Sportlerin in den Alpen fasst sich an den Knöchel.

Sportunfall?

Expertenrat ist teuer

Bevor die Gesellschaft für Phytotherapie e. V. in Bedeutungslosigkeit versinkt, stellte sie im Juli diesen Jahres eine Pressemitteilung zu „Arzneipflanzen bei Sportverletzungen“ ins Netz. Ebenso dramatisch wie der gewählte Titel der Meldung so inhaltsleer war der Pressetext. Mehr als die üblichen Verdächtigen fiel der ehrenwerten Gesellschaft nicht ein. Die erwähnte vergleichende Studie zur Wirksamkeit von Beinwell (Symphytum officinale) stammte bereits aus dem Jahre 2007. Auf die Nennung der Quelle wurde gänzlich verzichtet. Selbst das Schreckgespenst Pyrrolizidin-Alkaloide wurde wieder einmal beschworen unter Auslassung der aktuellen Stellungnahme der EMA/HPC zu diesem Thema.

Stolpern ist menschlich

Prellungen, Verstauchungen oder auch nur blaue Flecke. Sie bleiben nicht aus, wenn man sich bewegt. Egal, ob dies beim Wandern, Radfahren, Fussball oder beim Treppensteigen passiert. Es muss nicht gleich eine schlimme Sportverletzung sein. Hinderlich sind alle Arten schmerzhafter Blessuren. Das empfinden nicht nur die hoch hinaus wollen – in die Berge. Viele Mitmenschen lieben das flache Land. Am Wegesrand wächst so einiges, was im Falle eines Falles erste Hilfe bieten kann. Eines der am meisten verfügbaren Heilkräuter ist das Beinwell (Symphytum officinale). Gewöhnlich wird die Beinwell-Wurzel zur Herstellung von Salben verwendet, aber im Notfall sind die Blätter genauso hilfreich. Ein Umschlag oder eine Kompresse aus frischen Beinwell-Blättern kühlt und verhindert im günstigen Fall ein weiteres Anschwellen der betroffenen Stelle. Wichtig ist, dass die Blätter sauber sind! Kontaminationen mit Dung, Schmutz oder Düngemitteln können auf den Hautstellen zu Irritationen führen und bei Wunden zu ernsthaften Schädigungen führen. An Bachläufen finden sich oft frische und saubere Blätter des Beinwells.

Nichts für die Dauer

Tatsächlich enthält die Heilpflanze Beinwell (Symphytum officinale) auch die gefürchteten Pyrrolizidinalkaloide. Sie sind bekanntermassen leberschädigend und karzinogen und können auch über die Haut aufgenommen werden. Bei einmaligen Gebrauch wie im oben geschilderten Notfall sind sicherlich keine Schäden zu erwarten. Problematisch sind die Pyrrolizidinalkaloide bei längerer oder dauerhafter Exposition. Entsprechend hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA/HMPC im Juli die Grenzwerte angepasst und die maximale Tagesdosis auf 1.0 μg erhöht. Daher ist es sinnvoll, die frischen Beinwell-Blätter nur für die Erste-Hilfe-Versorgung zu verwenden.

Natürlich ist besser

Daheim lohnt der Umstieg auf Beinwell-Salbe vom Apotheker aus zweierlei Gründen. Erstens, in der Apotheke erhältliche topische Zubereitungen müssen den vorgeschriebenen Grenzwerten von Schadstoffen entsprechen. Das heisst, sie sind sicher. Die Wirksamkeit und allgemein gute Verträglichkeit von Beinwell-Präparaten ist belegt. Zweitens, Beinwell-Salben sind mindestens genauso gut wie topische Antiphlogistika (entzündungshemmendes Medikament) mit chemischen Wirkstoffen. In einer vielbeachteten Studie zeigte das Beinwell-Gel vergleichbare Ergebnisse bei der Behandlung akuter, einseitiger Sprunggelenks-Distorsionen wie das Gel des Marktführers.


Quellen:

https://phytotherapie.de/de/kontakt/presseinformationen/tag-der-arzneipflanze-22-2-2/

Staiger C: Beinwell – Stand der klinischen Forschung; Zeitschrift für Phytotherapie 2007; 28: 110–114.

https://www.ema.europa.eu/en/documents/public-statement/public-statement-use-herbal-medicinal-products-containing-toxic-unsaturated-pyrrolizidine-alkaloids_en-0.pdf

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