Signaturen – was Pflanzen über ihre Kräfte verraten
Versteckte und offene Hinweise auf Heilkräfte bei Pflanzen und Kräutern
Die Wirkung von Pflanzen lässt sich laut Signaturenlehre anhand verschiedener Merkmale, ihrer Gestalt, der Farbe von Blüten, dem Geruch und vom Standort ableiten. Heilkundige rätselten schon immer, wie auch heute, welche Fähigkeiten in den vielen Kräutern und Pflanzen stecken. Gibt es sichtbare Hinweise auf verborgene Kräfte und Heilwirkungen in der Pflanzenwelt?

Leberblümchen
(Hepatica nobilis)

Wurmfarn
(Dryopteris filix-mas)

Lungenkraut
(Pulmonaria officinalis)
Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) galt lange Zeit als vermeintliches Mittel gegen Leberleiden. Die dreilappige Form seinerer Blütenblätteri soll demnach die Gestalt der menschlichen Leber widerspiegeln. Sie galt als Verweis auf auf seine Heilwirkung.
An die Bläschen der Lunge erinnern die grauen ovalen Flecken auf den Blättern des Gefleckten Lungenkrauts (Pulmonaria officinalis). Tatsächlich gilt bis heute in der Volksmedizin die Verwendung von Lungenkraut als hilfreich bei Erkrankungen der Lunge und der Atemwege.
Beim Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) ist es der Geruch seiner Blätter. Er ist streng, bitter und auf die Dauer unangenehm. Als Wurmmittel diente er über die Jahrhunderte bis sich etwas besseres und weniger giftiges fand.

Die Kerne von Walnüssen erinnern in Form und Gestalt an Gehirne. Sie sind nähstoff- und energiereich und gelten berechtigterweise als Nervennahrung.
Vom Lesen der Zeichen
Wer meint, Gott hat den Bauplan seiner Schöpfung als Bilderrätsel angelegt, liegt grundsätzlich nicht verkehrt. Im Laufe der Zeiten offenbarte dieses Denkprinzip allerdings immer wieder seine Schwächen. Wie jedoch sollten die Menschenkinder Kenntnis über das verborgene Wissen und die Eigenschaften der Dinge erlangen? Beobachten, Experimentieren, Analysieren und Interpretieren sind die die Werkzeuge zum Wissensgewinn seit Menschheitsgedenken. Die so gewonnenen Erkenntnisse ins Verhältnis gesetzt mit dem vorhandenen Wissen und dem aktuellen Weltbild festigen sich oder werden verworfen. So erging es auch der Signaturenlehre.
„Wer die Astrologie nicht versteht, ist kein Arzt, sondern eher ein Narr.“
Paracelcus (1493-1541)
Der Schweizer Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus) gilt bis heute als Koryphäe der Signaturenlehre. Er befasste sich neben der Medizin mit der Astrologie. So ist es wenig verwunderlich, dass Paracelsus’ Signaturenlehre auf einer Systematik der Zuordnung von Pflanzen zu den Gestirnen basiert. Die Idee, die Veränderungen und Prozesse in der Welt und in der Natur mit dem Sternensystem in Zusammenhang zu bringen, war damals nicht neu und bereits seit der Antike bekannt. Im Mittelalter galt die Astrologie als Wissenschaft. Der menschliche Körper wurde als Mikrokosmos im Makrokosmos verstanden. Es existierte eine Zuordnung von Tierkreiszeichen für die Körperteile des Menschen. Dementsprechend sollten sich Behandlungen und Eingriffe in den Zeiten bezeichneter Sternzeichen besonders lohnen. Oder es wurde davon gänzlich abgeraten. Verständlich, dass weiterschreibende Zuordnungen für Heilmittel wie Kräuter und Pflanzen entwickelt wurden. Paracelsus brachte das damals vorhandene Wissen zu den Signaturen in eine Ordnung. Das schrieb er auf und publizierte es erfolgreich.
Sonne, Mond und Sterne
So entstanden die noch heute bekannten Zuordnungen nach sieben Planeten: Sonne, Mond, Jupiter, Mars, Saturn, Merkur und Venus. Die Zuordnungen von Pflanzen und Pflanzenteile entsprechen der jeweiligen mythologischen Bedeutung des Planeten. Sonnenpflanzen versinnbildlichen Lebensfreude, das Lichte, das Goldene und Wärmende. Das Johanniskraut, die Arnika und der Alant sind typische Sonnenpflanzen. Wie die Sonnenkraft sollen sie zur Stärkung der Vitalität beitragen.
Der Mond gibt den Rhythmus vor. Nach ihm richten sich Ebbe und Flut. Sein Licht ist kalt und ruhig. Er steht für Harmonie, Ruhe und das Flüssige. Alles mit zarten weissen Blüten wie der beruhigende Baldrian, die geheimnisvolle Taubnessel und das Mädesüss zählen zu den Mondpflanzen. Sie sollen ausgleichend auf den Biorhythmus wirken können.
„Beim Jupiter!“ Leser der Asterix-Bücher kennen diesen Ausruf der überraschten Römer. Es war der Ruf nach Ordnung, denn dafür steht Jupiter. Die Dimensionen des Glaubens und Vertrauens werden ihm zugeschrieben. Kein Wunder, dass es einem auf die Leber schlägt, wenn es mal nicht so läuft. Jupiterpflanzen sollen dem Abhilfe schaffen. Dazu zählen mächtige Bäume wie Walnuss, Kastanie und Eiche, sowie Artischocken und Odermenning. Letztere sind für bekannte Heilpflanzen bei Leberleiden.
Mars als Gott des Krieges im Olymp verkörpert in erster Linie wehrhafte Pflanzen. Sie wirken gegen alles, was Tatkraft, Willensstärke und Entscheidungsfähigkeit behindern. Das sind Qualitäten die den Brennnesseln, der Brombeere, dem Schleh- und dem Weissdorn zu eigen sind. Marspflanzen werden die Eigenschaften zugesprochen, stärkend, immunstimulierend und blutbildend zu wirken.
Saturn gilt als der Älteste unter den Göttern der Antike. So steht er für die Beständigkeit, den Lauf der Dinge, dem Schicksal und der Ernte. Saturnpflanzen sind meist langlebig oder existieren schon seit Ewigkeiten. Kein Wunder, dass Schachtelhalm, Wacholder, Efeu und Farne den Saturnpflanzen zugerechnet werden. Ihre Wirkung soll im Auflösen von im Laufe des Lebens erworbenen Verhärtungen bestehen.
Geistige und körperliche Beweglichkeit sollen die Merkurpflanzen fördern können. Merkur als Götterbote versinnbildlicht das problemlose Zusammenspiel geistiger, psychischer und körperlicher Fähigkeiten, sonst würde er seinen Aufgaben nicht gerecht. Hafer ist ein typischer Vertreter der Merkurpflanzen. Seine Früchte liefern Energie und wichtige Mineralstoffe und wirkt dabei ausgleichend. Bei Schlafstörungen hilft sein Stroh und beugt Konzentrationsstörungen vor.
Venuspflanzen verkörpern das Weibliche, die Balance und die Sinnlichkeit. Wen wundert es, dass die Rose zu den Venuspflanzen zählt. Ein harmonischer Aufbau, zarte Farben in Blüten und Blättern kennzeichnen die Venuspflanzen. Typische Frauenpflanzen wie der Frauenmantel, oder auch Amulettpflanzen wie die Betonie zählen dazu.
„Heilpflanzen hatten schon immer einen Doppelaspekt, einen magischen und einen realen.“
Angelika Riffel
Zusammenfassend lässt sich sagen: manches passt, vieles nicht. Manchmal ist es hilfreich, die Welt und die Dinge darin aus einem anderen Winkel zu betrachten. Wer den mitteleuropäischen Kulturraum verlässt, wird überrascht sein, dass andere ohne unsere strukturierten Denkmuster tolle Ergebnisse erzielen. Seien es die Lehren der fernöstlichen Heilkunden, das Wissen der Medizinleute in Mittel- und Südamerika und auf anderen Kontinenten. Sie alle erzielen Erfolge mit einem dem unseren schwerlich vergleichbaren Konzept.
Vertreter der Traditionellen Europäischen Medizin (TCM) mögen sich nicht von der Grundidee einer Signaturenlehre verabschieden. Sie haben sich von Sternzeichen und Planeten getrennt und widmen sich vertieft den Beziehungen der Pflanzen zu ihrem Umfeld neben ihrem äusseren Erscheinungsbild.
Ist es nicht manchmal verwunderlich, welche heilende Kräfte relativ unbekannten Blümchen und Kräuterlein angedichtet werden? In vielen Fällen sind diese Zuschreibungen eher das Produkt einer lebhaften Phantasie oder eines Aufmerksamkeitsdefizits. Wenn dann kein klares Argument zur Hand ist, berufen sich die Autorinnen und Autoren auf ihre Intuition. Die kann allerdings durchaus zielführend sein!
Quellen:
Prentner, A.; Heilpflanzen der Traditionellen Europäischen Medizin, Springer-Verlag, Berlin 2017
https://www.apothekergarten-wiesbaden.de/beete/20-signaturenlehre/; gelesen 20.03.2026
Lavinia Hunder (14. März 2018); Zu Risiken und Nebenwirkungen – Medizin im Mittelalter zwischen Astrologie und Aderlassmännchen. the ARTicle. gelesen 26.03.2026 https://doi.org/10.58079/uqrp
