Die Rinde des Faulbaums ist ein natürliches Abführmittel.
|

Faulbaum – unscheinbarer Flottmacher

Der Echte Faulbaum (Rhamnus frangula) ist, obwohl er fast in jedem Park, in Baumgruppen, Laub- und Auwäldern wächst, ein unscheinbares Bäumchen. Wahrscheinlich liegt es an seinen relativ schmucklosen Blüten und seiner relativ niedrigen Gestalt, die eher einem Strauch ähnelt. Erst im frühen Herbst zeigt er seine kugeligen rötlichen und später schwarzen Früchte.

Der Faulbaum (Rhamnus frangula) hat einen amerikanischen Bruder, von dem die Cascararinde mit ebenfalls abführender Wirkung stammt – der amerikanische Faulbaum (Rhamnus purshiana).

Rinde mit treibender Kraft

Im Falle von Verstopfung kann ein Tee mit Faulbaumrinde (Frangulae cortex) die Verdauung wieder in Gang bringen. Empfohlen wird im allgemeinen, die Faulbaumrinde nicht pur zu verwenden, sondern sie mit Kräutern zu mischen, die eine blähungsmindernde Wirkung haben. In Frage kommen hierbei beispielsweise Fenchel, Kümmel, Pfefferminze.

Hände weg von den frischen Blättern, den Früchten und frischer Rinde! Der Selbstversuch lohnt sich nicht. Als Arznei werden nur die getrockneten Rinden (mindestens 1 Jahr) verwendet. In den frischen Pflanzenteilen sind giftige Stoffe enthalten, die das bestehende Problem nicht lösen, sondern möglicherweise ein neues schaffen. Es handelt sich dabei um das Frangulin, ein Glykosid. Seine Wirkung ist emetisch, das heisst, es löst Erbrechen aus. Erst nach langer Lagerung, Fermentierung und Hitzebehandlung wird die Rinde für den medizinischen Bestimmungszweck brauchbar.

Bewegung für den Dickdarm

Verstopfung (Obstipation) entsteht meist durch die „Trägheit“ des Dickdarms. Zwei Mechanismen sind in der Regel möglich, um ihn wieder zu mehr Aktivität zu verhelfen. Eine davon ist, den verdauten Speisebrei mit Flüssigkeit anzureichern, damit er besser in Richtung Ausgang rutscht. Die andere ist durch Reizung von Rezeptoren im Dickdarm den Druck in Richtung After auszulösen. Wahrscheinlich bedient die Faulbaumrinde beide Mechanismen. Faulbaumrinde enthält Hydroxyanthracen-Derivate. Diese reizen die Rezeptoren, welche die Bewegung des Dickdarms stimulieren. In der Folge wird der Stuhl schneller in Richtung After transportiert. Möglicherweise verhindern die Hydroxyanthracen-Derivate ebenso die Absorption von Wasser und Salz in die Zellen des Dickdarms (unterer Teil des Darms). Damit verbleibt die Flüssigkeit im verdauten Speisebrei und die Passage in Richtung Ausgang gelingt leichter.

Ernährungsumstellung statt Abführmittel

Die dauernde Einnahme von stuhlerleichternden und abführenden Mitteln ist oftmals ein Zeichen, dass etwas mit der Verdauung nicht stimmt. Ein sehr häufiger Grund für Verstopfungen ist eine unzureichende Trinkmenge. Wenn der Speisebrei nicht genügend Flüssigkeit enthält, „rutscht“ er nicht.

Manchmal liegt es auch an den Lebensmitteln, die nicht gut vertragen werden oder schwer verdaulich sind. Eine Umstellung auf ballaststoffreiche Kost und verdauungsfördernde Lebensmittel, können unter Umständen die Lebensqualität deutlich verbessern.

Eine langfristige Anwendung von Abführmitteln sollte unbedingt vermieden werden. Bei einer regelmässigen Einnahme über einen längeren Zeitraum kann sich der Darm daran „gewöhnen“. Es entsteht eine Abhängigkeit von Abführmitteln und zugleich entwickeln sich Beeinträchtigungen der Darmfunktion. Wer täglich Abführmittel benötigt, sollte seinen Arzt die Ursache der Verstopfung untersucht lassen.

Die Rinde des Faulbaums ist ein natürliches Abführmittel.

Die Monografie der EMA/HMPC kann hier aufgerufen und nachgelesen werden: Monografie Faulbaumrinde (Rhamnus frangula L., cortex)

Inhaltsstoffe:

Anthranoide, Glukofrangolin, Frangulin, Frangulaemodinglykoside, Gerbstoffe, Peptidalkaloide

Wirkung:

Laxans (abführend)

Gegenanzeigen:

Die Anwendungsdauer von Faulbaumrinde sollte 1 Woche nicht überschreiten! Sollten die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Patienten, die Herzglykoside, Antiarrhythmika, QT-verlängerte Arzneimittel, Diuretika, Adrenocorticosteroide oder Süßholzwurzeln einnehmen, müssen vor der gleichzeitigen Einnahme von Frangula-Rinde einen Arzt konsultieren.

Was für alle Abführmittel gilt – so auch für Faulbaumrinde: bei unklaren, akuten oder anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden, wie Stuhlverstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen muss die Einnahme vorher mit einem Arzt besprochen werden. Ernsthafte Erkrankungen des Darms oder eine Darmblockade (Ileus) müssen ausgeschlossen sein.

Patienten mit Nierenerkrankungen sollten sich bei der Einnahme von Laxanzien (z.B. Faulbaumrinde) einer möglichen Störung des Elektrolythaushalts bewusst sein.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Ölbaumblätter – mehr als ein Zeichen des Friedens

    Ölbaum (Olea europea) Kein anderer Baum oder Strauch verkörpert mehr mediterranes Ambiente als der Ölbaum. Fälschlicherweise wird er oft als Olive bezeichnet. Das ist korrekterweise die Bezeichnung seiner Früchte, aus denen das begehrte Öl gewonnen wird. Ölbäume müssen erst alt werden, bevor sie Früchte tragen. Hundertjährige Ölbäume sind keine Seltenheit. Generationen können von seiner Fruchtbarkeit…

  • |

    Walnussbaum – Beim Jupiter!

    Walnussbaum (Juglans regia) Besonders geschätzt sind die Früchte und das Holz des Walnussbaums. Ein appetitliches Naschwerk sind die Nüsse vor allem zur Weihnachtszeit. Zu diesem Zeitpunkt haben die im Herbst geernteten Früchte ihren idealen Reifegrad erreicht. Eingebettet in saftiges grünes Fruchtfleisch reifen die Nüsse auf den Bäumen. Nach der Ernte oder dem einfachen Herabfallen müssen…

  • |

    Maulbeerbaum – der mit den kleinen Früchten

    Maulbeerbaum (Morus) Sein Astwerk ist ein hervorragender Schattenspender vor allem in älteren Parks. Der Maulbeerbaum ist kein einheimisches Gewächs. Wegen seiner Blätter wurden die weissen und schwarzen Maulbeerbäume aus Asien importiert. Zur Seidengewinnung benötigten die wertvollen Seidenspinnerraupen Futter, was die Blätter der weissen Maulbeere (Morus alba) lieferten. Die Chinesen sahen es nicht gerne, dass beide,…

  • |

    Lein – der Problemlöser

    Lein (Linum usitatissimum L.) Leinsamen wird stets in Verbindung mir gesunder Ernährung erwähnt. Tatsächlich sind die Früchte des Leins hilfreich bei Verstopfungen und Darmträgheit. Zu einem sind sie Träger eines in letzter Zeit wenig wertgeschätzten Öls, das reich an Omega-3-Fettsäure und ungesättigten Fettsäuren ist. Zum anderen besitzen die Leinsamen hervorragende Quelleigenschaften und setzen dabei Schleimstoffe frei. Das…

  • |

    Frauenmantel – der Helfer in der Rabatte

    Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) Der Frauenmantel ist der Familie der Rosengewächse zugehörig. Die grossflächigen Blätter , der am Boden üppig sich ausbreitenden Pflanze freuen sich bei Gärtnern grosser Beliebtheit. Weitere geläufige Namen des Frauenmantels sind die Bezeichnungen als Silbermantel, Marienmantel, Himmelstau und Allerfrauenheil. Seine krautigen grünen Blätter bedecken den Boden wie einen Mantel und sammeln dabei…

  • |

    Weissdorn – der Herzstärker

    Weissdorn (Crataegus) Den Weissdorn kennen wir sowohl als Bäume als auch in Hecken- oder Buschform. Im Frühjahr blüht er weiss und trägt im Herbst kleine rote Früchte. Sein Bruder der Rotdorn mit seinem rosa Blütenkleid im Frühjahr besitzt dieses heilkräftige Potenzial nicht. Bereits unseren Vorfahren war die heilende Wirkung der Blätter und Blüten bekannt. Sie…