Heilpflanze des Jahres 2026: Nachtkerze – Oenothera biennis
Bis zur BlĂŒte der Heilpflanze des Jahres 2026 mĂŒssen wir uns noch ein paar Monate gedulden. Erst in den Sommermonaten Juni bis September zeigen die Nachtkerzen (Oenothera biennis) in den Abendstunden ihre eindrĂŒcklich leuchtend gelben BlĂŒten. Einst wurde sie als Zierpflanze aus nordamerikanischen Gefilden nach Europa gebracht. Mittelweile hat sie sich ausgewildert und fĂŒhlt sich wohl in Gesellschaft von UnkrĂ€utern (man nennt sie jetzt BeikrĂ€uter) an RandstĂŒcken menschlicher Besiedelungen, wie WegrĂ€nder, Böschungen und UferlĂ€ufen.
Mit Stiel, Haupt und Haaren
Bisher war den meisten unter uns lediglich der Nutzen des Ăls aus den Samen der Nachtkerzen bewusst. In seiner Laudatio zur Heilpflanze des Jahres 2026 erinnert der Verein zur Förderung der naturgemĂ€Ăen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus), an die beinahe vollstĂ€ndige Verwertbarkeit von Nachtkerzen (Oenothera biennis). Sie ist „eine in ihrer Gesamtheit essbare Pflanze“ betont der Verein. TatsĂ€chlich sind BlĂŒten, BlĂ€tter, Samen und die Pfahlwurzeln der Nachtkerze essbar. Wenn vom Schinkenwurz die Rede ist, so sind die fleischigen Pfahlwurzeln der Nachtkerze gemeint. Ihr Geschmack soll denen der Schwarzwurzel Ă€hneln. Der NĂ€hrwert und die Farbe der Wurzeln wĂ€re mit Schinken vergleichbar. Irgendwann verschwand das Wurzelwerk der Nachtkerzen von den SpeiseplĂ€nen und aus dem kollektiven KĂŒchengedĂ€chtnis.
Ziel ist es, diese âschöne und familienfreundliche, weil in ihrer Gesamtheit essbare Pflanzeâ in Hinblick auf ihr Gesundheits- und Heilpotenzial bekannter zu machen.
NHV Theophrastus
HoffnungstrÀger bei Neurodermitis
Nachtkerzenöl (Oenotherae oleum) in seinen vielfĂ€ltigen Zubereitungsformen wird immer wieder als HoffnungstrĂ€ger zur Behandlung von atopischer Dermatitis, atopischem Ekzem, endogenem Ekzem, Neurodermitis atopica gehandelt. Hinter allen Bezeichnungen verbirgt sich ein und das selbe Hautleiden – die Neurodermitis. Obwohl die Evidenz- und Studienlagen den Einsatz von Nachtkerzenöl (Oenotherae oleum) als unzureichend bewerten, scheint es zumindest eine Behandlungsoption zu sein. Chronischen EntzĂŒndungen der Haut, die hĂ€ufig in SchĂŒben verlaufen, fĂŒhren zum Verlust ihrer natĂŒrlichen Schutzfunktion.1 Die Haut reagiert mit Trockenheit, Schuppen und Juckreiz und wird anfĂ€llig fĂŒr weitere Infektionen. Dieser Teufelskreislauf lĂ€sst sich allerdings mit Nachtkerzenöl (Oenotherae oleum) nicht durchbrechen. Lediglich der Erhalt gesunder Haut und die Linderung bestehender Beschwerden lĂ€sst sich mit dem Ăl aus den Nachtkerzensamen bewirken und fördern. LinolsĂ€uren scheinen dabei die positiven Effekte bei der Regeneration der Haut zu bewirken. Sie zĂ€hlen zu den essenziellen FettsĂ€uren, die der Körper selbst nicht produziert. Daher benötigen wir ihre Zufuhr beispielsweise ĂŒber die Nahrung. Sie sind ein wichtiger Baustein beim Aufbau von Hautzellen und besonders der schĂŒtzenden Epidermis.2 Es wirkt antiphlogistisch und immunmodulatorisch.
RĂ€tselraten um Wirksamkeit
Dem Treppenwitz in der Erforschung moderner Phytotherapeutika fiel die Nachtkerze (Oenothera biennis) auch zum Opfer. Statt in die Forschung zu intensivieren, wurden 2002 im Vereinigten Königreich bestehende Zuerkennungen aufgrund fehlender Nachweise der Wirksamkeit zurĂŒckgezogen.3 Cochran formulierte es noch verschĂ€rfter: „Die Einnahme von Nachtkerzenöl lindert nicht die Symptome von Neurodermitis. Dieses Ergebnis ist seit 2013 bekannt. Ein so eindeutiges Ergebnis wĂŒrde weitere Studien nicht rechtfertigen.“4
Im Kreise der Naturheilberufenen bleibt man still bei der Tagesordnung und lobt einfach weitere Indikationen und Anwendungen fĂŒr die Nachtkerze (Oenothera biennis) aus. Hormonelle Schwankungen und Konzentrationsstörungen, auch bei Herzerkrankungen, NervenschĂ€digungen und selbst die rheumatoide Arthritis sind im GesprĂ€ch. Ohne nennenswerte Anstrengungen in der Erforschung und dem Erbringen der Wirksamkeitsnachweisen wird die Nachtkerze als Heilpflanze weiter in Vergessenheit geraten, wie es ihr als kulinarische Delikatesse schon geschah.
Ein bevorzugtes Verbreitungsgebiet fĂŒr die Nachtkerzen sind BahndĂ€mme. Der Sogwind schnellfahrender ZĂŒge hat ihre Samenkapseln weit ĂŒbers Land verteilt entlang der Bahnstrecken. Damit haben sie sich einen weiteren Zweitnamen eingehandelt: Eisenbahnpflanze. Inwieweit sie stimmungsaufhellend auf Reisenden der Deutschen Bahn AG wirken, wenn sie diese sie alltĂ€glichen VerspĂ€tungen traurig aus den Zugfenstern betrachten, ist bisher noch nicht erforscht. GenĂŒgend Zeit wĂ€re ja dafĂŒr!
Quellen:
Presseartikel des NHV Theophrastus e.V. zur Heilpflanze des Jahres 2026 – Nachtkerze; Oktober 2025.
- https://www.usz.ch/krankheit/neurodermitis/; 27.17.2025. â©ïž
- https://flexikon.doccheck.com/de/LinolsĂ€ure; 27.12.2025. â©ïž
- https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/haut-und-allergie/nachtkerzenoel-wirksamkeit-und-anwendungsgebiete-im-ueberblick/, 27.12.2025. â©ïž
- https://medizin-transparent.at/nachtkerzenoel-neurodermitis/; 27.12.2025. â©ïž

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