Der grosse Wiesenknopf war die Wiesenblume des Jahres 2021. So jedenfalls hatte das die Loki-Schmidt Stiftung entschieden.

Grosser Wiesenknopf – Blume des Jahres 2021

Grosser Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)

Eine Heilpflanze ist der grosse Wiesenknopf nicht, obwohl er den lateinischen Beinamen Officinalis trägt. Seine Inhaltsstoffe sollen blutstillende und entzündungshemmende Wirkungen haben. Bekanntermassen wurde der grosse Wiesenknopf in der Vergangenheit und bereits in der Antike als Durchfallmittel und zur Verbesserung der Wundheilung eingesetzt. In der aktuellen Literatur zur Pflanzenheilkunde finden sowohl er (Sanguisorba officinalis) als auch sein kleiner Bruder (Sanguisorba minor) keine Erwähnung mehr. In einigen volksheilkundlichen Rezepten wird er noch aufgeführt, scheint aber soweit an Bedeutung verloren zu haben.

Ein wichtiger Bewohner unserer Wiesen ist der grosser Wiesenknopf. Er fühlt sich nicht wohl auf Wiesen und Weideflächen, die zu häufig abgemäht werden. Der grosse Wiesenknopf braucht für den Fortbestand seine Zeit, sich als Pflanze zu entwickeln und den Blütenstand ausbilden zu können. Wiederum, häufiges Mähen fördert in aller erster Linie schnellwüchsige Gräser. Wiesen ohne Mahd bieten dem grossen Wiesenknopf auch keine idealen Lebensbedingungen. Solche Wiesen bevorzugen meist konkurrenzstärkere Gräsern und Pflanzen, die dann beispielsweise den grossen Wiesenknopf verdrängen. Wiesen ohne Schnitt laufen ohnehin Gefahr langsam aber sicher zu verwalden.

So merkten die Autoren einer Studie zum Einfluss des Mähens auf die Fauna und Flora von Wiesen an: „Schützenswerte Pflanzenarten verlieren ohne Mahd ihren Lebensraum und ganze Biotoptypen würden verschwinden.“ Die gleiche Studie weist auf die Auswirkungen einer extensiver Wiesen-Bewirtschaftung für die Insektenfauna im Vergleich zur intensiven Mahd hin. Genau um diese Gratwanderung – des zuviel und zu wenig Mähens – geht es der Loki Schmidt-Stiftung bei der Wahl des Wiesenknopfes zur Blume des Jahres 2021.


Quellen:

Broschüre der Loki Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres 2021 – Der grosse Wiesenknopf

Dennis van de Poel und Andreas Zehm; Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen; ANLIEGEN NATUR 36(2), 2014: 36–51

Ähnliche Beiträge

  • Schmerzen – reine Nervensache?

    ‘The reign of pain is mostly in the brain.’  Das obige Zitat entstammt dem weltbekannten Muscial “My Fair Lady”. Den meisten wird allerdings das Wortspiels bezüglich der Farbe Grün in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Die englische Originalfassung enthält den bemerkenswerten Satz aus unserer Überschrift. Allerdings bleibt dem zuzufügen: Schmerzen sind weit mehr als reine Kopfsache! In…

  • Überraschung: Benediktenkraut heilt Nerven!

    Rund 1,2 Mio. Euro hat sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Studie zur Erforschung eines Wirkstoffs aus dem Benediktenkraut (Cnicus Benedictus) kosten lassen. Das zeigt einmal wieder, dass wissenschaftliche Studien zu natürlichen Heilstoffen nicht zum Nulltarif zu haben sind. In diesem Fall hat sich die Förderung durch die öffentliche Hand ausgezahlt. Sie war…

  • Alles so schön bunt hier!

    Diese Drogen machen das Leben schöner! Zuerst schulden wir unseren Leserinnen und Lesern eine Begriffsklärung. Bei Drogen handelt es sich im ursprünglichen Sinne um pflanzliche, mineralische oder tierische Rohstoffe, die zur Herstellung von Heil- und Arzneimitteln, Gewürz- und Riechstoffen oder als Geschmackskorrigenz sich eignen. So jedenfalls definieren es die medizinischen und pharmazeutischen Kompendien. Vermutlich leitet…

  • Geschenke des Orients

    Die würzigen Klassiker des Nahen und Fernen Ostens Kräuter und Gewürze sind wahre Schätze! Vieles, was heute ganz selbstverständlich in den Verkaufsregalen liegt, war lange Zeit für die Normalsterblichen unerschwingliche Luxusgüter. Um den Handel mit ihnen zu kontrollieren, wurden sogar Kriege geführt. Kaufmannsfamilien erwarben mit ihnen Reichtum und Macht. Ältere Menschen kennen noch den Begriff…

  • |

    Karden – die vielfach Unbestätigten

    Weber Karde (Dipsacus sativus L.) und Wilde Karde (Dipsacus fullonum L.) Über die Karden finden sich in der Literatur eine Menge Heilwirkungen, die ihnen zugeschrieben werden. In der Vergangenheit kamen Umschläge aus Blättern der Karde gegen Bauchfluss, Eiterknoten und Wundrosen zur Anwendung. Aus dem Fokus der Pflanzenheilkunde sind die Karden fast vollständig verschwunden. Mit viel…

  • Rosmarin-Öl – kein Selbstläufer

    Aromatisches und tonisierendes Romarin-Öl selbst herstellen? Eigentlich sollte das doch ganz einfach sein. Wer Rosmarin im Garten oder auf der Fensterbank hat, könnte die Zweige für einige Zeit in Pflanzenöl einlegen. Im Laufe der Tage und Wochen nimmt das Öl allmählich die Aromen der Rosmarinzweige auf. Allerdings ist das Ergebnis nur ein aromatisiertes Öl, was…