Neue Meldungen von der HMPC/EMA August 2021

Erfreuliche Neuigkeiten in diesem Sommer

Die beiden Nachrichten aus Amsterdam, die Aktualisierungen auf unserer Seite notwendig machten, erreichten die Redaktion nicht völlig überraschend. Zwei weitere Pflanzen wurden seitens der EMA/HMPC als pflanzliche Arzneimittel eingestuft. Eine stammt ursprünglich aus dem südamerikanischen Raum und hat sich als Verdauungsmittel im francophonen Sprachbereich und auf der iberischen Halbinsel etabliert: die Zitronenverbene. Die andere ist eine zutiefst in Europa verwurzelte Pflanze, der mit der systematischenTrockenlegung von Feuchtgebieten und Mooren, die Lebensgrundlage entzogen wurde: der Fieberklee.

Zitronenverbeneblätter (Aloysia triphylla L., folium)

Die zarten zitronig duftenden Blätter der sogenannten Zitronen-Verbene sind ein altbewährtes traditionelles pflanzliches Heilmittel. Wer die Wirkung von Zitronenverbene kennt, weiss sie zu schätzen. Nach dem Essen ist ein Tee mit Zitronenverbene ein wohltuender Abschluss mit entspannender und verdauungsfördernder Komponente. Je nach Anbau, Abstammung und Verarbeitung der Kräuter variiert ihr feiner Geschmack in Nuancen. Die gebräuchlichste Form für den Gebrauch von Blättern der Zitronenverbene (Aloysia citrodora Paláu; syn. Aloysia triphylla L’Hér. Kuntze; Verbena triphylla L’Hér.; Lippia citriodora Kunth) ist die Verwendung als Kräuteraufguss zur Behandlung von Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen sowie in der generellen Verwendung als krampflösendes Mittel. Bekanntermaßen wirken Kräuterteezubereitungen aus Zitronenverbene fiebersenkend, sedativ und krampflösend. In der europäischen Volksmedizin, aber auch in Südamerika und Nordafrika werden die schmalen gegenständigen und lanzettenförmigen grünen Blätter der Zitronenverbene als Magenmittel und zur Behandlung von Durchfall, Blähungen, Schlaflosigkeit und Rheuma geschätzt. Bereits vor rund fünfzig Jahren hatten die Länder Frankreich, Belgien, Spanien und die Schweiz der Zitronenverbene ihre förderliche Wirkung bei Verdauungsschwierigkeiten ganz amtlich anerkannt. Zitronenverbeneblätter waren bereits in der französischen Gesetzgebung „Médicaments à base de plantes“ „zur Verbesserung der Verdauung“ aufgeführt. Die Spanier und die Belgier legten die Zitronenverbene in ihrer Lebensmittelgesetzgebung als „Gemüseart zur Verwendung für Tees als Lebensmittel“ fest.

Wenig erforscht sind die Wirkstoffe der Zitronenverbene (Aloysia citrodora Paláu). Klinische Studien zu ihrer Wirksamkeit fehlen. Daher entschied die Kommission der europäischen Arzneimittelagentur EMA/HMPC im August 2021, die Zitronenverbene als traditionelles pflanzliches Arzneimittel aufgrund der langjährigen Verwendung anzuerkennen:

Bei psychischen Stress und affektiven Störungen 

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Symptome von psychischem Stress und zur Unterstützung des Einschlafens. Anwendungsgebiet: Schlafstörungen und vorübergehende Schlaflosigkeit. 

Bei Magen-Darm-Erkrankungen

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung von leichten Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen und Blähungen.

Fieberklee-Blätter (Menyanthes trifoliata L., folium) 

Die Anwendung von Fieberklee-Präparaten (Menyanthes trifoliata L.) hat in Europa eine lange Tradition. Moorbohnenblatt, wie auch die Fieberklee-Blätter genannt werden, wurde bereits in vielen klassischen Handbüchern der Kräuterheilkunde als einfacher Bitterstoff (Amara Pura) oder anregender Bitterstoff (Amara tonica) beschrieben. Der Bitterwert von Fieberklee soll zwischen Enzian und Tausendgüldenkraut liegen. Ursächlich für den bitteren Geschmack der Fieberklee-Blätter ist ein Iridoid-Glykosid namens Loganin, was auch als Marker für den Wirkstoffgehalt der Pflanze verwendet wird. Fieberklee-Blätter werden traditionell für drei Indikationsarten, betreffend das Verdauungssystem und den Bewegungsapparat eingesetzt. Bereits im Jahre 2013 beschrieb die ESCOP die Wirkung von Bitterklee in einer von ihr herausgegebenen Monografie. Rund sieben Jahre später entschied sich dann die europäische Arzneimittelagentur für die offizielle Anerkennung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Aus Mangel an ausreichend klinischen Studien konnte die Kommission des EMA/HMPC den Fieberklee nicht als etabliertes pflanzliches Arzneimittel einstufen. Wie so häufig in diesen Fällen, wenn eine Gefährdung durch die Verwendung ausgeschlossen werden kann, und der Nutzen nachweislich durch eine mindestens 30 jährige Verwendung belegt ist, erfolgt die Anerkennung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel:

zur Anregung der Magensaft- und Gallensekretion

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung zur Anregung der Magensaft- und Gallensekretion Bei vorübergehender Appetitlosigkeit

Stimulierend auf die Verdauungsfunktionen 

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter dyspeptischer Beschwerden und Blähungen

und besitzt möglicherweise protektive Wirkungen für Leber und Bauchspeicheldrüse

Antimikrobielle, entzündungsmindernde Wirkung

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter rheumatischen Beschwerden sowie Gelenk – und Muskelschmerzen

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