Nur eine Handvoll Kräuter braucht es, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Pfefferminz für die Verdauung. Thymian für die Bronchien. Salbei bei Halsweh und für die Abwehrkräfte.

Mit einer Handvoll Kräuter durch den Winter

Von Halsweh bis Bauchgrimmen. Mit wenigen ausgewählten Kräutern geht’s natürlich und gesund durch die kalte Jahreszeit.

Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz …

Das Menthol der Pfefferminze hat keine wärmende Effekte.

Ein Tee zum Aufwärmen während der kalten Jahreszeit ist der Pfefferminztee tatsächlich nicht. Die Wärmewirkung entwickelt sich relativ kurz beim Genuss der überbrühten Pfefferminzblätter. Das in den grünen Blättern enthaltene Menthol regt die Durchblutung der hautnahen Blutgefässe an. Im ersten Schritt hilft das zwar bei der Erwärmung. Allerdings gelangt das abgekühlte Blut wieder zurück ins Körperinnere und muss dort erst wieder aufgewärmt werden. Zudem gelangen Spuren des Menthols durch die Poren auf die Haut. Der erfrischende Effekt des Menthols wird sozusagen hautnah erlebbar – statt kuscheliger Wärme.

Hilfreich ist die Pfefferminze bei leichten Verdauungsbeschwerden.

Der gute alte Pfefferminztee erlebt seine Renaissance im Zeitalter einer bewussten gesunden Ernährung. Am Beispiel unserer Eltern und Grosseltern durften wir erleben, wie wenig hilfreich die Magenliköre bei Bauchdrücken und Völlegefühl sind. Der alkoholische Gehalt konkurrierte allzuoft mit den vorangegangenen Getränken. Wer allerdings jetzt meint, dass es einem stattdessen mit einem Pfefferminzlikör besser ergeht, täuscht sich leider.

Die frisch aufgebrühten Blätter oder auch der getrockneter Pfefferminze setzen die wichtigsten Inhaltsstoffe frei. Das sind ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe. Ihre Kombination wirkt erfahrungsgemäss krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Traktes, was erheblich zur Linderung von Beschwerden beiträgt. Erleichterung ist nebenbei auch bei Blähungen zu erwarten. Darüber hinaus regen sie zur Bildung vom für die Verdauung notwendigen Gallensaft an. Statt eines winzigen Pfefferminzblättchens – wie bei Monty Python – kann ausschliesslich ein frisch gebrühter Pfefferminztee die Lösung des Problems sein.

Vitalisierend und anregend sind ihre kräftig grünen Blätter.

Wenn im Norden Afrikas der ‚Thé à la menthe‘ im hohen Bogen aus silbernen Kannen serviert wird, sprechen die Einheimischen scherzhaft vom Berber-Whishy. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus grünem Tee und frischer Minze. Die Mischung beider Kräuter potenziert die erfrischende und vitalisierende Wirkung. In abstinenten Landstrichen wird die belebende Wirkung des Getränks als Genuss geschätzt.

Sein Erfolg gab ihm Recht, wie auch dem Pfefferminztee:

  • 25g Pfefferminzblätter 
  • 15g Kamillenblüten  
  • 10g Andornkraut 

2-3 Teelöffel der Tee-Mischung mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergiessen. 10-12 Minuten warten. Den Tee nach Bedarf warm oder kalt vor den Mahlzeiten trinken.

Wem es im Hals kratzt …

Salbei toppt die chemische Keule.

Sanft und ganz natürlich reinigt auf diesem Weg Salbeiblättertee den Mund- und Rachenraum. Dadurch vermindern sich Reizungen der Schleimhaut und das Kratzen im Hals verschwindet. Ausreichendes Trinken auch während der kalten Tage schützt aktiv vor Viren. Werden die Schleimhäute gut befeuchtet, erhält das ihre Funktionstüchtigkeit. Keime werden abgewehrt, gebunden und gegebenenfalls abtransportiert. Die stetige Befeuchtung verhindert die Besiedelung von Keimen. Kommen nun noch die Inhaltsstoffe des Salbeis hinzu, haben sie sowieso keine Chance. Zum Beispiel das Cineol wirkt antibakteriell, antiviral und schleimlösend. Oder das Thymol, mit seinen auswurffördernden Effekten. Das Immunsystem unterstützende Mineralien wie Zink, ätherische Öle, schmerzstillende Salizylsäure und Saponine stecken alle in den graugrünen Blättchen. Beim Übergiessen mit heissem Wasser werden sie freigesetzt und können wohlschmeckend helfen.

Salbeitee ist die flüssige Variante des Salbeibonbons:

  • 1 Stängel frischer Salbei oder 4-5 Salbeiblätter
  • 1/2 Liter heisses (fast kochendes Wasser)

Den Salbei mit dem heissen Wasser überbrühen. Cirka 10-15 Minuten ziehen lassen. Blätter und Stängel entfernen. Werden sie nicht entfernt, bekommt der Tee mit der Zeit einen stärkeren Geschmack, wird aber leicht bitter.

Ein Hauch von Sommer gegen Husten …

Thymian auf Befehl des Kaisers.

Im alten Rom, bevor die Soldaten in die Schlacht zogen, wuschen sie sich mit einem Sud aus Thymian. Sie vertrauten darauf, dass Ihnen die Kraft dieser Pflanze Mut für den Kampf verleihe. Wenn wir heute Badezusätze mit Thymian verwenden, dann nur um den Kampf gegen eine Erkältung zu gewinnen oder den guten Duft zu geniessen.

Während des Mittelalters wurde das duftende Thymiankraut oft auf den Fußböden der Kirchen verschüttet, um der starken Verwesungsgerüche Herr zu werden. Die Quellen der strengen Gerüche waren die unter der Kirche bestatteten Leichen. Von dieser Bestattungspraxis wendete man sich später wegen Überbelegung und des üblen Gestankes ab, gegen den selbst das der intensiv duftende Thymian letztendlich machtlos war.

Karl der Grosse verordnete quasi per Dekret seinem Reich den Thymian. Er verfügte, dass in den Gärten seiner Kurfesten und der Klöster Thymian anzubauen sei. Seine Weisung umfasste nicht nur den Anbau von Thymus vulgaris. Seine historisch verbriefte Gartenbauordnung berücksichtigte eine beachtliche Anzahl von Bäumen, Getreiden und Kräutern. Sie dienten in allererster Linie der Versorgung seines reisenden Hofstaates. Wahrscheinlich war er des immerwährenden Hüstelns und Hustens in seinen kalten Audienzsälen der schlecht beheizten Residenzen leid. Immerhin sah er in dem würzigen Kraut des Thymians ein Potenzial, dem Übel beizukommen.

Thymiantee wirkt vor Ort.

Wen der Husten quält und der eine Tasse heissen Thymiantee trinkt, befördert die wirkungsvollen ätherischen Öle direkt zum Ort des Geschehens. Interessanterweise werden die ätherischen Öle des Thymians über die Lungenbläschen ausgeschieden. Das verbessert nicht nur den Atemgeruch, sondern die Wirkstoffe landen direkt an den Herden, wo sie dringend benötigt werden. Die antibakterielle Wirkung der Inhaltsstoffe gilt als bewiesen. Daneben begünstigen sie die Sekretbildung und die mukoziliäre Clearance. Das ist der Selbstreinigungsprozess der Atemwege. Er richtet sich gegen Fremdkörper und Keime in den Atemwegen. Im Zusammenspiel von Flimmerhärchen und Sekret ist das die stärkste Waffe bei und gegen Erkältungen.

Thymiantee mit der Kraft des Sommers und der Sonne:

  • 1 Handvoll frische Thymianzweige
  • 1 Liter kochendes Wasser

Das Thymiankraut mit dem kochendem Wasser übergiessen. 10-15 Minuten ziehen lassen. Über den Tag verteilt warm trinken.

Nicht gegen jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen. Die Kräuter, die wir kennen, sollten wir auch nutzen, um Leiden zu lindern. Das Wunderbare an diesen drei vorgestellten Kräutern ist: sie taugen auch zur Vorbeugung!

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