Mais – nicht nur die Kolben
Maisgriffel (Zea mays L., stigma)
Die haarigen Büschen an den Spitzen der Maiskolben schienen kaum zu etwas taugen. Sie brachen leicht entzwei und in eine andere Form liessen sie sich auch nicht bringen. In unserer kindlichen Phantasie ahnten wir eines schon immer: in ihnen steckt mehr. Kürzlich hat das die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA/HMPC) bestätigt. Sie hat eine Monografie zum Maisgriffel (Maydis stigma) veröffentlicht. Damit sind sie als traditionelles pflanzliches Heilmittel anerkannt.
Drang nach mehr
In der Volksmedizin der traditionellen Maisanbaugebiete sind Maisgriffel (Maydis stigma) keine Unbekannten. In Rumänien sind sie als pflanzliches Heilmittel etabliert. Die Maisgriffel (Maydis stigma) besitzen eine harntreibende Wirkung. Wer Wasser lässt, verliert auch Gewicht. Das mag auch ihre Verwendung als diätisches Hilfsmittel zum Abnehmen erklären. Häufige Toilettengänge wirken Bewegungsmangel entgegen und erhöhen gleichzeitig den Energieverbrauch. Auch Ungarn und Österreichern kennen die diuretische Wirkung der Maisgriffel (Maydis stigma) und verwenden es für Kuren gegen Blasensteine und bei Nierengries. In Polen wurde sogar wissenschaftlich an seinen Heilwirkungen geforscht. Fakt ist: Maisgriffel (Maydis stigma) ist ein pflanzliches Diuretikum. Es wirkt harntreibend aber nicht wie ein Schleifendiureitkum. Kalium und Natrium werden nicht im selben Masse ausgeschwemmt, was den Elektrolythaushalt weniger belastet. Was die Eignung von Maisgriffel (Maydis stigma) zur Verwendung bei Harnwegsproblemen erklärt.

Die haarigen Auswüchse an den Spitzen der Maiskolben werden als Maisgriffel bezeichnet.
Trinken nicht vergessen
Maisgriffel (Maydis stigma) sind ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Symptomen bei leichten Harnwegsbeschwerden.
Für Anwendungen werden die Maisgriffel (Maydis stigma) in Wasser aufgekocht. In der Regel sind das 2 – 8 Gramm getrocknetes Material, das in 200 ml Wasser aufgekocht für 5 Minuten wird. Diese wässrigen Extrakte eignen sich für Durchspültherapien, wenn mittels eines erhöhten Harnabfluss‘ Schadstoffe und Keime aus den Harnwegen und der Blase geschwemmt werden sollen. Bei Blasenentzündungen bringen meist Durchspültherapien Linderung. Wichtig ist, gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Das verhindert eine Exsikkose und weitere Symptome.
Heranwachsende und ältere Menschen sollten bei Anwendungen von Maisgriffel (Maydis stigma) am Tag nicht mehr als insgesamt 12 Gramm verwenden. Für Erwachsene liegt die Maximalmenge bei 24 Gramm pro Tag. Die Einnahme von Teezubereitungen mit Maisgriffel (Maydis stigma) zu therapeutischen Zwecken wird dreimal täglich empfohlen. Entsprechend der empfohlenen Tagesmenge liegt die Dosierung für die Zubereitung zwischen 2 – 8 Gramm.

Die Monografie der EMA/HMPC können sie unter diesen Link aufrufen: Maisgriffel (Zea mays L., stigma)
Hand am Kolben
Das Sammeln von Maisgriffeln ist nicht einfach. Er kommt in freier Natur nicht vor. Der grossflächige landwirtschaftliche Anbau von Mais (Zea mays L.) kommt ohne Düngemittel und Pflanzenschutzmittel nicht aus. Das steht einer Eignung als Heilmittel entgegen. Biologischer Anbau von Mais ist eher eine Nische. Daher ist es schwierig, sammelnswerte Maisgriffel (Maydis stigma) zu finden. Am Ende wollen die Bäuerin oder der Bauer gefragt werden. Immerhin sind es ihre Felder.
Gesammelt werden die Griffel und Narben vom unreifen Mais. Das sind die seidigen Fäden, die brüchige, dünn, leicht gebogen, flach und später dann goldgelb oder rotbraun gefärbt sind. Sie sind 0,5–20 cm lang und 0,10–0,15 mm breit; auf den letzten 0,4–3 mm gegabelt und gefurcht. Charakteristisch ist ihr schwacher, süslicher Geruch und schleimiger Geschmack. Nach dem Trocknen sollten sie sorgfältig und vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden. Sie verlieren sonst an Wirkung!
Ohne Bart
Wer Maisgriffel als Maisbart bezeichnet, sollte das besser bedenken. Es sind die Spitzen der weiblichen Maisblüten. Sie wachsen in Büscheln aus den Blattachsen. Hingegen die männlichen Blüten befinden sich an den Spitzen der Pflanzenhalme. Die Befruchtung findet über die weiblichen Maisgriffeln statt, an deren Ende dann die Maiskörner an Kolben wachsen. Maispflanzen (Zea mays L.) sind einhäusig und zweigeschlechtig.
Inhaltsstoffe:
Polysaccharide, Flavonoidglykoside, Phenolsäuren, Terpene, Phytosterole, Kohlenhydrate, Mineralien,
Wirkung:
harntreibend
Gegenanzeigen:
Die Anwendung bei Kindern und Jugendliche bis zum Alter von 12 Jahren wird nicht empfohlen.
Für Patienten mit einer ärztlich verordneten Einfuhrbeschränkung der Flüssigkeitszufuhr sind Anwendungen mit Maisgriffeln nicht geeignet.
Sollten trotz der Einnahme von Maisgriffeln sich die Symptome verstärken, Fieber, Krämpfe, Harnverhalt oder Blut im Urin auftreten ist Hinzuziehen ärztlicher Hilfe erforderlich.

