie mit ihren heilenden Inhaltsstoffen den Fruchtkernen mindestens ebenbürtig. Pulversisierte Rindenstücke von Rosskastanien können Linderung bei den subjektiven Anzeichen einer Veneninsuffizienz, wie schweren Beinen, Schwellungen an den Knöcheln und Ödemen in den Unterschenkeln verschaffen. Wirksam könnten unter anderem auch wässrige Auszüge und Pulverzubereitungen der Rosskastanienrinde bei der Behandlung von schmerzhaften und juckenden Hämorrhoidalsymptomen sein. Üblicherweise werden das Pulver und die Extrakte oral aufgenommen. Vor der Einnahme wird allerdings die ärztliche Konsultation oder die Beratung in der Apotheke empfohlen.

Schlechte Venen und schmerzende Beine

Das Zeug zur Volkskrankheit hat die Venenschwäche wie die umgangssprachlich die chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) genannt wird. Schätzungen besagen, dass immerhin jede 5. Frau und jeder 6. Mann die sogenannten schwachen Venen hat.1 Schmerzende und geschwollene Beine sind die recht harmlosen Anfangssymptome. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist im Laufe der Zeit mit einer Verschlechterung der Symptome bis hin zur Entwicklung von Wunden zu rechnen. Bewegungsmangel und ein ungesunder Lebensstil gelten als verstärkende Risikofaktoren neben einer entsprechenden Veranlagung.2

Kein flotter Dreier!

Die knorrige Rinde von Rosskastanien ist voller Inhaltsstoffe, die jeder für sich in Frage kommt, für die „venotonische“ Wirkung verantwortlich zu sein. Es finden sich neben Esculetin (Aesculin), Ellagitannine und Ellagsäure, Cumarinderivate, Fraxin, Quercitrin, Quercetin, Procyanidin A2. Im Fokus ihrer Wirksamkeit stehen allerdings nur vier.

Ellagitannine zeigten in Untersuchungen, dass sie die Elastasefreisetzung im Bindegewebe verhindern. Elastasen sind körpereigene Eiweisse deren eigentliche Aufgabe die Zerstörung von Bakterien in Wunden ist, bei übermässiger Aktivität aber Gewebe zerstört und schädigt. Der beobachtete Schutzeffekt der Ellagitannine war stärker als der des auch in anderen Baumrinden vorkommenden Quercetin. Die untersuchten Proben enthielten auch Ellagsäure, die wahrscheinlich an der Wirkung unmittelbar beteiligt ist.

Die entzündungshemmende Wirkung der Extrakte aus Rosskastanienrinde könnte den beiden Inhaltsstoffen Esculetin (Aesculin) und Esculin zugeschrieben werden. Wahrscheinlich hemmen sie die Lipoxygenase. Esculetin ist als 5-Lipoxygenase-Hemmer bekannt, der die Produktion von Leukotrienen und 5-Hydroxyeicosatetraeinsäure über den Lipoxygenase-Weg hemmt.

Dämmerschlaf oder Trägheit?

In einem Turnus von 10 Jahren werden die von der EMA/HPC erstellten Monografien überprüft. Nach mittlerweile 12 Jahren wurde im Mai diesen Jahres die erste Revision der HMPC-Monografie für Rosskastanien-Rinde (Aesculus hippocastanum L., cortex) auf der Website der EMA veröffentlicht. Die Änderungen sind marginal. Sie betreffen hauptsächlich die Verabreichungsformen. Ursprünglich war man von der pulverisierten Rinde ausgegangen. Hinzugekommen ist ein Trockenextrakt aus wässrigen Auszügen.  Der Assessment-Report offenbart Erschreckendes. Obwohl es sich bei der chronisch-venöse Insuffizienz um ein weit verbreitetes Leiden handelt, gab es während er letzten zehn Jahre keine nennenswerten Entwicklungen im Bezug auf die Rosskastanienrinde – weder im Markt noch in der Forschung!  Nach wie vor wird auf eine überschaubare Anzahl von Präparaten referiert. Im Bezug auf die Erforschung der Inhaltsstoffe sind die Ergebnisse dürftig. So beklagt die Expertengruppe unter anderem, dass die in nicht-klinischen Experimenten verwendeten Extrakte nicht entsprechend den heute üblichen Kriterien charakterisiert wurden, und somit nicht aussagefähig sind.


Quellen:

https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-report/final-assessment-report-aesculus-hippocastanum-l-cortex-revision-1_en.pdf

  1.  https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/chronische-venoese-insuffizienz?epediaDoi=10.1007/978-3-642-54676-1_353, 09.06.2024 ↩︎
  2. https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/vtg/patienten-und-zuweiser/erkrankungen/gefase/gefaesserkrankungen#krampfadern–varikosis; 10.06.2024 ↩︎

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