Zistrose – die Anmutige von Kreta
Zistrose (Cistus)
Rund 24 Arten umfasst die Gattung Cistus (Zistrosen). Sie sind allesamt im Mittelmeerraum beheimatet. „Die Zistrose, welche einige Kistharon oder Kissaron nennen, ist ein in steinigen Gegenden wachsender zweig- und blattreicher Strauch, nicht hoch, mit rundlichen, herben, rauen Blättern.“[1] Bewundernswert sind ihre den Rosen ähnliche Blüten. Die Farben variieren je nach Art von Rottönen bis zum unschuldigen Weiss. Das Blattwerk der auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta wachsenden Arten Cistus incanus und Cistus creticus dient von alters her als Grundstoff für Kräutertee-Zubereitungen. Die Bewohner der Insel und auf dem griechischen Festland schätzen den Zistrosentee als lebensverlängerndes Elixier, das auch bei Erkältungssymptomen gute Dienste erweisen soll.
„Das Laudanum wirkt infolge seiner Klebrigkeit und Würzigkeit zusammenziehend, erwärmend und kräftigend.“
Das Circa Instans; K. Goehl
Im Sommer, wenn alle sogar die Pflanzen schwitzen, sondern die Blätter der kretischen Zistrose (Cistus creticus) ein aromatisch duftendes Harz ab. Man nennt es auch das klebrige Ziströschen. Bei weidenden Schafen und Ziegen haftet das Harz am Fell der Tiere, wenn sie durch die Zistrosenbüsche streifen. Beim Fressen sammeln sie einen begehrten Grundstoff für die kosmetische Industrie: das Ladanum. „Am besten davon ist das wohlriechende, grünliche, leicht erweichende, fette, sand- und schmutzfreie, harzige. Es hat adstringierende, erwärmende, erweichende, eröffnende Kraft.“[2] So beschrieb es Dioskurides.

Die Blüten sind Schönheiten für nur einen Tag. Gesammelt wird das Kraut.
Ein Streitgrund für Götter
Bereits die griechischen Gottheiten sollen sich einer Legende nach über die Heilwirkung der Zistrose gestritten haben. Diese Auseinandersetzung hält wohl bis heute an, obwohl es sehr lange Zeit ruhig um die Schönheit vom Mittelmeer war. Ins Rampenlicht der allgemeinen Aufmerksamkeit rückte dieser Tage die Zistrose bei der Suche nach pflanzlichen Wirkstoffen gegen SARS-Viren, wobei sich in Laborversuchen die bereits bekannte antiviralen und mikrobiellen Wirkungen der Polyphenole nachweisen liessen.[3] Die Auftraggeber dieser Studie mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der Studienergebnisse. „Die Aussage, dass alle Zistrosen und alle Zistrose-Produkte gegen SARS-CoV-2 wirken, ist falsch. Die beim Fraunhofer-Institut ermittelten Ergebnisse gelten ausschliesslich für den speziellen, getesteten Extrakt und lassen sich nicht pauschal auf andere Zistrosenextrakte übertragen. Um seriöse, konkrete Aussagen zur Wirksamkeit des Extraktes bei Anwendung am Menschen und in der Prävention von SARS-CoV-2 treffen zu können, müssten noch weitere Studien erfolgen bzw. abgeschlossen werden.“[4]
Während die Götter sich noch um die Zistrose stritten, nutzten die Menschen sie bereits zu ihren Gunsten in der Volksheilkunde. Der Götter Streit drehte sich um die Verwendung als Schönheitsmittel oder zur Behandlung von Wunden und Verletzungen. Dioskurides, der bekannte griechischen Arzt aus der Antike, berichtete in seinem Werk „De materia medica“ von Anwendungen aus Zubereitungen der Zistrosenblüten und dem Kraut. Er beschrieb Anwendungen zur Behandlung von Wunden und Geschwüren der Haut. Auch als Mittel gegen erregerbedingte Durchfälle wurde es wohl verwendet.[5] Die oben erwähnten Phenolverbindungen könnten möglicherweise eine entscheidende Rolle spielen bei der Wirksamkeit von Diokurides‘ erwähnten Indikationen.
Die Entscheidung der Weisen
Im Frühjahr des Jahres 2025 konnte sich die HMPC der Europäischen Arzneimittelagentur endlich zur Veröffentlichung einer Monografie für das Kraut der Kretischen Zistrose (Cistus creticus L., herba) durchringen.[6] Sie stuften das Zistrosenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Anwendung bei erkältungsbedingtem Husten ein. Dafür soll das Kraut der Kretischen Zistrose (Cistus creticus L., herba) aufgekocht und als Kräutertee getrunken werden. Empfohlen wird die Einnahme dreimal am Tag. Laut der Empfehlung sollen 10 g des Krautes mit 100 ml kochendem Wasser aufgegossen werden. Rund 20 Minuten braucht der Kräuteraufguss zum Ziehen. Danach ist er gebrauchsfertig.

Die von der EMA/HMPC veröffentlichte Monografie können Sie hier zum Lesen abrufen: Monografie Kretische Zistrose (Cistus creticus L., herba)
Damit sollte der Streit um die Zistrosen als Heilpflanzen endlich ein Ende gefunden haben. Einzig strittig ist und bleibt die lateinische Bezeichnung der Kretischen Zistrose. Die einen bezeichnen sie als Cistus creticus und die anderen als Cistus incanus. Beide meinen die buschigen niedrigen Sträucher aus dem Mittelmeerraum mit den graugrünen Blättern und knitterigen dunkelrosa Blütenblättern, die nach nur wenigen Stunden welken.
Wirkung:
entzündungshemmend, antimikrobiell, adstringierend
Inhaltsstoffe:
Polyphenole, Ladanum, ätherische Öle, Borneol, Zineol, Limonen, Inuline
Gegenanzeigen:
Kindern und Jugendlichen im Alter unter 18 Jahren wird die Einnahme nicht empfohlen.
Falls die Symptome trotz Anwendung sich innerhalb einer Woche nicht verbessern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Das Aufsuchen eines Arztes ist notwendig bei auftretender Luftnot oder blutigem Auswurf beim Husten.
Schwangeren und stillenden Müttern wird von der Einnahme abgeraten.
Quellen:
[1] [5] [2] Dioskurides, Pedanios, De materia medica, Übersetzung: Julius Berendes (1902), Bearbeitung: Alexander Vögtli (1998), pharmawiki.ch
[3] Träder, Jens-Martin, Antivirale Eigenschaften des Extrakts aus Cistus × incanus L. Pandalis bei SARS-CoV-2 in vitro nachgewiesen, Erfahrungsheilkunde 2021; 70(01): 59-62, DOI: 10.1055/a-1375-5991
[4] https://www.pandalis.de/de/aktuell/detail/artikel/medial-in-aller-munde-aktuelle-hinweise-zu-cystus-pandalisr/; 14.03.2021
[6] https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-report/final-assessment-report-cisti-cretici-herba-first-version_en.pdf; 10.01.2025




