|

Goldmohn – der eingereiste Kalifornier

Goldmohn ist keine heimische Pflanze. SIe kam aus Kalifornien zu uns.

Goldmohn (Eschscholzia californica)

Wahrscheinlich wurde jeder im Laufe seines Lebens schon einmal mehr oder weniger liebevoll Schlafmützchen genannt. Das ist kein Grund, das als Schmähung eines langen guten Schlafes zu sehen. Vielmehr ist damit die leuchtend goldgelbe Blüte des Kalifornischen Mohns gemeint. Kappenmohn, Kalifornischer Mohn oder Schlafmützchen sind weitere Namensvarianten des gelbblütigen Artverwandten aus Übersee. Die zarten Pflänzchen gedeihen auf kargen Böden, treiben Blüten von Juni bis Oktober und sind zudem sehr genügsam. Sie sind beliebt bei Hobbygärtnern als Farbtupfer in Steingärten.

Hilft bei Stress und Schlaflosigkeit

Es gibt weitere gute Gründe für die Beliebtheit des Goldmohns weit über den Gartenbau hinaus. Was bereits die Ureinwohner Nordamerikas wussten bestätigte die Europäische Arzneimittelagentur im Jahre 2015. Das Kraut des Kalifornischen Goldmohns kann bei den üblichen Symptomen mentalen Stress‘ und bei Schlaflosigkeit helfen.

Der Goldmohn wurde als traditionelle Arzneipflanze für die Anwendungsgebiete leichter mentaler Stress und Schlaflosigkeit anerkannt. Die Einzelheiten können sie unter diesem Link einsehen: Monografie Goldmohnkraut (Eschscholzia californica, herba)

Des Rätsels Lösung liegt in der Dosierung

Die einerseits wegen ihrer Giftigkeit gefürchteten Alkaloide sind andererseits der Schlüssel zur Heilwirkung des Goldmohns. Ohne an dieser Stelle Paracelsus überzustrapazieren, muss im Falle des Goldmohns die Dosierung strikt beachtet werden. Dies tägliche Gesamtmenge des einzunehmenden Goldmohnkrautes oder dessen Extrakte sollte höchstens 960-1500 mg betragen. Bei Unterschreitung der Tagesdosis sind Risiken nicht zu erwarten.

Für die jeweilige Einnahme sollte die Menge von 480-600 mg nicht überschritten werden. So z.B. lautet die Empfehlung: die erste Einnahme während des Abendessens und eine weitere rund 30-60 Minuten vor dem Schlafengehen. In Fällen von Überdosierung klagten die Betroffenen von Übelkeit und Erbrechen.

Der Mechanismus, weshalb die Alkaloide beruhigend und schlaffördernd wirken, ist derzeit Stoff pharmazeutischer Forschung. Aktuell sieht es so aus, als ob die Wirkung dem Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu verdanken ist. Lediglich klar scheint, dass es eine tatsächliche Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat.

Fakt ist, dass ausreichender Schlaf sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirkt. Umgekehrt können körperliche Beschwerden, Stress und Überlastung durch Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit ausgelöst werden. Wenn das eintritt, droht ein zermürbender Teufelskreislauf. In diesem Falle holen Sie sich bitte rechtzeitig professionelle Hilfe. Die Ursachen zu beseitigen, ist wirkungsvoller, als auf Dauer die Symptome zu bekämpfen.

Trockenes Pulver statt Tee

Zur Herstellung der Droge werden die oberirdischen Pflanzenteile gesammelt, getrocknet und zu einem Pulver verarbeitet. Der geeignete Erntezeitpunkt des Krautes ist während der Blüte. Wer sie nicht in seinem Garten kultiviert hat, oder von Dünger und Pflanzenschutzmitteln Gebrauch machte, der kann Goldmohnpulver auch in der Apotheke erwerben.

Einige Quellen berichten über Teezubereitungen mit Goldmohn. Lediglich die Verwendung des pulverisierten Goldmohns ist allerdings als pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Diese wird in trockenem Zustand oder in der Verarbeitung als Extrakt verabreicht.

Inhaltsstoffe:

Allocryptopin, ätherisches Öl, Californidin, Chelerythrin, Escholzin, Protopin, zyanogene Glykoside

Wirkung:

beruhigend, schlaffördernd, angstlösend, krampflösend

Nebenwirkungen:

Für Kinder und Jugendliche im Alter unter 18 Jahren ist eine Behandlung mit Goldmohnkraut und dessen Extrakten nicht geeignet.

Weil es sich um ein pflanzliches Produkt handelt, kann es zu Verträglichkeitsstörungen (allergischen Reaktionen) kommen bei Personen, die darauf empfindlich reagieren.

Sollten die Symptome trotz Einnahme von Goldmohnkraut und/oder dessen Extrakten nicht verschwinden, ist ärztlicher Rat erforderlich.

Nicht empfohlen wird die Anwendung von Goldmohn für Schwangere und Stillende.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Kürbis – kugelrund und kerngesund

    Irgendwann leuchten die Früchte des Kürbis (Cucurbita) gelb oder orange durch das grüne bodendeckende Laub seiner weitverzweigten Blätter. Was als kleines Pflänzchen in einer entlegenen Ecke, häufig der Komposthaufen, seinen Anfang nahm, treibt nun riesige Früchte. Meistens sind sie rund. Sie können aber auch andere Formen annehmen wie z.B. der Flaschenkürbis. „Auch der Kürbis wächst…

  • |

    Majoran – der Karrierist

    Majoran (Origanum majorana) Als Gewürz für deftige Fleischspeisen ist der Majoran ein guter alter Bekannter. Manche Wurstsorten würden ohne ihn überhaupt nicht schmecken. Daher ist er im Volksmund auch als Wurstkraut oder Bratenkräutel bekannt. Interessanterweise ist er in Deutschland das nach der Petersilie weitverbreiteste Gewürz. Vom Garten in die Küche Den Platz im Garten als…

  • |

    Lavendel – der Duft des Sommers

    Lavendel (Lavandula angustifolia) Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend wurde der Lavendel bereits ab dem frühen Mittelalter nördlich der Alpen kultiviert. Er gehört zur Familie der Lippenblütler und zeichnet sich durch eine grosse Artenvielfalt aus. Die Heilkundige Benediktinerin Hildegard von Bingen beschrieb ihn mit folgenden Worten: “ Sein Duft macht die Augen klar, denn er hat…

  • |

    Malve – Schönheit mit Charakter

    Malve (Malva) „Die Malve ist kühlend im ersten Grad, befeuchtend im zweiten.“ So beschreiben die Väter der Medizinschule von Salerno bereits im 12. Jahrhundert ihre Wirkung. Im Vergleich zu den heutigen Verwendungen bei Husten, Rachenreizungen und Darmbeschwerden, können wir die Beschreibung als treffend nachvollziehen. Bevorzugt werden die Blütenblätter der Malve für Teezubereitungen. Sie geben den…

  • |

    Hafer – der Kraftspender

    Hafer (Avena sativa) Bekannt ist der Hafer als Getreide und Kraftfutter und als nahrhafte Frühstückscerealie. Zur Arzneipflanze des Jahres wurde er 2017 durch den Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg gewählt. Im Fokus der Aufmerksamkeit lag zu dieser Zeit die Bedeutung des Saathafers für eine gesunde Ernährung. Bei…

  • |

    Herzgespann – für ein Löwenherz

    Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca L.) Das Herzgespann ist eine bereits seit dem Altertum bekannte und viel verwendete Heilpflanze. Bekannt ist sie auch unter den Namen Herzgold oder Löwenschwanzkraut. Das beschreibt einerseits das Anwendungsgebiet und andererseit die Form der grobgezähnten Blätter. Beliebt ist die krautige Pflanze als Zier- und Schmuckpflanze in Bauerngärten. Die Blüten des Lippenblütlers…