Auch im Jahre 2020 blühten die Pfingstrosen auch Päonien genannt.

Paeonien für fallsüchtige Knaben

Als Mittel der Wahl bei Epilepsie, oder damals die Fallsucht genannt, wurden zu Zeiten Galens und Hildegards den Betroffenen Wurzeln der Pfingstrose um den Hals gehängt. Im Kräuterbuch des Mittelalters, dem ‚Macer Floridus‘ wird exemplarisch vom erfolgreichen Experiment des griechischen Arztes Galen an einem Knaben berichtet. Ohne die rettende Paeonia-Wurzel am Hals soll der Knabe unmittelbar von epileptischen Anfällen geplagt worden sein. Mit Wiederanlegen des Amuletts seien die Symptome verschwunden – so der Bericht.

„Die Wurzel um den Hals gehängt, nützt dem fallsüchtigen Knaben ausgezeichnet, wie Galen der Gewährsmann, versichert.“

Macer Floridus

Heilkräftig sollen den Überlieferungen nach nur die Wurzeln der Pfingstrose sein, die bei Mondschein ausgegraben wurden. Offensichtlich behandelten die Kräuterkundigen in diesem Falle die Mondphasen nachrangig.

Schwach phosphorezierend sollen angeblich die Samenkörner der Pfingstrose nachts leuchten. Es steckt offensichtlich allerhand Magie in dem magisch schönen Gartenschmuck! In der Antike galt sie als Blume Apollos, dem Gott des Lichts. Die Christenheit widmete die Paeonie um zur ‚Blume Christi‘ – dem Spender des himmlischen Lichts.

Quellen:

Preis-Meier, S., Der Garten der religiösen Bilderwelt des Mittelalters; Alpen-Adria Universität Klagenfurt, 2009.

Mayer, J., Goehl, K., Kräuterbuch der Klostermedizin, der ‚Macer Floridus‘; Nikol Verlagsgesellschaft mbh & Co. KG, Hamburg, 2021.

Ähnliche Beiträge

  • Schlaffes Liebstöckel

    Grüne Wedel statt blauer Pille? Erstaunt reagierte der Berliner Heilpraktiker Hannes A., als ein Klient sein bereits gezahltes Honorar zurückforderte. Tage zuvor hatte er ihm unter anderem zu Liebstöckel (Levisticum Officinale) für die Stärkung seiner Libido geraten. Erektionen durch Wunschdenken Weil das Liebstöckel als Aphrodisiakum allerdings keine Wirkung zeigte, recherchierte der Klient und wurde fündig….

  • Daisy Day – Ein blumiger Feiertag!

    Hast du es gewusst? Am 28. Januar ist der Tag des Gänseblümchens. Wer hat’s erfunden? Was wohl die Amerikaner auf den Gedanken gebracht haben mag, ausgerechnet mitten im tiefsten Winter den Tag des Gänseblümchens zu feiern? Ganz ehrlich: wir haben keine Antwort darauf. Wo auch immer wir suchten, eine logische Antwort gab es nicht darauf….

  • Menschen, die Koriander hassen.

    Die Welt feiert den „I Hate Coriander Day“ am 24. Februar Es sind die Zeichen unserer Zeit, dass wir offenbar nicht mehr in der Lage sind, unsere Gefühle differenziert zu äussern. So scheint das öffentliche Gefühlsleben nur noch zwischen emotionalen Superlativen wie Liebe oder Hass, Krieg oder Frieden zu schwingen. Abstufungen oder Zwischentöne scheinen mittlerweile…

  • Kranz der Wahrheit

    Der Blick durch einen aus Gundelreben gewundenen Kranz entlarvt Hexen. Ein Kranz geflochten aus Gundelreben soll zur Walpurgisnacht die Fähigkeit besitzen, Hexen sichtbar zu machen. Der Blick hindurch auf das fragliche Mädchen soll der Überlieferung nach das Rätsel um die Person lösen. So oder ähnlich lautet eine der zahlreichen Geschichten, die über die Gundelrebe (Glechoma…

  • Hildegard und der Altweibersommer

    Kennen Sie die Momente, wenn im warmen Wind der letzten Sommertage kitzelnd einzelne Spinnfäden über die Haut fahren? Dann ist Altweibersommer! Spinnen nutzen ihre Fäden nicht nur zum Knüpfen der bekannten Netze, womit sie ihre Beute jagen. Sie nutzen die Fäden auch als Fortbewegungsmittel, um von oben nach unten zu krabbeln. Mit Hilfe des Windes…