Buchumschlag Kräuterkunde Wolf-Dieter Storl

Kräuterkunde

Das Standardwerk zur Kräuterkunde

Besprechung des Buches von Wolf-Dieter Storl

Das vom Kulturanthropologen Wolf-Dieter Storl verfasste und bereits 1996 veröffentlichte Buch liegt mittlerweile in der 15. Auflage vor. Es ist ein Dauerbrenner. Die Bezeichnung Standardwerk ist nicht zu weit gegriffen, wenn auch der Titel eine umfassende Beschreibung von Pflanzen vermuten lassen könnte. Genau darum geht es nicht. Bereits im Vorwort kündigt der Autor einen umfassenden Exkurs in Ethnobotanik an. Der Leser wird nicht enttäuscht.

Kompakt im Schnelldurchlauf beleuchtet er die verschiedenen Strömungen in der Pflanzenheilkunde, von der Heilkunst der südamerikanischen Indios, germanischen Brauchtum bis zur Ayuveda. Damit erschliessen sich dem Leser schnell und einfach die Inhalte und Betrachtungsweisen. In den Verwendungen von Heilpflanzen zeigt er Parallelen und Unterschiede zwischen den verschiedenen Kulturkreisen auf. Er nimmt den Leser wörtlich mit, kreuz und quer über die Kontinente und absolviert dabei Zeitreisen.

Seine Begeisterung für die Pflanzenwelt und deren Heilkräfte ist ansteckend. Er möchte, dass der Leser einen veränderten Blick auf die Pflanzenwelt gewinnt und spirituelle Hintergründe erkennt. Sein Thema ist nicht das Beschreiben ferner Kulturkreise. Ihn beschäftigt zutiefst, was die Heilkraft von Pflanzen bewirkt im Vergleich zu synthetisch hergestellten oder isolierten Stoffen. Hier öffnet er dem Leser die Tür zum Magischen und Spirituellen im Umgang mit Pflanzen.

Zuweilen verliert der Autor die Distanz des Wissenschaftlers und lässt den Leser seine Begeisterung für Anschauungen und Sichtweisen spüren. Einige seiner Theorien und Ansichten sind logisch nicht schlüssig. Beispielhaft erwähnt sie hier die Erklärung der Entwicklung von Pflanzen anhand von Tierkreiszeichen. Sie funktioniert so nur auf der nördlichen Halbkugel. Einige Passagen (z.B. Johanniskraut) befinden sich nicht auf dem aktuellen Wissensstand. Schön wäre, wenn diese Stellen eine Überarbeitung erfahren könnten.

Der Autor hat kein Lehrbuch geschrieben, wenn auch es eine Menge Wissen vermittelt. Das Buch macht weiser. Es sensibilisiert den Leser für die „unerklärlichen Dinge“ zwischen Himmel und Erde in der Heilkunde, für einen respektvollen Umgang mit den Pflanzen und der Natur und uns selbst.

Sein Schreibstil ist der eines Erzählers. An Anekdoten spart er wahrlich nicht. Das erklärt den hohen Unterhaltungswert der 235 Seiten. Der Aurum-Verlag gibt es als Taschenbuch heraus. Gedruckt wurde es auf blütenweissen 100%igem Recyclingpapier.

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