Besser Schlafen mit Mutterkraut?

Hildegard von Bingen schätzte schon das Bertramkraut. Es ist eine anerkannte Heilpflanze zur Behandlung von Migräne.

Forscher der Mashhad University of Medical Sciences sind bei ihren Untersuchungen auf schlaffördernde Eigenschaften des Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gestossen. Sie untersuchten die Wirkung von Mutterkraut-Extrakten an Mäusen und stellten fest, sie schliefen einfach länger. Was bisher am Tiermodell beobachtet wurde, könnte für uns Menschen kurz- oder langfristig von grosser Bedeutung sein.

Auf die innere Uhr hören?

Frühsaufsteher werden als Lerchen bezeichnet und die vermeintlichen Langschläfer als Eulen. Der signifikante Unterschied zwischen beiden ist lediglich der Zeitpunkt des Erwachens. Gemein ist beiden: sie benötigen ausreichend Schlaf! Eigentlich regelt das der natürliche Wach-Schlaf-Rhythmus unsere innere Uhr (zirkadianer Rhythmus). Unregelmässige Mahlzeiten, Bildschirmarbeit, eine ständige Verfügbarkeit für Chefs, Freunde, Kollegen und Familie, ein „frikassierter“ Tagesablauf können somit widersprüchlichen Zeitsignalen die innere Uhr ausser Takt bringen. Wir als moderne Menschen haben bei der Optimierung unserer Tagesabläufe die innere Uhr einfach ignoriert oder abgeschafft. Die Folgen für unsere Gesundheit können gravierend sein.

Stoffwechselerkrankungen durch Schlafmangel?

Dass unzureichender Schlaf auf uns die Nerven geht, die Lernfähigkeit beeinträchtigt, Nervosität und Unruhe erzeugt, wussten wir schon seit Langem. Doch das ist nicht alles. Neurobiologen warnen schon seit geraumer Zeit, dass ein unregelmässiges Schlafverhalten die Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Mellitus Typ 2, Adipositas, deren Folgeerkrankungen und begünstigen. Unsere innere Uhr reguliert beispielsweise auch zu welcher Tageszeit besonders viele Abwehrzellen im Blutkreislauf unterwegs sind, wann wichtige Hormone wie Cortisol gebildet werden. Das hat mit unter frappierende Auswirkungen auf das Immunsystem. „Schlafen wir zu wenig oder zur falschen Zeit, hemmt dies die Effektivität der Immunantwort, und wir werden anfälliger für Infekte.“[1]

Schlafdauer – die Länge machts!

Bei der Wirkung vieler schlaffördernder Heilpflanzen und -kräuter stehen das Einschlafen, die beruhigenden und ausgleichenden Effekte im Vordergrund. Für einen wirklich erholsamen Schlaf ist aber auch gerade die Schlafdauer entscheidend. Im Laufe einer Nacht durchlaufen wir mehrere verschiedene Schlafphasen mit unterschiedlichem Wachheitsgrad. Unser Hirn braucht diese Zeit und den Wechsel der Schlafphasen für die Regeneration wichtiger Funktionen und die Verarbeitung von Erlebtem. Ist die Schlafdauer nicht lang genug, kommen möglicherweise einige Phasen im Schlafzyklus zu kurz. Wir fühlen uns am Morgen wenig ausgeruht und kaputt. Die Lösung dieses Problem scheinen die Inhaltsstoffe des Mutterkrautes (Tanacetum parthenium) lösen zu können.

Mutterkraut als Schlafmittel?

Als vorbeugendes pflanzliches Arzneimittel gegen Migräne wurde das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) seitens der europäischen Zulassungsbehörde EMA/HMPC anerkannt. Häufig wird es noch immer als Geheimtipp gehandelt. Den Nachweis seiner entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung wurde in zahlreichen Studien erbracht. Nun kommt überraschenderweise ein neues interessantes Anwendungsgebiet für das altbekannte Mutterkraut hinzu. Die iranischen Forscher der Mashhad University of Medical Sciences jubelten in den von ihnen publizierten Studie: „Mutterkraut (Tanacetum parthenium) zeigte in den Untersuchungen eine signifikante sedativ-hypnotische Wirkung. Sollte die Isolierung und Charakterisierung des Wirkstoffs gelingen, könnte das die Grundlage für ein neues Schlafmittel sein.“[2] Interessanterweise beobachteten sie bei ihrem Tests keine Neurotoxizität. Nach ihren Aussagen wurde die Lebensfähigkeit neuronaler Zellen selbst bei hohen Konzentrationen nicht beeinflusst. Das heisst, es könnte sich dann um ein Schlafmittel mit geringen Nebenwirkungen handeln.

Welcher der Inhaltsstoffe, neben dem bekannten Parthenolid, nun für die schlaffördernde Wirkung verantwortlich ist, darüber besteht noch Unklarheit. Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) enthält viele natürliche Inhaltsstoffe, einschließlich Sesquiterpenlactone (Eudesmanolide, Germacranolide und Guaianolide), aber die Verbindungen umfassen wahrscheinlich eines oder mehrere Sesquiterpenlactone, einschließlich Parthenolid. Diskutiert werden auch die möglichen Wirkungen von Quercetin und Luteolin oder den Alpha-Pinen-Derivaten.

Quellen:

[1] Harder, Lisbeth & Oster, Henrik. (2019). Zirkadiane Rhythmen – Wie beeinflussen sie unser Leben?. DMW – Deutsche Medizinische Wochenschrift. 144. 1014-1017. 10.1055/a-0662-1950.

[2] Forouzanfar F, Ghazavi H, Tarrah K, Yavari Z, Hosseini A, Aghaee A, Rakhshandeh H. Tanacetum parthenium enhances pentobarbital-induced sleeping behaviors. Avicenna J Phytomed, 2020; 10(1): 70-77.

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