Weissdorn und Johanniskraut wurden zeitgleich zu den Heilpflanzen des Jahres 2019 gekürt.

Die Heilpflanzen des Jahres 2019

Zwei in Einem?

Das neue Jahr startet mit einem Kuriosum. Zwei unterschiedliche Pflanzen wurden zur Heilpflanze des Jahres 2019 gewählt – das Johanniskraut (Hypericum perforatum) und der Weißdorn (Crataegus). Um ganz genau zu sein: der Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019. Das Ganze scheint ein wenig abwegig und verworren. Der Unterschied liegt lediglich in den Begrifflichkeiten zwischen Heilpflanze und Arzneipflanze.

„Brauche immer deine Vernunft und laß die Leute lachen!“

Giacomo Casanova

Vergessen sie die guten Vorsätze fürs neue Jahr! Sie halten erfahrungsgemäss nur wenige Wochen. Recht schnell holt uns der Rhytmus des Alltags ein und die gutwollenden Vorhaben werden zugunsten der alten Gewohnheiten aufgegeben. Wie wäre es mit der Gründung eines Vereins? Wenn sie übers Jahr für ausreichend Publicity und Aufmerksamkeit sorgen, könnten sie unter Umständen die dritte Heilpflanze des Jahres für 2020 ausrufen.

Die Arzneipflanze des Jahres

Zwei konkurrierende Vereine küren seit einigen Jahren die Heil- bzw. die Arzneipflanze des Jahres. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg unter der Federführung des bekannten Medizinhistorikers Dr. Johannes Gottfried Mayer widmet sich der Erforschung des traditionellen Heilwissens und beleuchtet deren Zusammenhänge im Abgleich mit aktuellen Forschungsergebnissen. Die Würdigung des Weißdorns (Crataegus) beruht auf Studienergebnissen, welche nicht nur die Wirksamkeit bei Herzerkrankungen bestätigen, sondern auch die gute Verträglichkeit mit Medikationen der konventionellen Medizin hervorheben.

Die Heilpflanze des Jahres

Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise, genannt Paracelsus e.V. entschied sich für das stimmungsaufhellende Johanniskraut (Hypericum perforatum). Möglicherweise geschah das auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen des kommenden Jahres. „Das Vertrauen der Menschen in diese altbewährte Heilpflanze stärken.“ Diesen Impuls möchte der Verein mit seiner Wahl laut Pressemitteilung setzen.

Mit Stimmung und Herz

Ganz im Ernst! Sehen wir die Wahl zweier verschiedener Heilpflanzen doch ganz einfach als Chance. Wie wäre es, wenn wir einen abendlichen Spaziergang zu den Weißdornsträuchern in unserer Umgebung unternehmen? Am Austreiben der Zweige können wir die Fortschritte des Frühlings erkennen. Die herrlichen weissen Blüten erfreuen uns an den hoffentlich dann schon wärmeren Abenden. Wenn der Weißdorn abgeblüht ist, wärmt die Sonne schon zumeist. Dann dauert es nicht lange bis zur Blüte des Johanniskrauts. Seine knallgelben Blüten taugen durchaus als ein recht schönes Ziel für Spaziergänge. Im Herbst dann, animieren die kleinen roten Früchte des Weißdorns zu abendliche Meditationen an frischer Luft. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: mit diesem unkonventionellen Programmvorschlag für die ganzjährige Abendgestaltung werden die heilenden Kräfte der Bewegung, der Luft, der Sinneseindrücke für Stressabbau, Stimmungsschwankungen, Durchblutungsstörungen, Herz- und Kreislauferkrankungen effektiv genutzt.

„Wir plaudern zusammen, mein Arzt und ich; er verschreibt mir seine Rezepte, und ich brauche sie nie; so befinde ich mich immer wohl.“

Jean Baptiste Moliére

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein gesundes und gelingendes neues Jahr! Bedenken sie bitte weiterhin, gegen manches Leid ist mehr als ein Kraut gewachsen. Freuen würde ich mich, wenn Sie hier das Richtige finden.

Ähnliche Beiträge

  • |

    Rainfarn – mit dem Blick nach Süden

    Rainfarn (Tanacetum vulgare L.) Die gelben Blüten des Rainfarns richten sich bei Sonnenlicht in Richtung Süden aus. Nicht nur Pfadfindern ist es deshalb als Kompasspflanze bekannt. Der Rainfarn zählt zu der Familie der Korbblüher. Weitere geläufige Namen für die Pflanze mit den stark riechenden Blüten sind Knöpfchen massgeblich wegen der Form ihrer Blüten, und Wurmkraut aufgrund iherer…

  • Hibiskusblüten – Haustee der alten Ägypter

    Das kleine Rote als Durstlöscher Teezubereitungen aus Hibiskusblüten haben einen schwacharomatischen und leicht säuerlichen Geschmack. Beliebt sind sie sowohl als Heissgetränk oder als kalte Variante an warmen Tagen zur Erfrischung. Die leuchtend rote Flüssigkeit verdankt ihre intensive Färbung den Anthocyanen, die zudem einen guten Ruf als Antioxidantien haben. Wer meint, für einen Hibiskusblütentee die schöne…

  • Ein Hoch auf die Blütenvielfalt!

    Können die negativen Effekte von Insektiziden auf unsere Insektenvielfalt mit einem besseren und vor allem vielfältigeren Nahrungsangebot ausgeglichen werden? Dieser Frage ging ein Forscherteam der Universität Göttingen, des Berliner Julius Kühn-Instituts und der Universität Hohenheim nach. Sie untersuchten die Brutentwicklung von Wildbienen (Osmia bicornis) bei einem Futterangebot aus artenreichen Blütenmischungen im Vergleich zu Monokulturen und…

  • Neues vom Pestwurz

    Pestwurz aus kultiviertem Anbau ist dem wildwachsenden gleichwertig! Bei der Erforschung von Inhaltsstoffen des Pestwurzes (Petasites hybridus) fiel Schweizer Forschern auf, dass wild gesammelter Pestwurz dem aus kultiviertem Anbau ebenbürtig ist. Sie konnten keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen kultivierten und wild gesammelten Rhizomen feststellen. Der Vorteil des kontrollierten Anbaus liegt auf der Hand….

  • Schmerz lass nach!

    Wenn gegen jedes Leiden ein Kraut gewachsen ist – auch eines gegen Schmerzen? „Nun hab Dich nicht so!“ Vielen von uns klingen die Worte aus der Kindheit in Erinnerung eines schmerzhaften Ereignisses nach. Eltern wollen in der Regel mit diesen Worten nicht nur das Geheule und unnötige Tränen verhindern, sondern auch einer sich entwickelnden Überempfindlichkeit…