Marienkäfer, bring doch endlich Glück. Hier pfügt einer durch die Blüten des Meisterwurzes.

Bitterkräuter kurbeln Verdauung an

Als Amara werden Pflanzen bezeichnet, deren Bitterstoffe eine positive Wirkung auf das Wohlbefinden haben. Meist steht bei der Verwendung dieser Pflanzen und Kräuter die verdauungsfördernden Effekte ihrer Bitterstoffe im Vordergrund. Wobei ihre Wirkung auf die Verdauungsorgane recht vielfältig und unterschiedlich ausfallen kann. Meist bewirken die Bitterstoffe eine vermehrte Ausschüttung von Verdauungssekreten und stimulieren zugleich die Motorik des Magen-Darm-Traktes. Das ist dann vielfach die Rechtfertigung für einen Kräuter-Digestif nach einem üppigen Mahl oder die gesündere Variante: einen Tee. Meistens hilft das auch.

Studie liefert mögliche Erklärung für verdauungsfördernde Wirkung bitterer Kräuter

Bisher galt die Annahme, dass primär die Anregung von Bitterrezeptoren in den Geschmacksknopsen zu einer vermehrter Ausschüttung von Verdauungssekreten führt. Tatsächlich ist es so, dass Bitterstoffe nicht nur Geschmacksrezeptoren in der Mundhöhle aktivieren, sondern auch über extraorale Bitterrezeptoren im Magen die Magensäureproduktion anregen können. Bei der Erprobung verschiedener Kräuterextrakte wiesen Forscher des Leibnitz-Instituts der TU München nach, dass auch im Magen Zellen auf die Bitterstoffe reagieren. Es handelt sich um die säureproduzierenden Belegzellen im Magen. Im Versuch zeigten sich die besten Ergebnisse bei Proben mit einem hohen Polyphenolgehalt – also Bitterstoffe auf pflanzlicher Basis.

Bittere Kräuterextrakte stimulieren Magenzellen

Eiweisse in der Nahrung werden durch die Magensäure in Polypeptide gespalten. Erst auf diesem Wege sind sie für den Organismus verwertbar. Daneben schützt die Magensäure vor Keimen verschiedener Art, die über den Nahrungsweg aufgenommen werden. Nicht jeder bittere Kräuterextrakt fördert die Magensäureproduktion gleich stark. In den Versuchen zeigten sich deutliche Unterschiede. Besonders gute Ergebnisse zeigten sich unter der Verwendung von Meisterwurz, Wacholder, Echter Salbei und Gemeine Schafgarbe. Hingegen Löwenzahn und Enzian zeigten bei den Tests keine bedeutsame Wirkung. Bei den Tests wurde nur die Produktion von Magensäure untersucht und alle anderen Verdauungssekrete dabei nicht berücksichtigt.

Kräutermischung mit Erfolg

Das Beste ist, die Forschungsergebnisse verweisen auf ein in der Kräuterheilkunde bekanntes Phänomen. Wurden lediglich einzelne Pflanzenextrakte getestet, waren sie im Vergleich den Mischungen aus anderen Extrakten unterlegen. Dementsprechend konstantierten die Forscher: „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die volle Wirkung erst durch das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe entsteht, die sich gegenseitig verstärken.“ Am besten schnitt eine Kombination aus neun Kräutern ab. Diese konnte die Magensäureproduktion deutlich besser stimulieren als eine Mischung von lediglich vier Pflanzenextrakten. Es könnte sich durchaus um eine gleichzeitige Aktivierung mehrerer Bitterrezeptortypen handeln, die nur in der Kombination der Extrakte erreicht werden kann.

Die Autoren der Studie betonen, dass es sich bis jetzt nur um Ergebnisse aus Zellkultur-Experimenten handelt. Immerhin zeigen sie auch Wege auf, wie sich mit pflanzlichen Inhaltsstoffen die Magensäureproduktion beeinflussen lässt. Unter Umständen eröffnet das neue Therapieoptionen. Bis dahin braucht es aber valide klinische Tests.


Quelle:

Pressemitteilung, Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie, Bittere Kräuterextrakte stimulieren Magenzellen, http://idw-online.de/de/news870629; gelesen 12.05.2025

Richter, P., Piqué-Borràs, M.-R., Künstle, G., Somoza, V. (2026). A Digestive Herbal Mixture Preparation Stimulates Proton Secretion in Human Parietal Cells through Phenolic Compounds Targeting Bitter Taste Receptors. Mol. Nutr. Food Res. 70, 6. https://doi.org/10.1002/mnfr.70443.

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