Cover des im Raetia-Verlag erschienen Buches "Treiner Rosa - Hausmittel einer Kräuterfrau"

Treiner Rosa – Hausmittel einer Kräuterfrau

Vorstellung des Buches von Zita Marsoner Staffler und Moritz Schwienbacher (Hrsg.)

In der Zunft der österreichischen Apotheker gibt es eine erstaunlich hohe Zahl von Experten, die ihr Wissen um Heilkräuter und -pflanzen in Büchern teilen. Das ist erfreulich, denn es schenkt uns eine Menge hochqualitativer und fundierte Einblicke in das Universum heilender Pflanzen und alter Hausmittel. Eines dieser Bücher ist das im Jahre 2017 in Südtiroler Raetia-Verlag erschienene Buch „Treiner Rosa – Hausmittel einer Kräuterfrau“. Es ist die Reminiszenz an eine bemerkenswerte Frau, mit einem beachtlichen heilkundigen Erfahrungsschatz und an die Südtiroler Heimat der Buchautoren, das Ultental.

Das Buch ist eine liebevolle Aufarbeitung des lebenslang erworbenen Wissens- und Erfahrungsschatzes der Kräuterfrau Rosa Treiner. Mit diesem gut konzipierten Buch konterkarieren die beiden Autoren Marsoner Staffler und Moritz Schwienbacher ihre Protagonistin, die da meint: „Das interessiert niemanden mehr. Heutzutage gibt’s in der Apotheke gegen jedes Leiden ‚a Pillele‘.“ Aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus, weiss es die Co-Autorin Zita Marsoner Staffler besser. Sie ist Apothekerin. Gerade ihre sorgfältigen Kommentierungen aller Rezepturen auf Verträglichkeit, Anwendbarkeit und eventueller Risiken, zeigen, dass es ein breites Spektrum an Heilmitteln gibt, wobei oftmals nur das richtige gefunden werden muss. 

Obwohl auf mehr als 300 Seiten Südtiroler Geschichte, Kultur, Geschichten erzählt und altes Kräuterwissen konserviert wurden, ist das Buch keinesfalls ein angestaubter oder nostalgiegetränkter Lesestoff. Das ist in aller erster Linie der gelungenen grafischen Gestaltung des Buches zu verdanken. Die Struktur und Klarheit des Satzes, sowie die fast schon reduzierte Grafik, haben aus dem Inhalt ein gut lesenswertes Erfahrungs-, Lese- und Arbeitsbuch geschaffen. Ganzseitige farbige Fotos von Heilpflanzen lockern die inhaltliche Gliederung auf. Die Reproduktionen von schwarz-weiss Fotos geben der Treiner Rosa ein Gesicht und nehmen den Leser mit in ihre Welt. Faszinierenderweise schauen ihre Augen den Betrachter nie direkt an, sondern scheinbar über ihn hinaus.

Im ersten Kapitel widmeten sich die Autoren dem Leben der Treiner Rosa und der Entstehung ihres Buches. Spannend ist der zweite Teil. Nach Erkrankungsbildern sind ihre alten Rezepte sorgfältig geordnet und wurden mit wertvollen Hinweisen kommentiert. Interessanterweise gibt es häufig mehr als nur eine Rezeptur für ein Krankheitsbild. Wie immer in der Naturheilkunde, kommt es auf den Versuch an. Was letztendlich dem Prinzip entspricht, dass die Medizin ganz individuell zum Patienten passen muss. Im dritten Teil finden sich alphabetisch geordnet alle Heilpflanzen noch einmal mit Erläuterungen und wertvollen Tipps zur Zubereitung. Zum Abschluss entführen die Autoren den Leser noch einmal in ihre alte Heimat das Ultental. Sie geben einen Einblick in Gebräuche, Folklore, Menschen und Geschichte ihres geliebten Alpentals. Sollte sich beim Leser Fernweh, Neugier und ein bisschen Wehmut einschleichen, könnte das im Sinne des Autorenteams sein.

Das ist kein Buch, das man einfach so in die Tasche stecken kann. Es hat Gewicht. Mit dem stabilen und dennoch handlichen Hardcover-Einband und der Verwendung guten Papiers steht dem Leser ein griffiges Arbeitsbuch zur Verfügung. Es verspricht Langlebigkeit. Wer die Rezepte ausprobieren und anwenden will, der braucht das!

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