Hummeln lieben die rosafarbenen Sessel der blühenden Mariendistel für eine ausgiebige Nahrungsaufnahme.

Mariendistel bei Fettleber?

Ist Silymarin der Stoff für die Zukunft?

Silymarin heisst der Zauberstoff, der bei einer nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD), den Prozess stoppen bzw. revidieren könnte. Bei der nichtalkoholischen Fettleber handelt es sich scheinbar um eine Alterserscheinung der westlichen Wohlstandsgesellschaft. Nicht der Alkohol, sondern erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht korrespondieren dann mit den Fettablagerungen in der Leber. Nicht selten sind Typ-2-Diabetiker davon betroffen. Vermutlich lassen sich diese Fettablagerungen in den Lebern bei 20% bis 30% aller Europäer nachweisen.

Kann die Mariendistel helfen?

Hoffnungsvoll stimmen einige Studien zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettleber mit Silymarin. Das Fett in der Leber kann sich unter gewissen Umständen, wie Änderung der Lebensweise: mehr Bewegung, Ernährungsumstellung, zurückbilden. Dabei helfen soll der in den Früchten der Mariendistel (Silybum marianum) enthaltenen in begehrte Wirkstoff Silymarin. Tatsächlich handelt es sich um ein Gemisch an Flavonolignanen, welches als ‚Silymarin‘ bezeichnet wird. Es setzt sich zusammen aus Silibinin, Isosilibinin, Silychristin und Silydianin. Versuche mit Silymarin, Lebererkrankungen zu behandeln, zeigten einige Erfolge. Aus dieser Euphorie heraus wählte die Österreichische Herbal Medicinal Products Platform (HMPPA) die Mariendistel im Jahre 2021 zur Heilpflanze des Jahres. In der Laudatio kam neben den Experten der Alpenrepublik die Berliner Ärztin Dr. med. Annette Hänsch zu Wort. Sie zitierte aus einer bereits im Jahre 2010 erschienenen Studie. Diese besagt, dass die Einnahme von Mariendistel (Silybum marianum) bei nichtalkoholischen Fettleber (NAFL) die Transaminasenaktivität und die Aktivität der Gamma-GT verbessern könne. Die Patienten würden dabei von Verbesserungen ihrer Leistungsfähigkeit und der Abnahme von Müdigkeit neben Verbesserungen von Laborparametern profitieren.

Eindeutige Belege fehlen bisher

Zum damaligen Zeitpunkt der Ernennung zur Heilpflanze des Jahres war bereits eine widersprüchliche Haltung zu den vorliegenden Studienergebnissen zwischen Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems und den Experten der HMPPA erkennbar. Der Verband liess durch seine Presseagentur mitteilen, dass die Aussagen zur Mariendistel durch die fachlichen Kompetenzen ihres Beirates gedeckt seien. So blieb jeder bei seiner Meinung. Das hat sich bis heute nicht geändert. Selbst die jüngste Studie steht wegen ihres Designs bei Fachleuten in der Kritik. Die erwähnten Mängel bei der Studiendurchführung schmälern die Aussagekraft ihrer Ergebnisse zur Wirksamkeit von Silymarin beim Krankheitsbild der nichtalkoholischen Fettleber (NAFLD).

Traditionelles Heilmittel für die Leber

Auch wenn die europäische Arzneimittelbehörde EMA/HMPC im Jahre 2019 die Mariendistel (Silybum marianum) „herabstufte“, sind ihre Indiktationsgebiete unumstritten. Mariendistel-Früchte (Silybum marianum, fructus) sind ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von Verdauungsstörungen, Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden und zur Unterstützung der Leberfunktion, nachdem ernsthafte Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen wurden. Die Mariendistel gilt zu Recht als eine hepatoprotektive (leberschützende) Arzneipflanze. Ihre Inhaltsstoffe können den Gallefluss fördern.

Viel hilft nicht viel

Vorsicht sei allerdings bei übermässigem Gebrauch geboten. Auch wenn die Zubereitungen von Mariendistelfrüchten allgemein als gut verträglich gelten. Auf keinen Fall sollten sie hochdosiert eingenommen werden! Das kann zu Blähungen und Bauchschmerzen führen.


Quellen:

Arzneipflanze 2021 Mariendistel, Pharmazeutische Nutzung und ihre Bedeutung in der Medizin, Presseinformation der HMPPA, Wien, 27. Jänner 2021

https://medizin-transparent.at/mariendistel-fettleber; 18.07.2023

Buturova LI, Tsybizova TA, Kalinin AV. [Use of Legalon in non-alcoholic fatty liver disease]. Eksp Klin Gastroenterol. 2010;(5):69-75. Russian. PMID: 20734480.

Kalopitas G, Antza C, Doundoulakis I, Siargkas A, Kouroumalis E, Germanidis G, Samara M, Chourdakis M. Impact of Silymarin in individuals with nonalcoholic fatty liver disease: A systematic review and meta-analysis. Nutrition. 2021 Mar;83:111092. doi: 10.1016/j.nut.2020.111092. Epub 2020 Nov 25. PMID: 33418491.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Hauswurz – der Immerlebende

    Hauswurz (Sempervivum) Der Hauswurz ist eine einheimische Sukkulente. Die dickfleischigen Blätter speichern das Wasser, wie wir es vom Aloe Vera kennen. Laut Signaturlehre zählt der Hauswurz zu den Mondpflanzen. Typische Eigenschaften der Mondpflanzen sind, dass sie beruhigend, besänftigend, befeuchtend und kühlend wirken. Tatsächlich entfaltet das in den Blättern enthaltene Gel genau diese Wirkung bei Verbrennungen,…

  • |

    Augentrost – ersetzt keine Brille

    Gemeines Augentrost (Euphrasia officinalis) Man muss schon die Augen aufhalten, um das Augentrost zu entdecken. Die kleinen Pflänzchen aus der Familie der Sommerwurzgewächse mit den zierlichen Blüten wachsen an Weg- und Feldrändern. In ihrer Winzigkeit der Blüten wird es häufig übersehen. Seinen festen Platz als Heilpflanze in der Volksmedizin hat es schon sehr lange. Für…

  • Silberdistel – der Eberwurz

    Silberdistel (Carlina acaulis) Von den Alpen bis in die Mittelgebirge ist die Silberdistel weit verbreitet. Naturfreunden ist sie auch als pflanzliche Wettervorhersage bekannt. Ihre Blütenblätter haben die Eigenschaft, sich bei auftretender Feuchtigkeit nach oben zu wölben und das Blüteninnere vor Regen zu schützen. Daher stammt wahrscheinlich auch ihr Zweitname die Wetterdistel. Obwohl nur Schafe und Ziegen…

  • Besser Schlafen mit Mutterkraut?

    Auf die innere Uhr hören? Forscher der Mashhad University of Medical Sciences sind bei ihren Untersuchungen auf schlaffördernde Eigenschaften des Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gestossen. Sie untersuchten die Wirkung von Mutterkraut-Extrakten an Mäusen und stellten fest, sie schliefen einfach länger. Was bisher am Tiermodell beobachtet wurde, könnte für uns Menschen kurz- oder langfristig von grosser Bedeutung…

  • Schmerzen – reine Nervensache?

    ‘The reign of pain is mostly in the brain.’  Das obige Zitat entstammt dem weltbekannten Muscial “My Fair Lady”. Den meisten wird allerdings das Wortspiels bezüglich der Farbe Grün in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Die englische Originalfassung enthält den bemerkenswerten Satz aus unserer Überschrift. Allerdings bleibt dem zuzufügen: Schmerzen sind weit mehr als reine Kopfsache! In…

  • Schmerz lass nach!

    Wenn gegen jedes Leiden ein Kraut gewachsen ist – auch eines gegen Schmerzen? „Nun hab Dich nicht so!“ Vielen von uns klingen die Worte aus der Kindheit in Erinnerung eines schmerzhaften Ereignisses nach. Eltern wollen in der Regel mit diesen Worten nicht nur das Geheule und unnötige Tränen verhindern, sondern auch einer sich entwickelnden Überempfindlichkeit…